Deutsche Tageszeitung - Warken verteidigt Kassen-Reform: "Kraftakt für alle Beteiligten"

Warken verteidigt Kassen-Reform: "Kraftakt für alle Beteiligten"


Warken verteidigt Kassen-Reform: "Kraftakt für alle Beteiligten"
Warken verteidigt Kassen-Reform: "Kraftakt für alle Beteiligten" / Foto: © AFP/Archiv

Bundesgesundheitsministerin Nina Warken (CDU) hat ihre Pläne für eine Reform der gesetzlichen Krankenversicherung gegen massive Kritik verteidigt. "Wir haben eine große Reform vorgelegt, mit einem schon Jahre oder Jahrzehnte nicht mehr da gewesenen Einsparvolumen", sagte die Ministerin am Mittwoch vor dem geplanten Kabinettsbeschluss im Deutschlandfunk. "Dass es da Änderungswünsche gibt, ist ja völlig normal."

Textgröße ändern:

Warken geht nach eigenen Worten davon aus, dass die Reform ausgewogen sei und ihr wichtigstes Ziel erreiche: die Schließung des Defizits der gesetzlichen Kassen. "Wir werden mit diesem Vorschlag die Lücke schließen und damit die Beiträge auch stabil halten." Dafür müssten alle ihren Beitrag leisten: Ärzte, Krankenhäuser, Pharmaindustrie - aber eben auch die Versicherten.

Die Ministerin warb um Verständnis für diese Einschnitte, die angesichts der stetig wachsenden Defizite der Kassen unvermeidlich seien. Die Botschaft müsse sein, "dass wir seit Jahren über unsere Verhältnisse gelebt haben und in der gesetzlichen Krankenversicherung immer mehr ausgegeben haben als eingenommen", sagte sie. "Und damit ist jetzt Schluss. Wir werden künftig wieder besser mit dem Geld zurechtkommen." Dies werde für stabile Kassenbeiträge sorgen - "und das entlastet dann alle Bürgerinnen und Bürger".

Verständnis äußerte Warken für die Kritik daran, dass die gesetzlichen Kassen weiterhin Milliardenbeiträge für die Versicherung von Grundsicherungs-Beziehenden bezahlen müssen. "Natürlich ist es eine Unwucht zulasten der gesetzlich Versicherten", sagte sie im Deutschlandfunk. Sie selber hätte sich gewünscht, dass mehr von diesen Kosten von rund zwölf Milliarden Euro im Jahr aus Steuermitteln finanziert werde. Dazu fehle aber das Geld im Bundeshaushalt.

Der Reformentwurf sieht vor, dass der Bund im kommendem Jahr 250 Millionen Euro mehr für die Versicherung von Grundsicherungs-Empfängern zuschießt. In den Folgejahren soll sich dies erhöhen. "Ich hätte mir auch mehr gewünscht", sagte Warken im "Morgenmagazin" des ZDF. "Aber wir haben auch eine Riesenlücke im Haushalt", fügte sie hinzu. "Das ist jetzt ein Kompromiss, aber immerhin ein Einstieg."

Die Belastungen seien in ihrem Reformgesetz aber gerecht verteilt, betonte Warken. "Es ist ein ausgewogenes Paket, so dass auch keiner über Gebühr belastet wird." Sie räumte aber ein, dass die Reform eine "Kraftanstrengung für alle Beteiligten" sei.

(W.Uljanov--DTZ)

Empfohlen

Regelmäßiger Alkoholkonsum junger Erwachsener erreicht historischen Tiefstand

Junge Menschen in Deutschland trinken nach neuen Daten des Bundesinstituts für Öffentliche Gesundheit deutlich seltener regelmäßig Alkohol als früher. Rauschtrinken bleibt insbesondere unter jungen Männern verbreitet.

Barmer-Analyse: Ohne bessere Patientensteuerung deutlich mehr Notfallbehandlungen

Ohne eine bessere Patientensteuerung könnte die Zahl ambulanter Notfallbehandlungen in Krankenhäusern laut einer Krankenkassenstudie bis zum Jahr 2040 von zuletzt 13 Millionen auf 15,7 Millionen steigen. Das wäre ein Zuwachs um rund 21 Prozent im Vergleich zum Jahr 2024, wie aus einer Analyse des Barmer-Instituts für Gesundheitssystemforschung hervorgeht, die der Nachrichtenagentur AFP am Donnerstag vorlag.

Patientenschützer fordern Zusammenlegung von privaten und gesetzlichen Pflegekassen

Die Deutsche Stiftung Patientenschutz hat angesichts der Finanzprobleme der Pflegekassen die Zusammenlegung von gesetzlicher und privater Pflegeversicherung gefordert. "Es braucht jetzt mutige Entscheidungen in der schwarz-roten Koalition. Die Zusammenlegung der privaten und gesetzlichen Pflegeversicherung ist überfällig", sagte Vorstand Eugen Brysch der "Rheinischen Post" vom Mittwoch.

Krankenkasse: Deutlicher Anstieg bei Hautkrebspatienten

Die Zahl der an Hautkrebs erkrankten Menschen ist in den vergangenen Jahren deutlich gestiegen. Von 2014 bis 2024 erhöhte sich die Zahl der Behandlungen wegen der Diagnose schwarzer Hautkrebs um 28 Prozent, wie aus einer am Mittwoch in Hannover veröffentlichten Analyse der Krankenkasse KKH hervorgeht. Die Zahl der Betroffenen mit dem weniger gefährlichen weißen Hautkrebs stieg sogar um 45 Prozent an.

Textgröße ändern: