Deutsche Tageszeitung - Ersatzkassen: Kosten bei Kranken- und Pflegeversicherung laufen "aus dem Ruder"

Ersatzkassen: Kosten bei Kranken- und Pflegeversicherung laufen "aus dem Ruder"


Ersatzkassen: Kosten bei Kranken- und Pflegeversicherung laufen "aus dem Ruder"
Ersatzkassen: Kosten bei Kranken- und Pflegeversicherung laufen "aus dem Ruder" / Foto: © AFP/Archiv

Der Verband der Ersatzkassen (vdek) hat vor "immer mehr aus dem Ruder" laufenden Ausgaben bei der gesetzlichen Krankenversicherung und der Pflegeversicherung gewarnt. Die Ausgaben der Krankenversicherung dürften 2026 "ein Rekordniveau" von rund 370 Milliarden Euro erreichen, teilte der Verband am Mittwoch mit. Bei der Pflegeversicherung wird mit Ausgaben von 80 Milliarden Euro gerechnet - 2024 waren es noch rund 68 Milliarden Euro.

Textgröße ändern:

Bei der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) erwartet der vdek "ohne tiefgreifende Reformen" 2027 erneut eine Finanzierungslücke von mehr als zehn Milliarden Euro. Der Kassenverband stützt sich bei seinen Einschätzungen auf Analysen des IGES-Instituts.

Der Verband fordert angesichts der Prognosen unter anderem "eine strikte Orientierung der Ausgaben- an der Einnahmenentwicklung" sowie eine bessere Steuerung der Versorgung. Dabei werden auch konkrete Forderung wie eine Senkung der Mehrwertsteuer auf Arzneimittel oder eine kostendeckende Finanzierung von Bürgergeldempfangenden erhoben.

Der Verband begrüßte die von Gesundheitsministerin Nina Warken (CDU) geplante Reform der medizinischen Primärversorgung. "Zu viele Patientinnen und Patienten warten zu lange auf einen Arzttermin und finden keine Orientierung im System", erklärte vdek-Vorstandschefin Ulrike Elsner dazu. "Das muss sich endlich ändern."

Für die Ersatzkassen seien dabei drei Instrumente entscheidend: eine digital gestützte Ersteinschätzung, eine elektronische Überweisung und eine zentrale Terminplattform für schnellere Arzttermine.

Warken hatte erst am Dienstag mit Branchenvertretern über eine Reform der Primärversorgung gesprochen. Geplant ist die Einführung eines Primärarztmodells: Ein Facharzt soll demnach künftig erst nach einem Besuch beim Hausarzt oder nach einer telefonischen oder digitalen Ersteinschätzung aufgesucht werden. Dies soll die Zahl der Arztbesuche reduzieren und damit auch Kosten sparen.

Der vdek vertritt die sechs deutschen Ersatzkassen, dazu gehören unter anderem die Techniker Krankenkasse und die Barmer. Sie versichern nach Angaben des Verbands zusammen rund 29 Millionen Menschen in Deutschland.

(M.Travkina--DTZ)

Empfohlen

Zahnarzt-Kosten: Vorstoß von CDU-Wirtschaftsrat stößt auch in Union auf Ablehnung

Mit seinem Vorschlag, Zahnarzt-Behandlungen aus dem Leistungskatalog der gesetzlichen Krankenkassen zu streichen, stößt der Wirtschaftsrat der CDU auch innerhalb der Partei auf breite Kritik. Vor den anstehenden Landtagswahlen warnten führende CDU-Politiker davor, die Bürgerinnen und Bürger mit derartigen Forderungen zu vergraulen. Bundesgesundheitsministerin Nina Warken (CDU) erteilte dem Vorstoß des CDU-nahen Unternehmerverbandes eine kategorische Absage.

Warken schließt Streichung der Erstattung von Zahnarztleistungen aus

Bundesgesundheitsministerin Nina Warken (CDU) hat die Forderung abgelehnt, Zahnarztleistungen nicht mehr durch die gesetzliche Krankenversicherung zu erstatten. Diese werde "nicht umgesetzt", erklärte Warken am Montag in Berlin. "Das schließe ich aus, denn es wäre eine Abkehr des Kerngedankens unseres Solidarsystems". Zudem widerspreche dies "dem Ziel, Prävention zu stärken".

Zahl der Krebstoten in Deutschland steigt - aber insgesamt bessere Überlebenschancen

Aufgrund der älter werdenden Bevölkerung steigt in Deutschland die Zahl der Krebstoten, während zugleich die Überlebenschancen wachsen. Im Jahr 2024 starben 230.400 Menschen an einer Krebserkrankung, wie das Statistische Bundesamt in Wiesbaden am Montag mitteilte. Das waren rund zehn Prozent mehr als im Jahr 2004. Gerade bei Menschen im jüngeren und mittleren Alter führt Krebs demnach aber seltener zum Tod als noch vor 20 Jahren.

Zahnarzt selbst zahlen: CDU-Wirtschaftsrat fordert Kahlschlag bei Sozialleistungen

Zahnarztbesuche werden nicht mehr von der Versicherung bezahlt, Arbeitslosengeld gibt es grundsätzlich nur noch ein Jahr lang, Mütterrente und Rente mit 63 werden gestrichen: Mit solchen Vorschlägen will der CDU-Wirtschaftsrat den Anstieg der Sozialabgaben verhindern. Der Unternehmensverband veröffentlichte am Sonntag seine "Agenda für Arbeitnehmer", die auf der Gegenseite auch Steuersenkungen für Beschäftigte vorsieht. Unter dem Strich würden Arbeitnehmer "deutlich entlastet", betonte der Verband.

Textgröße ändern: