Deutsche Tageszeitung - Rund ein Drittel aller Corona-Patienten in Krankenhäusern jünger als 60 Jahre

Rund ein Drittel aller Corona-Patienten in Krankenhäusern jünger als 60 Jahre


Rund ein Drittel aller Corona-Patienten in Krankenhäusern jünger als 60 Jahre
Rund ein Drittel aller Corona-Patienten in Krankenhäusern jünger als 60 Jahre / Foto: ©

Rund ein Drittel der Corona-Patienten in deutschen Krankenhäusern ist laut einer Auswertung der Krankenkasse AOK jünger als 60 Jahre gewesen. Unter Beatmungspatienten habe diese Bevölkerungsgruppe rund 25 Prozent gestellt, teilte die AOK am Dienstag in Berlin unter Verweis auf eine Analyse ihres wissenschaftlichen Instituts (Wido) mit. Die Sterblichkeit unter stationären Corona-Patienten war demnach "sehr hoch". Sie betrug 18 Prozent oder fast ein Fünftel.

Textgröße ändern:

Die Datenauswertung, in die Erkenntnisse aus der zweiten Welle der Pandemie einflossen, bestätigten nach Angaben der Kasse die bereits zuvor gewonnenen Erfahrungen. So steigt das Risiko von schweren Corona-Verläufen mit dem Alter generell an. Rund die Hälfte der stationär behandelten Patienten war älter als 70 Jahre, wie die AOK unter Verweis auf ihre Experten betonte. Aber es gebe eben auch bei jüngeren Menschen "viele schwere Verläufe".

"Die Zahlen verdeutlichen, dass sich die Intensivstationen angesichts steigender Infektionszahlen schnell mit Menschen mittleren Alters füllen können, die noch nicht geimpft sind", warnte Wido-Geschäftsführer Jürgen Klauber. Intensivmediziner berichteten derzeit schon von entsprechenden Trends in Kliniken.

Männer waren den Auswertungen der Kasse zufolge deutlich häufiger von schweren Corona-Verläufen betroffen als Frauen. 66 Prozent der beatmeten Corona-Patienten in der zweiten Welle waren Männer.

Ferner registrierten die Experten während der zweiten Corona-Welle zwischen Oktober und Januar erneut einen Einbruch bei anderen Notfallbehandlungen. Die Zahl der Herzinfarktbehandlungen ging um 13 Prozent zurück. Das war ein fast ebenso starker Effekt wie in der ersten Welle im Frühjahr 2020, als sie um 16 Prozent abgesackt war. Die Zahl der Schlaganfallbehandlungen fiel um elf Prozent. In der ersten Welle hatte der Rückgang zwölf Prozent betragen.

Wido-Geschäftsführer Klauber äußerte sich beunruhigt über diese Entwicklung. "Diese erneuten Einbrüche sind Anlass zur Sorge." Auswertungen aus der ersten Corona-Welle hätten bereits gezeigt, dass die Sterblichkeit bei Schlaganfallpatienten "signifikant" gestiegen sei. Er können deshalb nur an die Bürger appellieren, bei Notfallsymptomen in jedem Fall sofort den Notruf zu wählen.

Die Analyse beruht auf Daten zur Versorgung von AOK-Versicherten in Krankenhäusern. In die Auswertung zu Corona-Verläufen flossen dabei Informationen zu 52.000 Infizierten ein, die von Februar bis November stationär behandelt wurden. Die Untersuchungen waren Teil eines größer angelegten Krankenhausreports der AOK. Dieser kam laut Kasse zu dem Ergebnis, dass die stationäre Versorgung generell in größeren Krankenhäusern zentralisiert werden sollte.

Die AOK berief sich dabei auch auf die Erfahrung in der Pandemie. So habe sich gezeigt, dass qualifiziertes medizinisches Personal "der entscheidende und gleichzeitig limitierende Faktor" sei, erklärte AOK-Vorstandschef Martin Litsch. Es bringe dagegen aber nichts, einfach zusätzliche Intensivbetten und Beatmungsgeräte aufzustellen. Größere Krankenhäuser seien besser in der Lage, die entsprechenden personellen Ressourcen flexibel einzusetzen und zugleich auch den normalen Versorgungsbetrieb aufrechtzuerhalten.

(A.Nikiforov--DTZ)

Empfohlen

EU-Spitzen zu Gipfeltreffen in Kanada

Vor dem Hintergrund angespannter Beziehungen zu den USA beginnt am Donnerstag in Montreal der EU-Kanada-Gipfel. Die EU-Delegation wird von Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen und Ratspräsident António Costa angeführt. Eröffnet wird das Treffen mit einer Rede von der Leyens zu den Beziehungen zwischen Kanada und der EU (15.00 Uhr MEZ).

Rotes Kreuz eröffnet größtes Bevölkerungsschutzzentrum Deutschlands

Das Deutsche Rote Kreuz eröffnet am Donnerstag in Brandenburg das größte und modernste Bevölkerungsschutzzentrum Deutschlands (9.30 Uhr). Bundesinnenminister Alexander Dobrindt (CSU) wird bei der Veranstaltung in Luckenwalde die Eröffnungsrede halten. Mit der Lagerung und schnellen Bereitstellung von Hilfsgütern für Katastrophen in Deutschland soll der DRK-Bevölkerungsschutz-Hub für die nationale Krisenvorsorge eine Schlüsselrolle einnehmen.

Merz besucht Südkorea - Halbleiter und Abhängigkeit von China auf der Agenda

Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) tritt am Donnerstag den letzten Teil seiner Asienreise an und besucht Südkorea. In Seoul trifft er Präsident Lee Jae Myung, mit dem am späten Nachmittag (10.00 Uhr MEZ) eine Pressekonferenz geplant ist. Begleitet wird der Kanzler von einer Delegation aus Vertretern von Industrie- und Technologieunternehmen sowie des Energie- und Verteidigungssektors.

Konstituierende Sitzung von neu gewähltem Abgeordnetenhaus in Berlin

Fünfeinhalb Wochen nach der Wahl in Berlin kommt das neue Abgeordnetenhaus am Donnerstag (10.00 Uhr) zu seiner konstituierenden Sitzung zusammen. Auf der Tagesordnung steht die Wahl des Parlamentspräsidiums. Die Linke als stärkste Fraktion schlägt die Abgeordnete Hendrikje Klein als Präsidentin vor. Die 46-Jährige ist seit 2016 Mitglied im Berliner Abgeordnetenhaus und derzeit parlamentarische Geschäftsführerin der Linken-Fraktion.

Textgröße ändern: