Deutsche Tageszeitung - Äthiopische Kommission beschuldigt eritreische Soldaten Massakers in Tigray

Äthiopische Kommission beschuldigt eritreische Soldaten Massakers in Tigray


Äthiopische Kommission beschuldigt eritreische Soldaten Massakers in Tigray
Äthiopische Kommission beschuldigt eritreische Soldaten Massakers in Tigray / Foto: ©

Soldaten aus Eritrea haben nach Erkenntnissen der äthiopischen Menschenrechtskommission (EHRC) während der Kämpfe in der nordäthiopischen Konfliktregion Tigray ein Massaker an mehr als hundert Zivilisten verübt. Am 28. und 29. November habe es "gravierende Menschenrechtsverletzungen" in der Stadt Aksum in Tigray gegeben, teilte das an die Regierung in Addis Abeba angegliederte, formal aber unabhängige Gremium am Mittwoch mit.

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Bei dem Massaker handele es sich möglicherweise um ein "Verbrechen gegen die Menschlichkeit", erklärte EHRC weiter. "Es verdeutlicht die Notwendigkeit einer umfassenden Untersuchung der Menschenrechtssituation in der Region Tigray insgesamt." Zuvor hatten bereits die Menschenrechtsorganisationen Amnesty International und Human Rights Watch Massaker an hunderten Zivilisten in Tigray gemeldet. "Ethnische Säuberungen" in der Region prangerte Mitte März auch US-Außenminister Antony Blinken an.

EHRC hatte Ende Februar ein Experten-Team in die Unesco-Welterbe-Stadt Aksum geschickt, das bis Anfang März Interviews mit dutzenden Zeugen des Massakers führte. Viele der Befragten sagten aus, dass eritreische Soldaten unbewaffnete Zivilisten vor den Augen ihrer Familien exekutiert hätten. Die Soldaten hätten zudem auf Menschen geschossen, die versucht hätten, die Leichen ihrer Angehörigen zu bergen.

"Eritreische Soldaten gingen von Tür zu Tür, fragten die Frauen, wo ihre Männer und Kinder seien, und forderten sie auf, ihre Söhne herauszubringen", heißt es in dem EHRC-Bericht. Die Leichen der getöteten Zivilisten seien tagelang auf der Straße liegen geblieben. Wie viele Zivilisten in Aksum genau getötet wurden, konnte EHRC zunächst nicht beziffern.

Untersuchungen zu weiteren Anschuldigungen gegen die eritreischen Soldaten dauerten an, erklärte EHRC. Sowohl den eritreischen als auch den äthiopischen Streitkräften war vorgeworfen worden, Krankenhäuser in Tigray geplündert und damit den Tod von Patienten verursacht zu haben. Laut dem EHRC-Bericht beklagten viele Bewohner auch die Untätigkeit der äthiopischen Streitkräfte, während eritreische Soldaten Kirchen in der historischen Altstadt von Aksum beschädigt hätten.

Die Veröffentlichung des EHRC-Berichts erfolgte einen Tag, nachdem Äthiopiens Ministerpräsident Abiy Ahmed nach wochenlangen Dementis erstmals die Präsenz eritreischer Truppen in Tigray eingeräumt hatte. Der Regierungschef deutete dabei auch die Beteiligung eritreischer Soldaten an der Gewalt gegen Zivilisten in der Region an. Angriffe auf die Zivilbevölkerung nannte Abiy "inakzeptabel".

Die äthiopischen Truppen hatten Anfang November eine Offensive gegen die in Tigray regierende Volksbefreiungsfront TPLF begonnen. Rund 60.000 Menschen flüchteten vor der Gewalt in den benachbarten Sudan. Gut drei Wochen später verkündete Abiy die Einnahme der Regionalhauptstadt Mekele und das Ende des Militäreinsatzes.

(U.Beriyev--DTZ)

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