Deutsche Tageszeitung - Leipziger Buchmesse mit Festakt eröffnet - Zwischenrufe bei Scholz-Rede

Leipziger Buchmesse mit Festakt eröffnet - Zwischenrufe bei Scholz-Rede


Leipziger Buchmesse mit Festakt eröffnet - Zwischenrufe bei Scholz-Rede
Leipziger Buchmesse mit Festakt eröffnet - Zwischenrufe bei Scholz-Rede / Foto: © AFP/Archiv

Mit einem Festakt ist am Mittwochabend die Leipziger Buchmesse eröffnet worden. Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD) hielt bei der Veranstaltung im Gewandhaus eine Rede, bei der er mehrfach von Rufen aus dem Publikum unterbrochen wurde. Als eine Frau zum Beginn der Rede dazwischen rief, sagte Scholz: "Hör auf zu brüllen, Schluss."

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"Uns alle führt hier in Leipzig die Macht des Wortes zusammen, nicht die Macht des Geschreis", fügte er hinzu. Als er nochmals von lauten Rufen einer Zuschauerin unterbrochen wurde, sagte der Kanzler: "Ich glaube, dass es nicht richtig ist, Demokratie mit lautem Brüllen zu verwechseln, und deshalb bitte ich nochmal, allen, die hier anwesend sind, die Möglichkeit zu geben, an diesem Gespräch und dieser Veranstaltung teilzunehmen."

Später rief ein weiterer Zuschauer dazwischen, offenbar aus Protest gegen Waffenlieferungen an Israel. Er wurde vom Publikum ausgebuht.

Scholz hob in seiner Rede hervor, der Wert des Lesens bestehe vor allem im Zulassen anderer Perspektiven. "Mit jedem Kapitel, mit jeder neuen Seite können wir Gegensätze überwinden, die im Alltag manchmal unüberbrückbar scheinen", sagte der Kanzler.

Lesen sei deshalb der Beweis, "dass wir uns trotz unserer Unterschiede verstehen können, dass unsere Gesellschaften, in Deutschland, in Europa mitnichten dazu verdammt sind, auseinander zu driften", fügte er hinzu. Es sei auch eine "täglich praktizierte Bereitschaft", etwa die "eigene Blase zu verlassen" oder die "eigene Perspektive in Frage zu stellen", betonte Scholz weiter.

Der Hauptgeschäftsführer des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels, Peter Kraus vom Cleff erklärte, die Buchbranche leiste einen wesentlichen Beitrag für eine offene und informierte Gesellschaft. Sie sehe sich daher in der Verantwortung, für den Erhalt einer lebendigen und starken Demokratie einzutreten.

Bei der Veranstaltung wird traditionell der Leipziger Buchpreis zur Europäischen Verständigung verliehen, den in diesem Jahr der deutsch-israelische Philosoph Omri Boehm für sein Buch "Radikaler Universalismus. Jenseits von Identität" erhält.

An dem Festakt nahmen neben Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer (CDU) auch der scheidende niederländischen Regierungschef Mark Rutte und der flämische Ministerpräsident Jan Jambon teil. Die Niederlande und Flandern sind in diesem Jahr Gastland der Buchmesse.

Für Besucher und Fachpublikum öffnet die Messe, die mit rund 300.000 Gästen der wichtigste Frühjahrstreff der Buch- und Medienbranche ist, offiziell am Donnerstag ihre Türen. Dann wird auch Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier auf der Buchmesse zu einem Rundgang erwartet. Am Donnerstagabend will Steinmeier in Leipzig zu 35 Jahren Friedliche Revolution und 75 Jahren Grundgesetz sprechen.

Am Donnerstag wird ebenfalls der Preis der Leipziger Buchmesse in den Kategorien Belletristik, Sachbuch und Übersetzung verliehen. Insgesamt gibt es 15 Nominierte. Bis Sonntag bietet die Buchmesse mit ihren Publikumsmagneten, der Manga-Comic-Con und dem traditionellen Lesefest Leipzig, tausende Veranstaltungen.

(Y.Ignatiev--DTZ)

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