Deutsche Tageszeitung - König von Malaysia verhängt überraschend Ausnahmezustand über das Land

König von Malaysia verhängt überraschend Ausnahmezustand über das Land


König von Malaysia verhängt überraschend Ausnahmezustand über das Land
König von Malaysia verhängt überraschend Ausnahmezustand über das Land / Foto: ©

Im Kampf gegen die Corona-Krise hat Malaysias König am Dienstag überraschend den Ausnahmezustand über das südostasiatische Land verhängt. Nach Angaben des Palasts verhängte Sultan Abdullah Sultan Ahmad Shah auf Bitten von Regierungschef Muhyiddin Yassin den Ausnahmezustand bis zum 1. August. Dieser erklärte daraufhin das Parlament für aufgelöst. Neuwahlen soll es demnach bis zum Ende der Krise nicht geben.

Textgröße ändern:

Vorwürfe, er wolle mit dem Schritt seine instabile Regierung an der Macht halten, wies Muhyddin zurück. Es handele sich keineswegs um einen Staatsstreich, auch werde keine Ausgangssperre verhängt. Die bestehende Regierung sei weiterhin funktionsfähig. Die Koalitionspartner des Regierungschefs hatten ihm allerdings zuletzt zunehmend die Unterstützung verweigert.

Bereits am Vortag hatte der Regierungschef mit Verweis auf das kurz vor dem Kollaps stehende Gesundheitssystem die Corona-Beschränkungen massiv ausgeweitet. Unter anderem mussten die meisten Geschäfte und Betriebe schließen.

Das Oppositionsbündnis Pakt der Hoffnung des Politikveteranen Anwar Ibrahim erklärte die Entscheidungen der Regierung für inakzeptabel. Der bereits beschlossene Teil-Lockdown reiche zur Eindämmung der Pandemie aus, erklärte das Bündnis. Der Ausnahmezustand gebe dem Regierungschef nur die "Vollmacht, alles zu tun, was er will". Die Regierung solle sich bei ihrem Versuch, sich selbst zu retten, nicht "hinter dem Coronavirus verstecken".

Mit der Verhängung des Ausnahmezustandes sicherte sich die Regierung nach Muhyiddins Angaben das Recht, zur Unterstützung der überforderten öffentlichen Krankenhäuser die Leitung privater Kliniken zu übernehmen. Darüberhinaus kann sie zusätzliche Hilfe von Militär und Polizei im Kampf gegen das Virus anfordern.

Dank eines restriktiven Lockdowns war es Malaysia im vergangenen Jahr gelungen, den Corona-Ausbruch weitgehend unter Kontrolle zu halten. Seit einer Lockerung der Restriktionen nimmt die Zahl der Infektionsfälle jedoch dramatisch zu. Am Dienstag wurden in dem Staat mit seinen 31 Millionen Einwohnern gut 3300 Neuinfektionen und 559 Todesfälle gemeldet.

Muhyiddin war im März 2020 nach dem Rücktritt des damaligen Regierungschefs Mahathir Mohamad und dem Zusammenbruch von dessen Reformbündnis an die Regierungsspitze gelangt. Bereits im Oktober hatte er den König vergeblich gebeten, erstmals seit 1969 den Ausnahmezustand zu erklären.

(V.Sørensen--DTZ)

Empfohlen

Ex-Mossad-Chef: Israelische Agenten waren mehrmals in iranischer Atomanlage Fordo

Israelische Spione haben dem früheren Mossad-Chef Yossi Cohen zufolge bereits mehrfach die iranische Atomanlage in Fordo aufgesucht. "Wir haben Fordo viele Male in Augenschein genommen, um den Komplex besser zu durchblicken", sagte Cohen israelischen Medien zufolge am Dienstag. Genauere Angaben zu den Begutachtungen machte er nicht. Cohen leitete den israelischen Auslandsgeheimdienst von 2015 bis 2021.

Dobrindt verteidigt Geheimdienstreform - Kritik an massiver Ausweitung der Befugnisse

Vor der geplanten Kabinettsentscheidung hat Bundesinnenminister Alexander Dobrindt (CSU) die umfassende Reform der deutschen Nachrichtendienste verteidigt. "Die hybride Bedrohungslage, die Versuche der Destabilisierung durch Sabotage, Spionage, Cyberangriffe und verdeckte Aktionen fremder Mächte bekommen eine neue Antwort", sagte Dobrindt am Dienstag der "Bild"-Zeitung. Die Reform mache "aus unseren Nachrichtendiensten echte Geheimdienste".

Orban-Kritiker Baka ist neuer ungarischer Staatspräsident

Das Parlament in Ungarn hat den ehemaligen Präsidenten des Obersten Gerichtshofes, Andras Baka, zum neuen Staatspräsidenten gewählt. Der Kritiker des im April abgewählten langjährigen Regierungschefs Viktor Orban erhielt bei der Abstimmung in Budapest am Dienstag 140 Ja- und sechs Nein-Stimmen. Orbans Fidesz-Partei und deren Verbündete KDNP boykottierten die Wahl.

Weiter Forderungen nach Schließung von Russischem Haus in Berlin

Aus CDU, Grünen und FDP kommen weiter Forderungen nach einer Schließung des Russischen Hauses in Berlin. Der CDU-Außenpolitiker Roderich Kiesewetter sagte am Dienstag dem TV-Sender Welt, er gehe davon aus, dass die Einrichtung als Spionagezentrale genutzt werde. Es lebten dort mehr als hundert Menschen, "wo keiner weiß, wer das ist" und der Energieverbrauch sei unangemessen hoch, nannte er zwei Indizien.

Textgröße ändern: