Deutsche Tageszeitung - Iranischer Filmemacher Panahi will Zensur im Iran weiter ignorieren

Iranischer Filmemacher Panahi will Zensur im Iran weiter ignorieren


Iranischer Filmemacher Panahi will Zensur im Iran weiter ignorieren
Iranischer Filmemacher Panahi will Zensur im Iran weiter ignorieren / Foto: © AFP/Archiv

Der bei den Filmfestspielen in Cannes mit der Goldenen Palme ausgezeichnete iranische Filmemacher Jafar Panahi will die Zensur in seiner Heimat weiter ignorieren. "Ich bin jetzt 65 Jahre alt, habe die Zensur nie beachtet, und werde jetzt bestimmt nicht damit anfangen", sagte er mit Blick auf sein nächstes Vorhaben, im Iran einen Film zum Thema Krieg zu drehen. Seit seiner Auszeichnung in Cannes habe er keine Schwierigkeiten mit den iranischen Behörden gehabt, sagte er im Gespräch mit der Nachrichtenagentur AFP.

Textgröße ändern:

"Was sollen sie tun? Mir verbieten, das Land zu verlassen? Oder mich wieder ins Gefängnis bringen?", sagte er. "Sie hatten mir schon verboten zu arbeiten, und das hatte keine Wirkung", fügte er hinzu.

Panahi war mehrfach im Iran inhaftiert worden, 2010 für knapp drei Monate und 2022/23 etwa sieben Monate lang. Die relative Zurückhaltung der Gefängniswärter erklärt er mit seiner Bekanntheit. "Wenn ein normaler Häftling einen Monat lang in den Hungerstreik tritt, erfährt das niemand. Bei mir weiß nach zwei Tagen die ganze Welt Bescheid", meint er.

Panahis Erfahrungen im Gefängnis waren der Ausgangspunkt für den heimlich im Iran gedrehten Film "Ein einfacher Unfall", der im Mai in Cannes ausgezeichnet worden war. Er kommt in Frankreich diese Woche und in Deutschland am 11. Dezember in die Kinos. Das Werk über fünf ehemalige politische Gefangenen, die ihrem mutmaßlichen Folterer begegnen, enthält deutliche Kritik an der iranischen Führung.

"Ich wurde nicht körperlich gefoltert. Aber wenn Sie monatelang mit zwei oder drei anderen in einem drei mal vier Meter großen Raum sind, dann hat das psychologische Auswirkungen", sagte er. Bei jedem Gang zur Toilette seien ihm die Augen verbunden worden.

Das Drehbuch für seinen nächsten Film sei bereits fertig, sagte Panahi. Er versuche bereits seit fünf Jahren, es umzusetzen. "Ich komme immer wieder auf das Thema zurück, vor allem in Zeiten, in denen der Geruch des Krieges überall zu spüren ist", sagte er.

Die iranischen Behörden hatten Panahi lange die Ausreise aus dem Land verweigert. Bei der jüngsten Ausgabe des Festivals von Cannes im vergangenen Mai war es Panahi zum ersten Mal seit 15 Jahren gelungen, persönlich in Cannes zu erscheinen.

(U.Stolizkaya--DTZ)

Empfohlen

US-Botschafter feiert 250. Jubiläum in Brüssel mit hochrangigen Gästen

Der US-Botschafter in Belgien, Bill White, veranstaltet am Sonntag in Brüssel eine große Feier zum 250. Jahrestag der Gründung der USA. Als Gäste im Jubelpark (Parc du Cinquantenaire) im Europaviertel der belgischen Hauptstadt werden unter anderen der belgische Premierminister Bart de Wever sowie Nato-Generalsekretär Mark Rutte erwartet. Geplant sind nach Botschaftsangaben der Überflug eines "historischen Flugzeugs" sowie ein Feuerwerk und ein Country-Konzert.

Umfrage: Mehrheit für Social-Media-Verbot für unter 16-Jährige

Eine Mehrheit der Bundesbürger spricht sich für ein Verbot sozialer Medien für Kinder und Jugendliche unter 16 Jahren aus. In einer am Mittwoch veröffentlichten Forsa-Umfrage für die Sender RTL und ntv gaben 57 Prozent der Teilnehmer an, dass der Zugang zu Plattformen wie Tiktok oder Instagram für unter 16-Jährige verboten werden sollte. 42 Prozent waren dagegen und halten eine Nutzung für diese Altersgruppe weiterhin für vertretbar.

Polizei findet bei Drogenrazzia in Pariser Vorort Picasso-Gemälde

Spektakulärer Zufallsfund bei einer Razzia in einem Vorort von Paris: Bei der Durchsuchung eines Hauses in Champigny-sur-Marne entdeckte die Polizei ein Gemälde des spanischen Jahrhundertmalers Pablo Picasso. "Dieser Fund erfolgte im Zusammenhang mit einer Ermittlung wegen des Handels mit Rauschmitteln", teilte die Staatsanwaltschaft von Créteil am Samstag mit. Nach dem überraschenden Fund seien Ermittlungen wegen Diebstahls und Hehlerei eingeleitet worden.

Urteil: Große Festzelte auf Oktoberfest dürfen vorläufig vergeben werden

Zwei der großen Festzelte auf dem diesjährigen Oktoberfest in München dürfen vergeben werden. Laut einer Entscheidung darf die Zuteilung des Paulaner-Festzelts und der Schottenhamel-Festhalle an die vorgesehenen Brauereien und Wirte erfolgen, wie das Bayerische Oberste Landesgericht am Donnerstag mitteilte. Das Gericht entschied jedoch noch nicht, ob die Zulassungsverträge für die gastronomischen Großbetriebe grundsätzlich europaweit ausgeschrieben werden müssen.

Textgröße ändern: