Deutsche Tageszeitung - Weltruhm mit Balletten: Russischer Star-Komponist Rodion Schtschedrin gestorben

Weltruhm mit Balletten: Russischer Star-Komponist Rodion Schtschedrin gestorben


Weltruhm mit Balletten: Russischer Star-Komponist Rodion Schtschedrin gestorben
Weltruhm mit Balletten: Russischer Star-Komponist Rodion Schtschedrin gestorben / Foto: © AFP/Archiv

Er brachte "Anna Karenina" und "Carmen-Suite" auf die Ballettbühnen dieser Welt - nun ist der russische Komponist Rodion Schtschedrin im Alter von 92 Jahren in München gestorben. "Eines der größten zeitgenössischen Genies" sei in der Nacht verstorben, teilte am Freitag das Moskauer Bolschoi-Theater mit. Es würdigte den Künstler als "einzigartiges Phänomen und eine Ära für sich in der Geschichte der weltweiten Musikkultur".

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Schtschedrin starb nach Angaben seines deutschen Musikverlages in München, wo er seit dem Zusammenbruch der Sowjetunion neben Moskau teilweise lebte. "Mit ihm verliert die Musikwelt eine ihrer interessantesten Stimmen, in der sich russische Tradition und westliche gemäßigte Avantgarde auf reizvolle Weise miteinander verbanden", erklärte Schott Music.

Schtschedrins "Opern, Ballette und Sinfonien werden seit mehreren Jahrzehnten auf den größten Bühnen der Welt aufgeführt", rief seinerseits das Bolschoi-Theater in Erinnerung. Neben der Musik für in der ganzen Welt aufgeführte Ballette komponierte er Symphonien und Konzerte für Klavier und Orchester, er schuf insgesamt mehr als 80 Werke.

Der am 16. Dezember 1932 in Moskau geborene Komponist wurde im Westen mit der "Carmen-Suite" bekannt. Die Ballettmusik aus dem Jahr 1967 verhalf seiner 2015 verstorbenen Frau, der russischen Star-Ballerina Maja Plissezkaja, zu Weltruhm. Das Werk wurde oft als Hymne des Komponisten an seine Frau gedeutet.

Inspiriert unter anderem von der russischen Klassik komponierte Schtschedrin später die Ballette "Anna Karenina" (nach Leo Tolstoi) und "Die Möwe" (nach Anton Tschechow) sowie die Oper "Lolita" (nach Vladimir Nabokov). Der französische Modedesigner Pierre Cardin, der Plissezkaja als seine "Muse" bezeichnete, entwarf ihre Outfits für "Anna Karenina" und "Die Möwe".

"Glück hat nichts mit Gegenständen zu tun", sagte Schtschedrin in einem Interview mit der russischen Zeitung "Komsomolskaja Prawda" kurz nach seinem 80. Geburtstag. "Es geht vielmehr darum, 24 Stunden am Tag mit dem Menschen zusammen zu sein, den man liebt. Und in die Freude einzutauchen, eine Arbeit zu tun, die einem nicht nur gefällt, sondern auch ein wahres Vergnügen bereitet."

(P.Vasilyevsky--DTZ)

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