Deutsche Tageszeitung - Krankenkassen dringen auf Reformen - Leistungskürzungen aber abgelehnt

Krankenkassen dringen auf Reformen - Leistungskürzungen aber abgelehnt


Krankenkassen dringen auf Reformen - Leistungskürzungen aber abgelehnt
Krankenkassen dringen auf Reformen - Leistungskürzungen aber abgelehnt / Foto: © AFP/Archiv

Die gesetzlichen Krankenkassen (GKV) dringen auf umfassende Reformen im Gesundheitswesen. "Mein Appell an die Bundesregierung lautet: Stoßen Sie jetzt entschlossen die notwendigen Veränderungen an und setzen diese dann mit starkem Rückgrat durch", sagte der Vorstandsvorsitzende des GKV-Spitzenverbands, Oliver Blatt, der "Bild"-Zeitung vom Samstag. Leistungskürzungen oder Mehrbelastungen für die Versicherten lehnte er aber ab.

Textgröße ändern:

"Die Krankenkassen geben heute jeden Tag über eine Milliarde Euro für die Versorgung der 75 Millionen GKV-versicherten Bürgerinnen und Bürger aus. Das ist verdammt viel Geld, das muss reichen", sagte Blatt weiter. Um dies zu erreichen und die Kassen finanziell wieder stabil aufzustellen, forderte er "ein mutiges und umfassendes Paket an Struktur- und Sparmaßnahmen".

Als Ursache der aktuellen Finanznot der Krankenkassen nannte Blatt massive Ausgabensteigerungen. "Allein im letzten Jahr sind die Krankenhausausgaben um fast zehn Prozent gestiegen, die Ausgaben für Ärzte um fast acht Prozent und die für Medikamente um rund sechs Prozent", sagte er. Dies könne nicht durch weitere Beitragserhöhungen aufgefangen werden. Blatt forderte vielmehr ein grundlegendes Umdenken im System.

"Was gar nicht geht: Zuerst bei den Patientinnen und Patienten zu sparen", stellte der GKV-Vorstandschef jedoch klar. "Gerade Ärzte- und Krankenhausvertreter waren in den letzten Monaten schnell dabei, höhere Zuzahlungen, Eintrittsgeld für Arztpraxen oder Leistungskürzungen für Patientinnen und Patienten zu fordern", kritisierte er. "Wenn überhaupt, dann sind Belastungen der Patientinnen und Patienten das letzte Mittel und nicht das erste", mahnte er Einsparungen bei den Leistungserbringern an.

(U.Kabuchyn--DTZ)

Empfohlen

Sozialverband fordert von Linnemann Überdenken der Gesundheitsreform

Der Sozialverband Deutschland (SoVD) hat den neuen Gesundheitsminister Carsten Linnemann (CDU) zu einer Neuausrichtung der Politik des Ministeriums aufgefordert. "Erster Akt muss sein, die Gesundheitsreform zu überdenken, die vor allem erhebliche Leistungskürzungen und Mehrbelastungen für die Versicherten vorsieht", sagte die SoVD-Vorstandsvorsitzende Michaela Engelmeier den Zeitungen der Funke Mediengruppe (Samstagsausgaben). Engelmeier forderte Linnemann zudem zu einer Reform der Pflege auf.

Zuckersteuer: Widerstand in der Union gegen Warken-Pläne

In der Union regt sich Widerstand gegen die von der Bundesregierung geplante Steuer auf zuckerhaltige Getränke. Er halte die Zuckersteuer für falsch und werde sie nicht unterstützen, sagte Sachsen-Anhalts Ministerpräsident Sven Schulze (CDU) dem "Spiegel". "Sie bringt keine spürbaren Veränderungen im Gesundheitsbewusstsein der Menschen und hilft damit auch nicht dem Gesundheitswesen." Er rechne auch nicht mit zusätzlichen Steuereinnahmen.

Einnahmen in Arztpraxen nach zwei Jahren wieder stärker gestiegen als Ausgaben

Die Einnahmen in den Arztpraxen sind nach zwei Jahren erstmals wieder stärker gestiegen als die Ausgaben. Im Jahr 2024 nahm jede Praxis im Schnitt 854.000 Euro ein, wie das Statistische Bundesamt am Donnerstag in Wiesbaden mitteilte. Damit waren 6,2 Prozent mehr als im Vorjahr. Die Ausgaben erhöhten sich im gleichen Zeitraum um 4,7 Prozent auf 493.000 Euro.

Ihr Sehen verdient mehr als Standardlösungen.

Entdecken Sie Sehen, das zu Ihrem Leben passt.

Textgröße ändern: