Deutsche Tageszeitung - Umfrage: 91 Prozent der Deutschen recherchieren in Internet zu Krankheiten

Umfrage: 91 Prozent der Deutschen recherchieren in Internet zu Krankheiten


Umfrage: 91 Prozent der Deutschen recherchieren in Internet zu Krankheiten
Umfrage: 91 Prozent der Deutschen recherchieren in Internet zu Krankheiten / Foto: © AFP/Archiv

Fast alle Deutschen recherchieren einer Umfrage zufolge zu Krankheiten und Symptomen im Internet. Laut am Donnerstag in Hannover veröffentlichten Zahlen der Kaufmännischen Krankenkasse (KKH) nutzen 91 Prozent der Befragten das Internet als Informationsquelle zu medizinischen Fragen. Befragt wurden 1000 Menschen im Alter von 16 bis 70 Jahren durch das Meinungsforschungsinstitut Forsa.

Textgröße ändern:

Mit 32 Prozent recherchiert ein Drittel zu medizinischen Fragen oder würde das tun, um sich einen Arztbesuch zu ersparen, wie es von der KKH weiter hieß. 23 Prozent gaben an, sich auf diese Weise bereits selbst geholfen zu haben. 13 Prozent aller Befragten stellten laut Umfrage schon einmal eine Selbstdiagnose, unter den 16- bis 34-Jährigen sogar 20 Prozent. Mehr als die Hälfte bereitet sich mit einer Internetrecherche auf einen Arztbesuch vor. 15 Prozent gaben an, sich durch Rechercheergebnisse verunsichert zu fühlen.

"Wer im Netz nach Krankheiten und Symptomen googelt, macht erst einmal nichts falsch", erklärte KKH-Psychologin Isabelle Wenck. In den meisten Fällen verbessere dies sogar die eigene Gesundheitskompetenz. Allerdings könne die Flut an Diagnosen Laien überfordern und verunsichern, schließlich tauchten zum Beispiel bei den Stichwörtern "Kopfschmerz" und "Schwindel" nicht nur Treffer wie "Stress" und "Migräne", sondern auch beängstigende Ergebnisse wie "Multiple Sklerose" oder "Hirntumor" auf.

"Vor allem Menschen mit psychischen Erkrankungen wie beispielsweise einer Angst- oder Zwangsstörung können dann schnell in einen Teufelskreis geraten", betonte Wenck. In der Folge könne eine Cyberchondrie entstehen. Dabei surfen Betroffene viele Stunden am Tag nach passenden Erklärungen für ihre Beschwerden, ziehen häufig falsche Schlüsse, überdramatisieren schließlich ihre Symptome und stellen schlimmstenfalls dramatische Eigendiagnosen.

"In besonders schweren Fällen dreht sich der gesamte Alltag um die Krankheitssuche im Internet", erläuterte die Psychologin. Darüber hinaus mieden Menschen mit Cyberchondrie häufig den Gang in die Arztpraxis, weil sie fürchteten, nicht ernst genommen zu werden - oder dass ihre Eigendiagnose bestätigt werde.

(B.Izyumov--DTZ)

Empfohlen

Koalition debattiert weiter über Pflegereform - Kosten steigen derweil weiter

Die Koalition debattiert weiter über Details einer Strukturreform der Pflegeversicherung - die Kosten steigen derweil weiter. Die Durchschnittslöhne in der Pflege legten in diesem Jahr abermals zu: um 3,4 Prozent im Vergleich zum Vorjahr auf nun 24,50 Euro pro Stunde. Dies geht aus Berechnungen des Spitzenverbands der Gesetzlichen Krankenkassen (GKV) hervor, die am Donnerstag veröffentlicht wurden. Der Verband mahnte eine rasche Umsetzung von Reformen an, um einen weiteren Anstieg der von den Versicherten zu zahlenden Eigenanteile zu bremsen.

Eineinhalb Millionen Betroffene: Leopoldina fordert bessere Therapien bei Long-Covid

Auch mehrere Jahre nach dem Ende der Coronapandemie gibt es Experten zufolge erhebliche Versorgungslücken bei der Behandlung von Spätfolgen wie Long-Covid. Betroffene würden nach wie vor falsch diagnostiziert und fänden keine ausreichenden Therapiemöglichkeiten bei Ärzten und in Hochschulambulanzen, erklärte die Wissenschaftsakademie Leopoldina in einer am Donnerstag veröffentlichten Stellungsnahme zu postinfektiösen Erkrankungen.

Linnemann weist Pflege-Forderungen der SPD zurück: Kostendeckel wäre "gefährlich"

Bundesgesundheitsminister Carsten Linnemann (CDU) hat die Forderung des Koalitionspartners SPD nach einer Deckelung der Eigenanteile bei der Pflege kategorisch zurückgewiesen. "Ein Deckel ist ja hochgradig gefährlich", sagte Linnemann am Mittwochabend im "heute journal" des ZDF. "Das muss man einfach so sagen." Ein solcher Deckel würde dazu führen, "dass die Kosten weiter ausarten", warnte der Minister.

Bundeskabinett beschließt Pflegereform - aber weiter Kritik

Bis zuletzt hatten Union und SPD um die Pflegereform gerungen, nun wurde sie im Bundeskabinett verabschiedet. Sie blieb dabei größtenteils so, wie sie Bundesgesundheitsminister Carsten Linnemann (CDU) geplant hatte. Dieser sprach am Mittwoch von einem "ersten wichtigen Schritt" zur Stabilisierung des Pflegesystems. Die Hauptforderungen der SPD blieben hingegen unberücksichtigt - um sie soll sich eine neue Kommission kümmern.

Textgröße ändern: