Deutsche Tageszeitung - Augenkrankheit nach Abnehmspritzen: Vier Patienten in Dänemark erhalten Entschädigung

Augenkrankheit nach Abnehmspritzen: Vier Patienten in Dänemark erhalten Entschädigung


Augenkrankheit nach Abnehmspritzen: Vier Patienten in Dänemark erhalten Entschädigung
Augenkrankheit nach Abnehmspritzen: Vier Patienten in Dänemark erhalten Entschädigung / Foto: © AFP

Weil sie nach der Einnahme von Abnehm- oder Diabetes-Medikamenten schwere Augenerkrankungen entwickelt haben, erhalten in Dänemark vier Patienten eine Entschädigung. Wie die dänische Behörde für Patientenentschädigung am Freitag entschied, erhalten die vier Betroffenen eine Entschädigungszahlung in Höhe von insgesamt 800.000 dänischen Kronen (umgerechnet etwa 107.000 Euro). Die Patienten hatten jeweils das Abnehmmedikament Wegovy oder das Diabetesmedikament Ozempic verwendet, die beide vom dänischen Pharmakonzern Novo Nordisk hergestellt werden.

Textgröße ändern:

Abhängig davon, welchen Einfluss die Erkrankung auf ihr weiteres Leben haben werde - zum Beispiel, wenn sie ihre Fähigkeit zu arbeiten beeinflusse - könnten die Entschädigungszahlungen noch steigen, erklärte die Behörde. Eine medizinische Entschädigung wird in Dänemark in der Regel von den Gesundheitsbehörden ausgezahlt.

Insgesamt hatten mehr als 40 Menschen Entschädigungen gefordert, nachdem sie nach der Nutzung der Medikamente schwerwiegende Augenkrankheiten entwickelt hatten. Die Behörde entschied bislang in fünf Fällen.

Bei der Augenerkrankung handelt es sich um die seltene Krankheit NAION (nichtarteriitische anteriore ischämische Optikusneuropathie), bei der der Sehnerv nicht mit ausreichend Blut versorgt wird, was zum Sehverlust führen kann.

"Es ist bedauernswert für die Patienten, die von der Nebenwirkung betroffen sind", erklärte die Direktorin der Entschädigungsbehörde, Karen-Inger Bast. "NAION ist eine schwerwiegende Erkrankung, die zu einer dauerhaften und unheilbaren Schädigung des Sehvermögens führt." Bast fügte hinzu, es sei schwierig, die Fälle zu bewerten, da es sich um ein neuartiges Medikament handele und die Patienten bereits ein erhöhtes Risiko hätten, NAION zu entwickeln.

Im vergangenen Jahr hatte die dänische Arzneimittelagentur die Europäische Arzneimittelbehörde (EMA) aufgefordert, eine dänische Studie zu prüfen, die einen Zusammenhang zwischen Semaglutid, des für Ozempic und Wegovy verwendeten Wirkstoffs, und NAION nahelegt, zu untersuchen. Im Juni kam ein Ausschuss für Risikobewertung der EMA zu dem Schluss, dass NAION eine "sehr seltene" Nebenwirkung von Semaglutid ist und bis zu einen von 10.000 Nutzern betrifft.

Novo Nordisk erklärte, die Entscheidung der dänischen Behörde für Patientenentschädigung überprüft zu haben. In einer Erklärung an die Nachrichtenagentur AFP betonte der Pharmakonzern, die Packungsbeilage für alle Produkte, die Semaglutid enthalten, aktualisiert zu haben, um NAION als "sehr seltene" Nebenwirkung der Medikamente aufzunehmen.

(V.Sørensen--DTZ)

Empfohlen

Zahnarzt-Kosten: Vorstoß von CDU-Wirtschaftsrat stößt auch in Union auf Ablehnung

Mit seinem Vorschlag, Zahnarzt-Behandlungen aus dem Leistungskatalog der gesetzlichen Krankenkassen zu streichen, stößt der Wirtschaftsrat der CDU auch innerhalb der Partei auf breite Kritik. Vor den anstehenden Landtagswahlen warnten führende CDU-Politiker davor, die Bürgerinnen und Bürger mit derartigen Forderungen zu vergraulen. Bundesgesundheitsministerin Nina Warken (CDU) erteilte dem Vorstoß des CDU-nahen Unternehmerverbandes eine kategorische Absage.

Warken schließt Streichung der Erstattung von Zahnarztleistungen aus

Bundesgesundheitsministerin Nina Warken (CDU) hat die Forderung abgelehnt, Zahnarztleistungen nicht mehr durch die gesetzliche Krankenversicherung zu erstatten. Diese werde "nicht umgesetzt", erklärte Warken am Montag in Berlin. "Das schließe ich aus, denn es wäre eine Abkehr des Kerngedankens unseres Solidarsystems". Zudem widerspreche dies "dem Ziel, Prävention zu stärken".

Zahl der Krebstoten in Deutschland steigt - aber insgesamt bessere Überlebenschancen

Aufgrund der älter werdenden Bevölkerung steigt in Deutschland die Zahl der Krebstoten, während zugleich die Überlebenschancen wachsen. Im Jahr 2024 starben 230.400 Menschen an einer Krebserkrankung, wie das Statistische Bundesamt in Wiesbaden am Montag mitteilte. Das waren rund zehn Prozent mehr als im Jahr 2004. Gerade bei Menschen im jüngeren und mittleren Alter führt Krebs demnach aber seltener zum Tod als noch vor 20 Jahren.

Zahnarzt selbst zahlen: CDU-Wirtschaftsrat fordert Kahlschlag bei Sozialleistungen

Zahnarztbesuche werden nicht mehr von der Versicherung bezahlt, Arbeitslosengeld gibt es grundsätzlich nur noch ein Jahr lang, Mütterrente und Rente mit 63 werden gestrichen: Mit solchen Vorschlägen will der CDU-Wirtschaftsrat den Anstieg der Sozialabgaben verhindern. Der Unternehmensverband veröffentlichte am Sonntag seine "Agenda für Arbeitnehmer", die auf der Gegenseite auch Steuersenkungen für Beschäftigte vorsieht. Unter dem Strich würden Arbeitnehmer "deutlich entlastet", betonte der Verband.

Textgröße ändern: