Deutsche Tageszeitung - EU-Kommission sieht wenig Handhabe gegen Corona-Grenzkontrollen

EU-Kommission sieht wenig Handhabe gegen Corona-Grenzkontrollen


EU-Kommission sieht wenig Handhabe gegen Corona-Grenzkontrollen
EU-Kommission sieht wenig Handhabe gegen Corona-Grenzkontrollen / Foto: ©

Die EU-Kommission sieht wenig Handhabe, um gegen einseitig von Deutschland und anderen Ländern beschlossene Grenzkontrollen wegen der Corona-Pandemie vorzugehen. "Der Handlungsspielraum ist begrenzt", sagte eine EU-Vertreterin am Dienstag vor Journalisten. Mitgliedstaaten hätten das Recht, die Freizügigkeit auf Grundlage von Gesundheitsgefahren einzuschränken. Dies müsse allerdings verhältnismäßig erfolgen.

Textgröße ändern:

Der EU-Vertreterin zufolge hat die Kommission bisher noch nie Vertragsverletzungsverfahren gegen Mitgliedstaaten eingeleitet, weil sie einseitig Grenzkontrollen im Schengenraum wiedereingeführt haben. Es sei auch die Frage, ob solche Verfahren "die richtige Antwort sind, wenn es um eine sich ständig verändernde Situation geht".

Die EU wolle "sehr schnell praktische Ergebnisse und Lösungen", um etwa Lkw-Staus an den Grenzen und Probleme für die Wirtschaft zu verhindern, sagte die EU-Vertreterin. Sie trete deshalb mit betroffenen Staaten in Kontakt, um auftretende Schwierigkeiten zu beseitigen.

EU-Innenkommissarin Ylva Johansson und ihr Justizkollege Didier Reynders wandten sich am Dienstag in einem Brief an alle Mitgliedstaaten. Darin verwiesen sie auf eine EU-Empfehlung, die "störende Effekte innerer Grenzkontrollen insbesondere für den Binnenmarkt" verhindern solle. Demnach sollten Grenzschließungen vermieden werden. Kontrollen dürften nicht diskriminierend sein und müssten verhältnismäßig ausfallen, hieß es.

Die Bundesregierung hatte am Sonntag Kontrollen zum österreichischen Bundesland Tirol und Tschechien eingeführt. Grund ist die dort starke Ausbreitung von Mutationen des Corona-Virus. Einreisen dürfen nur noch Deutsche und Ausländer mit Wohnsitz in Deutschland. Ausnahmen gelten für den Gütertransport und Gesundheitspersonal.

Nach einer Aufstellung der Kommission haben derzeit neben Deutschland acht weitere Länder wegen Covid-19 Grenzkontrollen. In fünf Staaten gibt es zudem schon länger Kontrollen wegen der Migrationsfrage und Terrorgefahr.

(W.Novokshonov--DTZ)

Empfohlen

Nach Bolsonaros Niederlage: Trump nennt Brasilien-Wahl "manipuliert"

US-Präsident Donald Trump hat Zweifel am Wahlsieg des linksgerichteten brasilianischen Staatschefs Luiz Inácio Lula da Silva gesät. Es sehe nach einer "manipulierten Wahl" aus, sagte Trump am Montag nach der Niederlage seines Verbündeten, des rechtsgerichteten Politikers Flávio Bolsonaro. Die Niederlage Bolsonaros bedeutet für Trump einen Rückschlag nach Wahlsiegen verbündeter Politiker in lateinamerikanischen Ländern wie Argentinien, Kolumbien oder Chile.

Flavio Bolsonaro darf nach eigenen Angaben Brasilien nicht verlassen

Gegen den bei der Präsidentschaftswahl in Brasilien unterlegenen Kandidaten Flávio Bolsonaro ist nach dessen eigener Aussage eine Ausreisesperre verhängt worden. Er habe eine Anordnung des Obersten Gerichtes erhalten, wonach er seine Pässe abgeben müsse und es ihm untersagt sei, das Land zu verlassen, sagte Bolsonaro am Montag in einem Video. Er kündigte zugleich an, dass er weiter die Opposition anführen und sich "nicht einschüchtern" lassen wolle.

Nach Machados Rückkehr: Venezuelas Übergangspräsidentin wirft ihr "Show" vor

Venezuelas Übergangspräsidentin Delcy Rodríguez hat der Oppositionspolitikerin María Corina Machado nach deren überraschender Rückkehr ins Land vorgeworfen, eine "Show" zu inszenieren. "Ich glaube ganz ehrlich, dass sie aufhören sollte, Politik wie eine Show zu betreiben, denn die Politik ist etwas sehr Ernsthaftes", sagte Rodríguez am Montag mit Bezug auf die nicht veröffentlichten Umstände von Machados Rückkehr. "Es gibt ja hier Flughäfen", fügte sie hinzu.

Verteidigungsministertreffen: Pistorius spricht Putin ernsthaften Friedenswillen ab

Bundesverteidigungsminister Boris Pistorius (SPD) hat Kremlchef Wladimir Putin vor dem Hintergrund der für November in Aussicht gestellten Dreiergespräche zwischen Russland, der Ukraine und den USA mangelnden Friedenswillen vorgeworfen. "Putin simuliert immer mal wieder Gesprächsbereitschaft", sagte Pistorius am Montag nach einem E5-Verteidigungsministertreffen in Paris. "Nichts, aber auch gar nichts" deute darauf hin, dass Putin "an einem Waffenstillstand oder gar an einem Frieden interessiert ist".

Textgröße ändern: