Deutsche Tageszeitung - Merkel mahnt stärkere internationale Kooperation im Kampf gegen Klimawandel an

Merkel mahnt stärkere internationale Kooperation im Kampf gegen Klimawandel an


Merkel mahnt stärkere internationale Kooperation im Kampf gegen Klimawandel an
Merkel mahnt stärkere internationale Kooperation im Kampf gegen Klimawandel an / Foto: ©

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) hat anlässlich eines Klima-Anpassungsgipfels mehr internationale Kooperation im Kampf gegen die globale Erderwärmung angemahnt. Gemeinsam hätten es die Staaten in der Hand, die Folgen des Klimawandels auf Umwelt, Wirtschaft und Sicherheit einzudämmen, sagte Merkel am Montag in einer Video-Botschaft an den von den Niederlanden organisierten Online-Gipfel. Der neue US-Klima-Beauftragte John Kerry versprach eine Korrektur der Klimapolitik seines Landes.

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"Der Klimawandel gefährdet unsere Umwelt, unsere Wirtschaft, unsere Sicherheit – überall auf der Welt. Aber gemeinsam haben wir es in der Hand, die Folgen einzudämmen", sagte Merkel.

Der zweitägige Anpassungsgipfel bereitet die Weltklimakonferenz COP 26 vor, die Ende des Jahres in Glasgow stattfindet. Zudem soll eine Anpassungsagenda mit praktischen Lösungen und Plänen bis zum Jahr 2030 beschlossen werden, an denen sich auch die freie Wirtschaft und Institutionen wie die Weltbank beteiligen sollen.

Der Klima-Beauftragte der neuen US-Regierung, Kerry, gab seinem "Bedauern" über die Klimapolitik seines Landes unter Ex-Präsident Donald Trump Ausdruck. Der neue US-Präsident Joe Biden habe die Bekämpfung des Klimawandels zu einer "Top-Priorität" seiner Regierung erklärt, betonte Kerry. "Wir haben nun Gott sei Dank einen Präsidenten, der anführt, die Wahrheit sagt und den die (Klima-)Frage umtreibt." Die USA seien "stolz, zurück" auf der Weltbühne zu sein und würden "alles in unserer Macht stehende tun", um ihre Abwesenheit in den vergangenen vier Jahren zu kompensieren.

Unter Trump hatten sich die USA einseitig aus dem Pariser Klimaabkommen zurückgezogen. Biden machte den Schritt wenige Stunden nach seiner Amtseinführung in der vergangenen Woche rückgängig.

Der frühere UN-Generalsekretär Ban Ki-moon begrüßte die Rückkehr der USA in die internationalen Klimaverhandlungen und würdigte Bidens "visionären" Führungsstil. "Das bedeutet, dass der Multilaterialismus zurück ist, nachdem er sich in den vergangenen vier Jahren in der Auflösung befand."

Großbritanniens Premierminister Boris Johnson mahnte rasches internationales Handeln an. "Es ist nicht zu leugnen, dass der Klimawandel bereits auf uns lastet und schon jetzt Leben und Wirtschaftsformen zerstört", sagte Johnson. Er verkündete zudem den Start einer internationalen Klima-Anpassungskoalition, die sein Land mit Ägypten, Bangladesch, Malawi, den Niederlanden, dem Inselstaat Santa Lucia und den Vereinten Nationen eingegangen sei.

Der Gipfel-Gastgeber und niederländische Regierungschef Mark Rutte betonte, dass sein Land seit Jahrhunderten über Erfahrungen in der Hochwasserbekämpfung verfüge und hoffe, dieses Wissen auch an andere Staaten weitergeben zu können. Die Niederlande liegen zu zwei Dritteln unter dem Meeresspiegel.

Als am schwersten von den Folgen des Klimawandels betroffen gelten die Entwicklungsländer. Merkel sagte bei dem Gipfel zusätzliche Millionenhilfen in Höhe von 220 Millionen Euro zu, um die ärmsten Länder der Welt im Kampf gegen den Klimawandel besser zu unterstützen.

Die Mittel stammen aus dem Bundesentwicklungsministerium und sollen teilweise als Kredite ausgezahlt werden. Entwicklungsminister Gerd Müller (CSU) bezeichnete die zusätzliche Unterstützung als "wichtiges Signal" und verwies auf die Milliardenschäden, die Naturkatastrophen im vergangenen Jahr gerade in den ärmsten Ländern angerichtet hatten. "Laufen die Entwicklung einfach so weiter, dann tragen vor allem die Entwicklungsländer die katastrophalen Folgen", warnte der CSU-Politiker. Schon heute gebe es 20 Millionen Klimaflüchtlinge, die ihre Lebensgrundlagen verloren hätten. "Nach Einschätzung der Weltbank können daraus in wenigen Jahren 140 Millionen Menschen werden."

Als unzureichend kritisierte hingegen die Organisation Brot für die Welt Merkels finanzielle Zusagen. Die Bundesregierung werde "dem Problem der wachsenden Anpassungskosten und auch der zunehmenden Klimaschäden im Globalen Süden nicht gerecht", beklagte Brot-für-die-Welt-Klimaexpertin Sabine Minninger.

(U.Beriyev--DTZ)

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