Deutsche Tageszeitung - Paris bestreitet Beeinflussung von EU-Impfstoffbeschaffung zugunsten von Sanofi

Paris bestreitet Beeinflussung von EU-Impfstoffbeschaffung zugunsten von Sanofi


Paris bestreitet Beeinflussung von EU-Impfstoffbeschaffung zugunsten von Sanofi
Paris bestreitet Beeinflussung von EU-Impfstoffbeschaffung zugunsten von Sanofi / Foto: ©

Frankreich hat Berichten widersprochen, wonach es die von der EU-Kommission koordinierte Beschaffung des Corona-Impfstoffs zugunsten des heimischen Pharmaunternehmens Sanofi beeinflusst haben soll. Europaminister Clément Beaune nannte die Berichte am Mittwoch "absurd". Die "Bild"-Zeitung und mehrere deutsche Politiker hatten Paris vorgeworfen, bei der EU auf eine geringere Liefermenge des Impfstoffs von Biontech/Pfizer gedrängt zu haben, um den ebenfalls an einem Corona-Vakzin forschenden Konzern Sanofi zu unterstützen. London verteidigte derweil seinen raschen Impfbeginn.

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Es sei "absurd", Länder und Labore gegeneinander auszuspielen, sagte Beaune im Sender CNews. "Alle Länder brauchen alle Impfstoffe und müssen möglichst bis zum Sommer so viele Menschen wie möglich impfen." Zwar könnten "isolierte Strategien kurzfristig gesehen eine Versuchung" sein, langfristig seien diese jedoch "ineffektiv".

"Die Impfstrategie kann nicht auf einem einzigen Vakzin basieren", betonte Beaune. Deshalb sei es wichtig gewesen, die Impfstoffbeschaffung auf EU-Ebene zu regeln, da dies "uns Zugang zu mindestens sechs Impfstoffen garantiert", fügte der Europaminister hinzu.

Angesichts wachsender Kritik an der französischen Impfkampagne hatte die Regierung in Paris am Dienstag einen Strategiewechsel sowie eine drastische Beschleunigung der Impfungen angekündigt. Am Mittwoch bestätigte Regierungssprecher Gabriel Attal, dass die Unternehmensberatung McKinsey mit der "logistischen und strategischen Beratung" der Regierung in der Impffrage beauftragt worden sei. Die Opposition in Frankreich hatte den langsamen Impfstart zuvor als "Fiasko" bezeichnet.

Auch andere Regierungen sehen sich wegen schleppender Impfungen massiver Kritik ausgesetzt. Belgiens Vize-Regierungschefin Petra De Sutter verteidigte die Impfstrategie am Dienstag im Fernsehen, indem sie Länder wie China, Russland und Großbritannien einen überstürzten Impfbeginn vorwarf. Diese Staaten würden "Menschen mit Impfstoffen impfen, die nicht denselben Standards entsprechen, wie sie bei uns gelten", sagte De Sutter.

Ähnlich äußerte sich auch der australische Premierminister Scott Morrison: "Australien befindet sich nicht in einer Notsituation wie das Vereinigte Königreich." Sein Land müsse deshalb "keine Verfahren abkürzen" und keine "unnötigen Risiken" in Kauf nehmen.

Gegen die Kritik wehrte sich am Mittwoch die britische Regierung. "Es wurden keinerlei Verfahren abgekürzt", sagte ein Sprecher von Premierminister Boris Johnson. Die beiden im Vereinigten Königreich eingesetzten Impfstoffe seien "sicher und wirksam". Großbritannien hatte Anfang Dezember als erstes Land der Welt den Corona-Impfstoff der Unternehmen Biontech und Pfizer zugelassen.

(M.Dylatov--DTZ)

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