Deutsche Tageszeitung - Mangel an Pflegeplätzen: Verband fordert "pflegepolitische Wende"

Mangel an Pflegeplätzen: Verband fordert "pflegepolitische Wende"


Mangel an Pflegeplätzen: Verband fordert "pflegepolitische Wende"
Mangel an Pflegeplätzen: Verband fordert "pflegepolitische Wende" / Foto: © AFP/Archiv

Angesichts drastisch gestiegener Eigenanteile und fehlender Pflegeplätze sieht der Arbeitgeberverband Pflege dringenden Handlungsbedarf. "Wir brauchen eine pflegepolitische Wende, sonst wird die Pflegekrise zur Gesellschaftskrise", erklärte Verbandspräsident Thomas Greiner am Donnerstag. "Pflege muss wieder günstiger werden, die Eigenanteile müssen runter und wir brauchen Pflegeplätze, Pflegeplätze, Pflegeplätze."

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Die Eigenanteile für die Pflege im Heim sind Berechnungen des Verbands zufolge seit 2018 um 76 Prozent gestiegen - und damit fast dreimal so stark wie die Verbaucherpreise. Aktuell müssen Heimbewohnerinnen und -bewohner durchschnittlich 3364 Euro pro Monat aus eigener Tasche bezahlen, wie der Verband der Ersatzkassen (vdek) kürzlich mitteilte.

Laut Arbeitgeberverband Pflege (AGVP) fehlen seit Ende 2021 rund 60.000 zusätzliche Pflegeplätze. Ab Mitte der 2030er-Jahre würden die geburtenstarken Jahrgänge das besonders pflegesensitive Alter, warnte der Verein. Bis 2045 steige so die Zahl der Hochbetagten auf 8,6 Millionen.

"Die Uhr tickt: Deutschland hat noch rund zehn Jahre, um die Pflegeinfrastruktur für die kommende Pflegewelle aufzubauen", betonte Verbandspräsident Greiner. "Wer heute nicht plant, baut und betreibt, kann morgen keine Babyboomer versorgen."

Er forderte eine bessere Organisation der Pflege: "Personal nach Kompetenz und Bedarf einsetzen, Beschäftigte durch Digitalisierung entlasten und unnötige Bürokratie streichen." So könnten mehr Menschen versorgt werden und die Kosten pro Platz sinken. Zudem müssten Bauvorschriften überprüft und Personalvorgaben abgebaut werden.

Die Bundesregierung plant derzeit eine große Pflegereform, mit der vor allem auf das Milliarden-Defizit in der Pflegeversicherung reagiert werden soll. Der neue Gesundheitsminister Carsten Linnemann muss das von seiner Amtsvorgängerin Nina Warken (beide CDU) begonnen Vorhaben weiterführen.

AGVP-Präsident Greiner sieht im bisherigen Entwurf zur Pflegereform allerdings "keine Antwort auf die Versorgungskrise". Er forderte Linnemann auf, "den Neustart" zu wagen.

(L.Møller--DTZ)

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