Deutsche Tageszeitung - Französischer Bäcker wegen Hungerstreiks im Krankenhaus

Französischer Bäcker wegen Hungerstreiks im Krankenhaus


Französischer Bäcker wegen Hungerstreiks im Krankenhaus
Französischer Bäcker wegen Hungerstreiks im Krankenhaus / Foto: ©

In Frankreich ist ein Bäcker ins Krankenhaus eingeliefert worden, der seit gut einer Woche gegen die geplante Abschiebung seines afrikanischen Lehrlings im Hungerstreik ist. Der Bäcker Stéphane Ravacley sagte am Dienstag der Nachrichtenagentur AFP vom Krankenbett aus, er fühle sich "sehr schwach". Dennoch will der 50-Jährige seine Protestaktion fortsetzen.

Textgröße ändern:

Mit seinem Hungerstreik protestiert Ravacley gegen die geplante Abschiebung seines Lehrlings Laye Fodé Traoré. Bisher ohne Erfolg: Trotz zahlreicher Solidaritäts-Bekundungen aus Politik und Gesellschaft soll der 18-Jährige aus Guinea in sein westafrikanisches Heimatland abgeschoben werden.

Ravacley sagte, er sei am Dienstagmorgen nach mehr als einwöchigem Hungerstreik vor seiner Bäckerei in Ohnmacht gefallen, als er mit dem Auto von einer Lieferung zurückkam. Er ernährt sich nach eigenen Worten seit dem 3. Januar nur von Suppe und hat rund acht Kilo abgenommen. In der Klinik wurde ein Nährstoffmangel festgestellt. Dem Bäcker wurden nach eigenen Angaben Vitamine verabreicht, er soll in Kürze wieder nach Hause zurückkehren. "Ich bin sehr müde, aber es geht", sagte er AFP.

Beliebte französische Schauspieler wie Omar Sy ("Ziemlich beste Freunde") und Oscar-Preisträgerin Marion Cotillard ("La vie en rose") bekundeten in einem offenen Brief an Präsident Emmanuel Macron ihre Unterstützung für den Bäcker und seinen Lehrling. "Sie können nicht hartherzig gegenüber einem französischen Bürger sein, der seine Gesundheit gefährdet, um humanistische Prinzipien wie Freiheit, Gleichheit und Brüderlichkeit zu verteidigen", hieß es in dem Aufruf an Macron, den die Zeitschrift "L’Obs" veröffentlichte.

Neben Schauspielern und Sängern unterschrieben auch zahlreiche Politiker sowie Gewerkschaftsboss Laurent Berger den Aufruf. Eine Online-Petition zugunsten des Lehrlings hat inzwischen mehr als 200.000 Unterstützer.

Laye Fodé Traoré absolviert seit September 2019 eine Ausbildung bei dem Bäckermeister, die er aber wegen der Probleme mit den Behörden vorerst abbrechen musste. Er war als unbegleiteter minderjähriger Flüchtling nach Frankreich gekommen. Nun ist er volljährig und soll Frankreich verlassen - obwohl der Bäcker versichert, ihn nach Abschluss seiner Lehre übernehmen zu wollen.

Nach Angaben von Traorés Anwältin haben die Behörden Zweifel an der Echtheit seiner Ausweisdokumente. Am 26. Januar soll es zu seinem Fall eine Anhörung vor dem Verwaltungsgericht in Besançon geben. Dabei geht es um eine Aufenthaltsgenehmigung.

Womöglich gibt es Hoffnung für den jungen Mann und seinen Chef: Aus der Botschaft von Guinea in Paris hieß es inzwischen, die Papiere des Lehrlings würden in Ordnung gebracht.

(W.Novokshonov--DTZ)

Empfohlen

Proteste in Indien: Modi kündigt harte Strafen für Prüfungsbetrug an

Angesichts der anhaltenden Proteste der sogenannten Kakerlaken-Bewegung gegen Missstände im indischen Bildungssystem hat Regierungschef Narendra Modi harte Strafen für Prüfungsbetrug angekündigt. "Wer versucht, der Zukunft unserer Jugend zu schaden, wird nicht verschont", erklärte Modi am Donnerstag in Onlinenetzwerken.

Nach Ankündigung von Seeblockade: Huthi-Miliz greift saudiarabische Öltanker an

Im Zuge des Iran-Krieges entwickelt sich offenbar eine weitere Front: Nur wenige Tage nach der Verkündung einer Seeblockade hat die mit Teheran verbündete jemenitische Huthi-Miliz im Roten Meer nach eigenen Angaben zwei saudiarabische Öltanker beschossen. Aus Saudi-Arabien hieß es, ein Schiff sei getroffen worden und ein Feuer an Bord ausgebrochen. Die US-Armee flog derweil die zwölfte Nacht in Folge Angriffe auf Ziele im Iran.

Bundesverfassungsgericht urteilt über Tempolimit für Gesetze

Das alte Heizungsgesetz der Ampelregierung beschäftigt noch einmal das Bundesverfassungsgericht. Am Donnerstag (10.00 Uhr) verkündet es in Karlsruhe sein Urteil über die Frage, ob das Gesetzgebungsverfahren im Sommer 2023 zu schnell lief. Der frühere CDU-Bundestagsabgeordnete Thomas Heilmann sieht die Abgeordnetenrechte verletzt, weil wegen kurzfristiger Änderungen am Vorschlag nicht genug Zeit zur Beratung und Prüfung gewesen sei. (Az. 2 BvE 4/23)

Lawrow und Rubio führen Gespräch am Rande von Außenministertreffen in Manila

Der russische Außenminister Sergej Lawrow will sich am Donnerstag in der philippinischen Hauptstadt Manila mit seinem US-Kollegen Marco Rubio treffen. Bei der Begegnung am Rande des Außenministertreffen der Vereinigung Südostasiatischer Staaten (Asean) dürfte es vor allem um die Kriege in der Ukraine und im Iran gehen. Auch wegen des Iran-Kriegs waren Gespräche über ein Ende der Gefechte in der Ukraine unter US-Vermittlung ins Stocken geraten.

Textgröße ändern: