Deutsche Tageszeitung - Fachverbände warnen vor Personalmangel in der Intensivpflege

Fachverbände warnen vor Personalmangel in der Intensivpflege


Fachverbände warnen vor Personalmangel in der Intensivpflege
Fachverbände warnen vor Personalmangel in der Intensivpflege / Foto: ©

Die Deutsche Gesellschaft für Fachkrankenpflege (DGF) und die Deutsche Interdisziplinäre Vereinigung für Intensiv- und Notfallmedizin (Divi) warnen vor einem zunehmenden Mangel an Fachpersonal in der Intensivpflege. Die Lage sei "teilweise dramatisch", hieß es in einer gemeinsamen Stellungnahme, die am Montag an den Pflegebeauftragten der Bundesregierung, Andreas Westerfellhaus, überreicht wurde.

Textgröße ändern:

Deutschland stehe zwar bei der Zahl der Intensivbetten im internationalen Vergleich gut da; "die Personalsituation in der Intensivpflege allerdings, die schon vor der Covid-19-Pandemie angespannt war, hat sich nunmehr erheblich zugespitzt", heißt es in dem Text. Auch würden viele Intensivpflegende keine Aussicht mehr auf eine Besserung der Lage sehen.

Bisher sei der Mangel weitgehend "durch zusätzliches Engagement und Mehrarbeit" der Beschäftigten kompensiert worden, kritisieren die Verbände. Auch führten weiterführende Qualifikationen der Pflegenden für sie "in der Praxis nur in sehr geringem Maße zu Veränderungen der Zuständigkeiten und des Gehalts". "Vor diesem Hintergrund gilt es, die Arbeitsbedingungen zu verbessern und die Attraktivität des Arbeitsfeldes zu erhöhen", fordern die Verbände.

Konkret verlangen sie einen besseren Personalschlüssel in den Kliniken mit Vorgaben für eine Mindestbesetzung, die auch nicht je nach aktuellem Patientenaufkommen wieder ausgesetzt werden dürfe. "Bei dauerhafter Unterbesetzung müssen Betten geschlossen werden", heißt es in dem Papier. Zudem müssten bereits "in die normale Dienstplanung und Personalbesetzung freizuhaltende Kapazitäten für Notfälle mit einbezogen" werden.

Notwendig seien zudem eine Flexibilisierung der Arbeitszeiten, mehr Unterstützungsangebote für die Vereinbarkeit von Beruf und Familie sowie besondere Angebote für ältere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter im Schichtdienst wie etwa eine reduzierte Arbeitszeit bei voller Bezahlung. Zudem müsse es mehr psychosoziale Unterstützung für die Pflegenden geben. Verbunden werden müsse dies mit einer deutlichen Erhöhung des Grundgehalts sowie attraktiveren, steuerfreien Zuschlägen etwa bei Mehrarbeit oder für flexible Arbeitseinsätze.

Westerfellhaus signalisierte den Pflegekräften Bereitschaft zur Unterstützung. Der Staatssekretär im Bundesgesundheitsministerium warnte angesichts der weiterhin schwierigen Arbeitsbedingungen besonders in der Intensivpflege ebenfalls vor dem Verlust weiterer Fachkräfte in dem Bereich.

Derzeit spielten zahlreiche Pflegende mit dem Gedanken, aus ihrem Beruf auszusteigen, erklärte Westerfellhaus in Berlin. "Das hätte natürlich katastrophale Folgen für unsere Gesundheitsversorgung", warnte der Pflegebeauftragte der Regierung, der selbst gelernter Krankenpfleger ist. "Um an diesem Befund etwas zu ändern, müssen sich die Bedingungen für Pflegekräfte jetzt ändern", forderte auch er.

(I.Beryonev--DTZ)

Empfohlen

Bolsonaro setzt sich nach Wahlniederlage aus Brasilien ab - Aufenthaltsort unklar

Nach seiner Niederlage bei der Präsidentschaftswahl in Brasilien hat sich der Rechtspopulist Flávio Bolsonaro trotz eines richterlichen Ausreiseverbots ins Ausland abgesetzt. Über seinen Aufenthaltsort herrschte am Mittwoch jedoch Unklarheit: Nach argentinischen Angaben reiste er über Argentinien nach Ecuador. Laut der Website FlightAware war sein Flugzeug auf dem Weg nach Miami. Zuvor hatten US-Medien berichtet, der unterlegene Präsidentschaftskandidat sei in den USA eingetroffen. Die USA erklärten sich zur Aufnahme Bolsonaros bereit und wollten ihm und seiner Familie Visa ausstellen.

Merz: Deutschland wird Rüstungskooperation mit Japan verstärken - Kampfjetbau ausloten

Deutschland will nach den Worten von Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) die Rüstungskooperation mit Japan verstärken. Merz nannte am Mittwoch bei einer Pressekonferenz mit der japanischen Regierungschefin Sanae Takaichi in Tokio etwa "gemeinsame Entwicklungen für eine innovative Verteidigung der Zukunft". Beide Länder wollen Merz zufolge auch "ausloten, ob eine Zusammenarbeit im Kampfflugzeugbau möglich ist". Ein entsprechender Prüfauftrag sei "vorbereitet".

Nach Ausschreitungen in Frankreich: Randalierer sollen für Schäden zahlen

Vor dem Hintergrund der jüngsten Ausschreitungen in Frankreich sollen Randalierer und Mitläufer künftig für die entstandenen Schäden aufkommen. Der mehrheitlich rechte Senat verabschiedete einen entsprechenden Gesetzesvorschlag in der Nacht zu Mittwoch mit 229 zu 105 Stimmen. Für das Begleichen der Kosten sollen auch Sozialleistungen herangezogen werden können.

Ukrainischer Präsident Selenskyj wird in Hessen mit Medaille geehrt

Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj wird in Hessen mit der höchsten Auszeichnung des Landes geehrt. Der hessische Ministerpräsident Boris Rhein (CDU) würdigte Selenskyj am Mittwoch in Wiesbaden als "eine der herausragenden internationalen politischen Persönlichkeiten der Gegenwart". Die Verleihung der Wilhelm-Leuschner-Medaille ist für den 1. Dezember geplant.

Textgröße ändern: