Deutsche Tageszeitung - WHO-Chef über Hantavirus-Ausbruch: Unsere Arbeit ist noch nicht vorbei

WHO-Chef über Hantavirus-Ausbruch: Unsere Arbeit ist noch nicht vorbei


WHO-Chef über Hantavirus-Ausbruch: Unsere Arbeit ist noch nicht vorbei
WHO-Chef über Hantavirus-Ausbruch: Unsere Arbeit ist noch nicht vorbei / Foto: © AFP

Nach der Evakuierung der letzten Passagiere des Kreuzfahrtschiffs "Hondius" wegen eines Hantavirus-Ausbruchs kann laut WHO-Chef Tedros Adhanom Ghebreyesus noch keine Entwarnung gegeben werden. "Unsere Arbeit ist noch nicht vorbei", sagte Tedros am Dienstag bei einer Pressekonferenz mit dem spanischen Regierungschef Pedro Sánchez in Madrid.

Textgröße ändern:

Zwar gebe es kein Anzeichen für den Beginn eines größeren Ausbruchs, betonte der WHO-Chef. "Aber natürlich kann sich die Lage ändern, und angesichts der langen Inkubationszeit des Virus ist es möglich, dass in den kommenden Wochen weitere Fälle auftreten."

Tedros mahnte alle beteiligten Länder, die Empfehlungen seiner Organisation zur Eindämmung des potenziell tödlichen Virus ernst zu nehmen. "Wir können die Länder nicht verpflichten, unsere Protokolle anzuwenden", sagte er. "Wir können nur dazu raten und Empfehlungen aussprechen."

Die WHO empfiehlt bei Hantavirus-Verdacht eine 42-tägige Isolation. Die meisten betroffenen Länder wollen dieser Empfehlung offenbar folgen. Der derzeitige Chef der US-Gesundheitsbehörde CDC, Jay Bhattacharya, hatte allerdings erklärt, die in die USA zurückgekehrten "Hondius"-Passagiere würden nicht zwangsläufig unter Quarantäne gestellt.

Auf der "Hondius" war es während einer Kreuzfahrt von Argentinien zu den Kapverden zu einem tödlichen Hantavirus-Ausbruch gekommen, drei Passagiere starben. Bei zwei von ihnen wurde das Virus nachgewiesen, bei dem dritten Todesopfer gilt eine Hantavirus-Infektion nach Angaben der WHO als wahrscheinlich. Bei insgesamt sieben weiteren inzwischen evakuierten Insassen der "Hondius" wurde das Virus laut WHO bestätigt. Das Bundesgesundheitsministerium hatte am Montag erklärt, lle vier von Bord der "Hondius" geholten deutschen Passagiere seien "vollständig ohne Symptome".

Bei dem Virusstamm im Fall der "Hondius" handelt es sich um das Andesvirus. Es ist der einzige Hantavirusstamm, der nachweisbar von Mensch zu Mensch übertragbar ist.

(W.Uljanov--DTZ)

Empfohlen

Koalition debattiert weiter über Pflegereform - Kosten steigen derweil weiter

Die Koalition debattiert weiter über Details einer Strukturreform der Pflegeversicherung - die Kosten steigen derweil weiter. Die Durchschnittslöhne in der Pflege legten in diesem Jahr abermals zu: um 3,4 Prozent im Vergleich zum Vorjahr auf nun 24,50 Euro pro Stunde. Dies geht aus Berechnungen des Spitzenverbands der Gesetzlichen Krankenkassen (GKV) hervor, die am Donnerstag veröffentlicht wurden. Der Verband mahnte eine rasche Umsetzung von Reformen an, um einen weiteren Anstieg der von den Versicherten zu zahlenden Eigenanteile zu bremsen.

Eineinhalb Millionen Betroffene: Leopoldina fordert bessere Therapien bei Long-Covid

Auch mehrere Jahre nach dem Ende der Coronapandemie gibt es Experten zufolge erhebliche Versorgungslücken bei der Behandlung von Spätfolgen wie Long-Covid. Betroffene würden nach wie vor falsch diagnostiziert und fänden keine ausreichenden Therapiemöglichkeiten bei Ärzten und in Hochschulambulanzen, erklärte die Wissenschaftsakademie Leopoldina in einer am Donnerstag veröffentlichten Stellungsnahme zu postinfektiösen Erkrankungen.

Linnemann weist Pflege-Forderungen der SPD zurück: Kostendeckel wäre "gefährlich"

Bundesgesundheitsminister Carsten Linnemann (CDU) hat die Forderung des Koalitionspartners SPD nach einer Deckelung der Eigenanteile bei der Pflege kategorisch zurückgewiesen. "Ein Deckel ist ja hochgradig gefährlich", sagte Linnemann am Mittwochabend im "heute journal" des ZDF. "Das muss man einfach so sagen." Ein solcher Deckel würde dazu führen, "dass die Kosten weiter ausarten", warnte der Minister.

Bundeskabinett beschließt Pflegereform - aber weiter Kritik

Bis zuletzt hatten Union und SPD um die Pflegereform gerungen, nun wurde sie im Bundeskabinett verabschiedet. Sie blieb dabei größtenteils so, wie sie Bundesgesundheitsminister Carsten Linnemann (CDU) geplant hatte. Dieser sprach am Mittwoch von einem "ersten wichtigen Schritt" zur Stabilisierung des Pflegesystems. Die Hauptforderungen der SPD blieben hingegen unberücksichtigt - um sie soll sich eine neue Kommission kümmern.

Textgröße ändern: