Deutsche Tageszeitung - Wahlmaschinen-Hersteller verklagt Giuliani auf 1,3 Milliarden Dollar Schadenersatz

Wahlmaschinen-Hersteller verklagt Giuliani auf 1,3 Milliarden Dollar Schadenersatz


Wahlmaschinen-Hersteller verklagt Giuliani auf 1,3 Milliarden Dollar Schadenersatz
Wahlmaschinen-Hersteller verklagt Giuliani auf 1,3 Milliarden Dollar Schadenersatz / Foto: ©

Der US-Wahlmaschinen-Hersteller Dominion verklagt den Anwalt des früheren Präsidenten Donald Trump, Rudy Giuliani, auf 1,3 Milliarden Dollar (knapp 1,1 Milliarden Euro) Schadenersatz wegen Verleumdung. Dominion wirft Giuliani in einer am Montag eingereichten Klage vor, dem Ansehen des Unternehmens mit falschen Betrugsvorwürfen zur Präsidentschaftswahl massiven Schaden zugefügt zu haben.

Textgröße ändern:

Millionen Menschen hätten der von Giuliani und anderen verbreiteten "großen Lüge" geglaubt, dass Dominion "ihre Stimmen gestohlen und die Wahl manipuliert" habe, heißt es in der bei einem Bundesgericht in der Hauptstadt Washington vorgelegten Klageschrift. "Die Gründer und Mitarbeiter von Dominion wurden schikaniert und haben Todesdrohungen erhalten, und Dominion hat beispiellosen und irreparablen Schaden erlitten."

Giuliani hatte Trumps Feldzug gegen den Ausgang der Präsidentschaftswahl vom 3. November auf juristischer Ebene angeführt. Über Wochen behauptete der frühere New Yorker Bürgermeister, Trump habe die Wahl gegen den Demokraten Joe Biden nur durch massiven Wahlbetrug verloren. Giulianis Anschuldigungen fußten häufig auf widerlegten Verschwörungstheorien und wurden von Wahlvertretern, Experten und zahlreichen Gerichten entschieden zurückgewiesen.

Giuliani und seine Mitstreiter, unter ihnen die umstrittene Anwältin Sidney Powell, hatten auch Dominion mit teils wüsten Anschuldigungen überzogen. Das Unternehmen stellt Wahlmaschinen zur Stimmabgabe und Software zur Verarbeitung von Wahlergebnissen her.

Dominion wirft Giuliani vor, genau gewusst zu haben, dass seine öffentlich erhobenen Betrugsvorwürfe falsch seien - schließlich habe er sie nie vor Gericht erhoben. Er habe seine Falschbehauptungen auch aus finanziellem Eigennutz verbreitet. So soll Giuliani von Trump einen Tagessatz von 20.000 Dollar verlangt haben. Das Unternehmen hatte bereits Anfang Januar Anwältin Powell auf 1,3 Milliarden Dollar Schadenersatz verklagt.

Trump hatte sich wochenlang mit allen Mitteln gegen seine Abwahl gestemmt. Die Kampagne gipfelte in der Erstürmung des Kapitols durch radikale Trump-Anhänger am 6. Januar. Trump hatte die Menge zuvor mit einer aufpeitschenden Rede zum Marsch auf das Kapitol aufgerufen, wo Bidens Wahlsieg endgültig bestätigt werden sollte. Gegen Trump wurde in der Folge ein Amtsenthebungsverfahren wegen Anstiftung zum Aufruhr eingeleitet.

Die im Repräsentantenhaus beschlossene Impeachment-Anklage sollte am Montagabend dem Senat übergeben werden, wo der Prozess stattfinden wird. Die Senatoren werden am Dienstag als Geschworene vereidigt. Der eigentliche Prozess wird dann aber erst in der zweiten Februar-Woche beginnen. Biden hatte Trump am Mittwoch vergangener Woche als US-Präsident abgelöst.

(A.Nikiforov--DTZ)

Empfohlen

Lizenz zum Zurückschlagen: Kabinett beschließt umstrittene Geheimdienst-Reform

Nicht mehr nur beobachten, sondern notfalls gegen Angreifer zurückschlagen: Vor dem Hintergrund der verschärften Bedrohungslage hat das Bundeskabinett eine umfassende Reform der deutschen Nachrichtendienste beschlossen. Innenminister Alexander Dobrindt (CSU) sprach von einer "neuen Zeitrechnung" für Bundesnachrichtendienst (BND) und Verfassungsschutz, die nun wie Geheimdienste anderer Länder erstmals "operative Befugnisse" erhielten. Teile der Opposition warnten vor einer "Geheimpolizei" und zweifelten an der Verfassungsmäßigkeit der Pläne.

AfD-Landrat verliert Rechtsstreit um Äußerung von Gesundheitsminister Linnemann

Der Sonneberger Landrat Robert Sesselmann (AfD) hat einen Rechtsstreit mit Bundesgesundheitsminister Carsten Linnemann (CDU) verloren. Das Thüringer Oberverwaltungsgericht in Weimar entschied nach Angaben vom Mittwoch, dass Sesselmann eine bestimmte Behauptung nicht wiederholen darf. Der Streit entzündete sich an einer Pressekonferenz vom Oktober.

Greenpeace wirft Ölkonzernen immer höhere "Übergewinne" vor - Branche widerspricht

Die Umweltschutzorganisation Greenpeace wirft den Mineralölunternehmen vor, fünf Monate nach Beginn des Iran-Kriegs immer höhere "Übergewinne" einzufahren. Allein im Juli seien "die zusätzlichen Profite auf die neue Höchstmarke von 976 Millionen Euro" geklettert, erklärte Greenpeace am Mittwoch. Der Wirtschaftsverband Fuels und Energie (en2x) kritisierte hingegen, dass die Berechnungen auf "stark vereinfachenden Annahmen" beruhten - diese führten zu Ergebnissen, "die der Realität nicht entsprechen".

Früherer chinesischer Premier Zhu im Alter von 97 Jahren gestorben

Der für seine wegweisenden Marktreformen bekannt gewordene frühere chinesische Ministerpräsident Zhu Rongji ist tot. Zhu starb am Mittwochvormittag in Peking im Alter von 97 Jahren infolge einer Krankheit, wie die staatliche Nachrichtenagentur Xinhua unter Berufung auf einen Nachruf der höchsten politischen Gremien des Landes meldete. Zhu hatte China von 1998 bis 2003 regiert, das Land weiter für den Weltmarkt geöffnet und einen Wirschaftsaufschwung befördert.

Textgröße ändern: