Deutsche Tageszeitung - Bundesgerichtshof verhandelt über Waffenexporte nach Mexiko

Bundesgerichtshof verhandelt über Waffenexporte nach Mexiko


Bundesgerichtshof verhandelt über Waffenexporte nach Mexiko
Bundesgerichtshof verhandelt über Waffenexporte nach Mexiko / Foto: ©

Vordergründig hat sich der Bundesgerichtshof (BGH) am Donnerstag mit Waffen befasst, im Einzelnen aber vor allem mit der Frage, wer was wusste: Verhandelt wurden in Karlsruhe Revisionen gegen ein Urteil des Landgerichts Stuttgart vom Februar 2019 gegen die Waffenfirma Heckler & Koch und zwei ehemalige Angestellte wegen des Erschleichens von Exportgenehmigungen für Mexiko. Die Staatsanwaltschaft, zwei ehemalige Angestellte und das Unternehmen selbst hatten dagegen Revision eingelegt. (Az. 3 StR 474/19)

Textgröße ändern:

Strittig sind fünf Fälle der Ausfuhr tausender Sturmgewehre, einiger Maschinenpistolen und Magazine in den 2000er Jahren. Waffenlieferungen müssen von der Bundesregierung genehmigt werden. Heckler & Koch holte diese Genehmigungen auch ein, legte den Anträgen nach Auffassung des Landgerichts aber unrichtige sogenannte Endverbleibserklärungen aus Mexiko bei. In diesen Erklärungen steht, wo die Waffen schlussendlich eingesetzt werden sollen. Die mexikanischen Behörden sollen darin in Absprache mit Mitarbeitern der Firma Unruheregionen weggelassen haben, obwohl die Waffen auch dort eingesetzt worden sein sollen.

Das Landgericht verurteilte Heckler & Koch 2019 zur Zahlung von 3,7 Millionen Euro. Ein früherer Vertriebsleiter wurde wegen bandenmäßiger Ausfuhr von Waffen aufgrund erschlichener Genehmigung nach dem Außenwirtschaftsgesetz zu einer Geldstrafe und einer Haftstrafe auf Bewährung verurteilt, eine frühere Sachbearbeiterin wegen Beihilfe zu einer Bewährungsstrafe und Sozialstunden. Drei Angeklagte in höheren Positionen wurden in Stuttgart freigesprochen. Ein weiterer Hauptverdächtiger starb inzwischen, ein anderer ist noch in Mexiko und wird gesondert verfolgt.

Die Anwälte der beiden früheren Angestellten, die 2019 verurteilt worden waren, beantragten am BGH einen Freispruch. Der Vertriebsleiter habe die Anträge weder geprüft noch seien sie ihm überhaupt vorgelegt worden, sagte sein Anwalt. Der Anwalt der Sachbearbeiterin argumentierte, dass die Frau weisungsgebunden gewesen sei.

Der Vertreter der Bundesanwaltschaft, die am BGH die Staatsanwaltschaft stellt, beantragte dagegen, die beiden Angeklagten zusätzlich wegen Verstoßes gegen das Kriegswaffenkontrollgesetz zu verurteilen. Das Landgericht habe das Gesetz hier falsch ausgelegt, sagte er. Laut Außenwirtschaftsgesetz gilt eine erschlichene Genehmigung als nicht erteilt. Im Kriegswaffenkontrollgesetz gibt es keine entsprechende Regelung.

Auch der Anwalt des Waffenherstellers argumentierte mit Unwissen. In den Genehmigungen, welche die Firma erhalten habe, habe nur Mexiko gestanden - ohne einzelne Bundesstaaten. Diese Genehmigungen seien genau ausgeführt worden, sagte er. Die Firmenleitung habe gutgläubig gehandelt und nichts von den mutmaßlichen Verhandlungen ihrer Mitarbeiter mit mexikanischen Behörden gewusst. Darum solle das Urteil gegen das Unternehmen aufgehoben werden.

Dagegen wandte sich der Bundesanwalt mit dem Argument, dass Erträge aus einer illegalen Tat auch dann eingezogen werden könnten, wenn andere für die Begünstigte gehandelt hätten. Er beantragte, die Revision von Heckler & Koch abzulehnen.

Die Verhandlung in Karlsruhe wurde von Friedensaktivisten gespannt verfolgt. Ins Rollen gebracht hatte den Fall ursprünglich Jürgen Grässlin, Sprecher der "Aktion Aufschrei - Stoppt den Waffenhandel", mit einer Anzeige. Der Anwalt der Organisation, Holger Rothbauer, sagte am Donnerstag nach der Verhandlung, dass er ein "richtungsweisendes Urteil" erwarte. Zudem forderte er ein neues Rüstungsexportkontrollgesetz.

Ähnlich äußerte sich Alexander Lurz von Greenpeace. Der Fall zeige erneut, dass Waffenexporte aus Deutschland ungenügend geregelt seien, erklärte er. Spätestens die nächste Bundesregierung müsse ein restriktives Gesetz vorlegen, "das eindeutig ist und Fragen wie Endverbleib und Entschädigung regelt". Das Urteil wird für den 11. März erwartet.

(U.Stolizkaya--DTZ)

Empfohlen

Verteidigungsministertreffen: Pistorius spricht Putin ernsthaften Friedenswillen ab

Bundesverteidigungsminister Boris Pistorius (SPD) hat Kremlchef Wladimir Putin vor dem Hintergrund der für November in Aussicht gestellten Dreiergespräche zwischen Russland, der Ukraine und den USA mangelnden Friedenswillen vorgeworfen. "Putin simuliert immer mal wieder Gesprächsbereitschaft", sagte Pistorius am Montag nach einem E5-Verteidigungsministertreffen in Paris. "Nichts, aber auch gar nichts" deute darauf hin, dass Putin "an einem Waffenstillstand oder gar an einem Frieden interessiert ist".

Iran und Länder des Mekka-Abkommens vereinbaren weitere Gespräche über Zusammenarbeit

Der Iran und die drei Länder des sogenannten Mekka-Abkommens haben nach einem ersten Treffen in Teheran nach Angaben staatlicher Medien weitere Gespräche über eine Stärkung ihrer Zusammenarbeit vereinbart. Die iranischen Vertreter sowie jene Saudi-Arabiens, der Türkei und Pakistans seien darüber übereingekommen, dabei auch über "regionalen Frieden und Sicherheit" zu sprechen, hieß es im staatlichen iranischen Fernsehen am Montag.

UN-Ermittler werfen Israel Verbrechen der "Auslöschung" im Westjordanland vor

Einen Tag vor der Parlamentswahl in Israel haben im Auftrag der Vereinten Nationen tätige unabhängige Ermittler dem Land Verbrechen gegen die Menschlichkeit im Westjordanland vorgeworfen. Darunter sei der Vorwurf der "Auslöschung", erklärte die Unabhängige Internationale Untersuchungskommission in einem am Montag veröffentlichten Bericht. Im Gazastreifen begehe Israel zudem weiterhin "Akte des Völkermords". Dort wurden nach palästinensischen Angaben fünf Menschen bei israelischen Angriffen getötet.

Venezuela: Oppositionsführerin Machado zu Treffen mit Übergangspräsidentin bereit

Nach ihrer überraschenden Rückkehr nach Venezuela hat die Oppositionspolitikerin und Friedensnobelpreisträgerin María Corina Machado ihre Bereitschaft zu einem Treffen mit Übergangspräsidentin Delcy Rodríguez erklärt. Machado wäre bereit, "sich nicht nur mit Rodríguez zusammenzusetzen, sondern mit wem auch immer sie es tun sollte, vor dem ganzen Land, in völliger Transparenz und mit einer Agenda", sagte ihre Sprecherin Claudia Macero am Montag im Sender Union Radio.

Textgröße ändern: