Deutsche Tageszeitung - Skandal um Säuglingsnahrung: Französische Familien und Foodwatch reichen Klage ein

Skandal um Säuglingsnahrung: Französische Familien und Foodwatch reichen Klage ein


Skandal um Säuglingsnahrung: Französische Familien und Foodwatch reichen Klage ein
Skandal um Säuglingsnahrung: Französische Familien und Foodwatch reichen Klage ein / Foto: © AFP/Archiv

Vor dem Hintergrund eines Skandals um verunreinigte Babymilch haben acht Familien und die Organisation Foodwatch in Frankreich Klage eingereicht. Sie werfen den betroffenen Unternehmen und Behörden vor, zu spät reagiert zu haben, erklärte Foodwatch am Donnerstag in Paris. Multinationale Konzerne hätten "Produkte in Umlauf gebracht, die die Gesundheit von Babys gefährden", betonte die Organisation.

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Anfang Januar hatte der Schweizer Lebensmittelkonzern Nestlé in etwa 60 Ländern bestimmte Chargen von Flaschennahrung zurückgerufen. Es bestand Verdacht, dass diese mit Cereulid verunreinigt waren. Laut Foodwatch "wusste der Konzern jedoch schon Wochen zuvor von der Gefahr". In Deutschland und Österreich habe es nur einen "stillen Rückruf" gegeben, ohne öffentliche Warnung.

In Frankreich hat die Justiz nach dem Tod zweier Säuglinge Ermittlungen wegen "möglicher Verunreinigung" der von den Babys verzehrten Flaschenmilch aufgenommen. Bislang gebe es aber "noch keinen Beleg für einen Kausalzusammenhang" mit dem Rückruf, hatte das Gesundheitsministerium in der vergangenen Woche betont. Beide Babys hatten Säuglingsnahrung der Nestlé-Marke Guigoz erhalten, die von dem Rückruf betroffen war.

Später riefen weitere Hersteller wie Danone und Lactalis wegen einer möglichen Verunreinigung mit Cereulid Säuglingsnahrung in etwa 60 Ländern zurück. Es besteht der Verdacht, dass eine in China hergestellte Substanz, die die für Säuglinge wichtige Arachidonsäure enthält, für die Verunreinigung verantwortlich sein könnte. Cereulid ist ein Giftstoff bakteriellen Ursprungs, der Durchfall und Erbrechen verursachen kann.

Auch in Deutschland haben sich laut Foodwatch inzwischen zahlreiche besorgte Eltern gemeldet, deren Kinder nach dem Verzehr von Flaschenmilch Verdauungsstörungen hatten. "Anstatt besorgte Eltern schnell und umfassend zu warnen, räumten Unternehmen und Behörden die verunreinigten Produkte oft still und heimlich aus den Regalen" erklärte Chris Methmann, Geschäftsführer von Foodwatch Deutschland. Hersteller von Säuglingsnahrung seien "gesetzlich verpflichtet, die Sicherheit ihrer Produkte zu garantieren".

(L.Barsayjeva--DTZ)

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