Deutsche Tageszeitung - Rostocks Oberbürgermeister beklagt zu viel Technokratie in Pandemie-Bekämpfung

Rostocks Oberbürgermeister beklagt zu viel Technokratie in Pandemie-Bekämpfung


Rostocks Oberbürgermeister beklagt zu viel Technokratie in Pandemie-Bekämpfung
Rostocks Oberbürgermeister beklagt zu viel Technokratie in Pandemie-Bekämpfung / Foto: ©

Die Bekämpfung der Corona-Pandemie in Deutschland läuft aus Sicht des parteilosen Rostocker Oberbürgermeisters Claus Ruhe Madsen zu technokratisch ab. "Wir hören auf Virologen, beziehen uns auf mathematische Berechnungen, aber überhaupt nicht auf Kinderpsychologen – auf jene Aspekte also, die wir rund um Corona auch bedenken müssen", kritisierte Madsen in der "Welt" (Mittwochsausgabe). Er forderte, "jetzt endlich den Menschen in den Fokus zu rücken".

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Madsen forderte mehr Selbstbestimmungsmöglichkeiten für Kommunen und Gemeinden bei der Corona-Bekämpfung. "Ich wünsche mir ein Spielfeld, auf dem wir Kommunen und Gemeinden gemeinsam mit unseren Gesundheitsämtern agieren können".

Rostock gilt beim Corona-Management als Vorbild. Nachdem Madsen zu Beginn der Pandemie das Leben in seiner Stadt rigoros heruntergefahren hatte, setzt er sich nun für schrittweise Lockerungen ein. Um Kitas und Schulen öffnen zu können, will der Oberbürgermeister Schülern Selbsttests anbieten. Auch plant er eine Öffnung des Handels per Terminvergabe und digitaler Kontaktverfolgung über die App Luca.

"Je mehr wir Apps wie Luca anwenden, umso mehr können wir die Lage nachverfolgen und den Menschen Möglichkeiten geben, dass sie zurück ins Leben und in die Arbeit finden", argumentierte Madsen. Er wolle "wieder Freude ermöglichen, mit Kunst und Kultur, mit Sport in Vereinen – auch dort in Form von Selbsttests – und mit der schrittweisen Öffnung des Handels".

Inzwischen sei er bereit, die deutsche Staatsbürgerschaft anzunehmen, sagte der Däne weiter. Dabei gehe es ihm aber nicht darum, sich um höhere politische Ämter bewerben zu können. "Sondern um meinen Dank gegenüber den Bürgerinnen und Bürgern darüber auszudrücken, was wir gemeinsam in dieser Pandemie geschafft haben." Er sei der Oberbürgermeister "der schönsten Stadt der Welt und habe keine Pläne, diese zu verlassen".

(A.Nikiforov--DTZ)

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