Deutsche Tageszeitung - Schuster ruft Bürger zu stärkerem Eintreten für Demokratie auf

Schuster ruft Bürger zu stärkerem Eintreten für Demokratie auf


Schuster ruft Bürger zu stärkerem Eintreten für Demokratie auf
Schuster ruft Bürger zu stärkerem Eintreten für Demokratie auf / Foto: ©

Zum diesjährigen Holocaust-Gedenktag hat der Zentralrat der Juden in Deutschland die Gesellschaft zum stärkeren Eintreten für die Demokratie und ihre Institutionen aufgefordert. Insbesondere der Verunglimpfung und Instrumentalisierung der Opfer der Schoa in Zusammenhang mit der Corona-Pandemie müsse Einhalt geboten werden, erklärte Zentralratspräsident Josef Schuster am Mittwoch.

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"Die jüdische Gemeinschaft ist entsetzt und fassungslos über das Verhalten vieler Bürger seit Beginn der Corona-Pandemie, die sich mit Opfern der Schoa gleichsetzen", erklärte Schuster. "Diese Anmaßung und Respektlosigkeit ist für uns unerträglich."

Der Zentralrats-Vorsitzende erinnerte in diesem Zusammenhang an die Befreiung des Vernichtungslagers Auschwitz vor 76 Jahren. Die sowjetischen Soldaten hätten dort "Berge von Leichen und deren Überreste" vorgefunden "sowie wenige noch lebende Menschen, die bereits vom Tod gezeichnet waren". Was die Menschen in der Schoa erlitten hätten, "ist mit nichts zu vergleichen".

Wenn auf Corona-Demonstrationen die gelben so genannten "Judensterne" getragen würden, komme dies einer Relativierung des Holocausts gleich und sei damit volksverhetzend und strafbar. "Polizei und Justiz sollten solche Vorfälle konsequenter ahnden", forderte Schuster. "Wir brauchen diese Signale des Staates auch, um die demokratische Zivilgesellschaft zu stärken."

Besorgt zeigte sich Schuster darüber, dass sich bei "nicht wenigen Bürgern ein tiefes Misstrauen gegenüber unseren Politikern, demokratischen Institutionen und Medien" breitgemacht habe. Er sprach zudem von einer "zunehmenden Gleichgültigkeit gegenüber rechtsradikalen Positionen ". Dieser Entwicklung "müssen wir mit einem festen Zusammenhalt der Demokraten entgegensteuern", forderte er.

Vor 76 Jahren wurde das Konzentrations- und Vernichtungslager Auschwitz von sowjetischen Truppen befreit. Dort waren etwa 1,1 Millionen Menschen von den Nationalsozialisten ermordet worden. Der 1996 vom damaligen Bundespräsidenten Roman Herzog eingeführte Holocaust-Gedenktag erinnert an die Befreiung von Auschwitz. Im Bundestag findet dazu eine Gedenkstunde statt.

(M.Dylatov--DTZ)

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