Deutsche Tageszeitung - Portugals Präsident Rebelo de Sousa mit absoluter Mehrheit wiedergewählt

Portugals Präsident Rebelo de Sousa mit absoluter Mehrheit wiedergewählt


Portugals Präsident Rebelo de Sousa mit absoluter Mehrheit wiedergewählt
Portugals Präsident Rebelo de Sousa mit absoluter Mehrheit wiedergewählt / Foto: ©

Bei der Präsidentschaftswahl in Portugal ist der beliebte konservative Amtsinhaber Marcelo Rebelo de Sousa im Amt bestätigt worden. Nach Auszählung fast aller Stimmzettel erhielt der 72-Jährige am Sonntag 61,6 Prozent der Stimmen. Die sozialistische Kandidatin Ana Gomes kam auf 12,2 Prozent, gefolgt von dem Rechtspopulisten André Ventura mit 11,9 Prozent. Da Rebelo de Sousa die absolute Mehrheit gewann, ist eine zweite Wahlrunde nicht erforderlich.

Textgröße ändern:

Trotz des Corona-Lockdowns war die Wahlbeteiligung nicht so niedrig wie befürchtet. In der Hauptstadt Lissabon hatten sich schon kurz nach der Öffnung Schlangen vor den Wahllokalen gebildet, die Wähler wurden zur Eindämmung der Corona-Pandemie nur einzeln eingelassen.

Die 63-jährige Lehrerin Fatima Cristo sagte vor einem Wahllokal in einer Bücherei, der Urnengang sei gut organisiert und "nicht allzu einschüchternd, trotz all der Angst". Der 54-jährige José Barra sagte: "Nichts hätte mich von der Stimmabgabe abgehalten, aber ich denke, dass beispielsweise ältere Menschen sowohl vom Virus als auch von den Schlangen abgeschreckt werden."

"An alle, die wählen können und wollen: Überwindet Eure Ängste", hatte Rebelo de Sousa die Bürger bei seiner Stimmabgabe im nordportugiesischen Celorico de Basto aufgerufen. Dank Beachtung der Corona-Schutzregeln und der Geduld der Portugiesen laufe der Urnengang im ganzen Land problemlos, sagte der Staatschef.

Da die Briefwahl in Portugal kaum verbreitet ist, hatten die Behörden vor einer Woche bereits eine vorgezogene Stimmabgabe organisiert. Fast 200.000 Bürger wurden dabei in den Wahllokalen gezählt.

Insgesamt 9,8 Millionen Portugiesen waren zur Wahl aufgerufen gewesen, davon 1,5 Millionen im Ausland. Mit dem Wahlsieg Rebelo de Sousas wurden in Portugal alle Präsidenten seit dem Ende der Diktatur 1976 für eine zweite Amtszeit wiedergewählt.

In Portugal war zuletzt eine extreme Zunahme der Corona-Infektionen festgestellt worden. Dies wird weitgehend auf die Ausbreitung der besonders ansteckenden Corona-Mutante B.1.1.7 zurückgeführt, die zunächst in Großbritannien festgestellt worden war.

Landesweit gilt seit anderthalb Wochen in Portugal ein zweiter Lockdown. Fast alle Geschäfte, Restaurants sowie mittlerweile auch die Schulen sind geschlossen. Wegen der besorgniserregenden Infektionslage war der traditionelle Wahlkampf-Endspurt gestrichen worden.

Gegen Rebelo de Sousa waren sechs Kandidaten angetreten, darunter der 38-jährige Gründer der Anti-Establishment-Partei Chega (Genug), Ventura, sowie die frühere sozialistische EU-Parlamentsabgeordnete Gomes.

Mit dem Chef der Minderheitsregierung, dem Sozialisten António Costa, arbeitet der moderat konservative Rebelo de Sousa einträchtig zusammen. Außerdem gibt es viele sympathische Anekdoten über ihn: dass er in Bermuda-Shorts geduldig an der Supermarktkasse wartet, bis er an der Reihe ist, dass er sein Essen mit Obdachlosen teilt und dass er ins Meer sprang, um zwei Mädchen, deren Boot umgestürzt war, zu Hilfe zu eilen.

Der portugiesische Staatschef hat wenig Vollmachten, kann aber das Parlament für vorgezogene Neuwahlen auflösen. Er wird für fünf Jahre gewählt, maximal zwei Amtszeiten sind möglich.

(U.Beriyev--DTZ)

Empfohlen

Iran-Krieg: Einigung auf Abkommen rückt offenbar näher

Ein Abkommen zur Beendigung des Iran-Krieges ist offenbar in greifbare Nähe gerückt: Washington und Teheran gingen ebenso wie der Vermittler Pakistan vom baldigen Abschluss einer Vereinbarung aus. Während Pakistan am Samstag sogar einen Abschluss in den nächsten 24 Stunden für möglich hielt, schloss aber ein Sprecher des iranischen Außenministeriums eine Unterzeichnung bereits am Sonntag aus. Trotz der optimistischen Äußerungen schossen die US-Streitkräfte am Freitagabend nach eigenen Angaben mehrere iranische Drohnen ab, die Handelsschiffe in der Straße von Hormus bedrohten.

Fußball-WM: Kanada lässt ghanaischen Nationalspieler Partey nicht einreisen

Kanada hat den ghanaischen Nationalspieler Thomas Partey nicht zur Fußball-Weltmeisterschaft einreisen lassen. Wie der Weltfußballverband Fifa bestätigte, wurde ihm vor dem Spiel gegen Panama in Toronto die Einreise verweigert. Hintergrund ist offenbar, dass der Mittelfeldspieler vom spanischen FC Villarreal in Großbritannien wegen mutmaßlicher Vergewaltigung und sexueller Nötigung angeklagt ist. Partey bestreitet die Vorwürfe. Ghana protestierte am Samstag gegen die Entscheidung.

Nach ausländerfeindlichen Protesten: Tausende demonstrieren in Belfast gegen Rassismus

Im nordirischen Belfast haben am Samstag tausende Menschen gegen Rassismus protestiert. Die Demonstranten trugen Plakate mit Aufschriften wie "Hass ist die einzige Bedrohung für unsere Straßen" und "Belfast sagt Nein zu Rassismus". Sie reagierten damit auf die ausländerfeindlichen Proteste in den vergangenen Tagen, bei denen es zu gewalttätigen Ausschreitungen gekommen war.

Israel fliegt nach Evakuierungsanordnung erneut Luftangriffe auf den Libanon

Israels Armee hat erneut Angriffe auf Ziele der Hisbollah-Miliz im Süden des Libanon geflogen. Die libanesische Armee und ein AFP-Reporter meldeten am Samstag israelische Angriffe nahe Nabatije. Zuvor hatte Israels Armeesprecher Avichay Adraee die Bewohner von 24 Ortschaften in der Umgebung und im Norden der Stadt zur "sofortigen" Evakuierung aufgerufen. Der libanesische Präsident Joseph Aoun rief die Bevölkerung derweil zur Einheit auf.

Textgröße ändern: