Deutsche Tageszeitung - Teilergebnisse: Kirgisen stimmen für mehr Befugnisse für Präsidenten

Teilergebnisse: Kirgisen stimmen für mehr Befugnisse für Präsidenten


Teilergebnisse: Kirgisen stimmen für mehr Befugnisse für Präsidenten
Teilergebnisse: Kirgisen stimmen für mehr Befugnisse für Präsidenten / Foto: ©

Bei einem Verfassungsreferendum im zentralasiatischen Kirgistan hat sich Teilergnissen zufolge eine deutliche Mehrheit der Bürger für größere Befugnisse für den populistischen Staatschef Sadyr Schaparow ausgesprochen. Nach Auszählung von mehr als drei Vierteln der Stimmzettel sah es am Sonntag so aus, dass die Verfassungsänderungen, die dem Präsidenten eine zweite Amtszeit ermöglichen, mit fast 80 Prozent der Stimmen abgesegnet werden.

Textgröße ändern:

Die Wahlbeteiligung war zwar gering, erreichte aber das notwendige Quorum von 30 Prozent, wie Vize-Regierungschef Ulugbek Karminschakow mitteilte. Die Verfassungsänderungen sehen vor, dass der Staatschef ähnlich wie in anderen zentralasiatischen Staaten auf Kosten von Parlament und Regierungschef mehr Befugnisse bei der Besetzung von Posten erhält.

Statt eine sechsjährige Amtszeit soll ein Präsident künftig zwei fünfjährige Amtszeiten lang im Amt bleiben dürfen. Die Zahl der Sitze im Parlament soll von 120 auf 90 verringert werden.

Präsident Schaparow hatte am Sonntag bei seiner Stimmabgabe in der Hauptstadt Bischkek erneut um Zustimmung geworben. Das bislang geltende Mischmodell aus präsidialem und parlamentarischem System sei aus dem Ausland importiert worden, sagte er. "Dieses Mal haben wir unser Grundgesetz selbst ausgearbeitet."

Kritiker lehnen die in kurzer Zeit ausgearbeiteten Verfassungsänderungen als "Khanstitution" ab. Damit spielen sie auf die mächtigen Patriarchen an, die in vergangenen Jahrhunderten in Zentralasien geherrscht hatten.

Nach Einschätzung der Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (OSZE) und der Venedig-Kommission des Europarates mangelte es vor der Abstimmung an "bedeutenden und inklusiven Konsultationen der Öffentlichkeit und Parlamentsdebatten". In einer gemeinsamem Erklärung hatten die beiden Institutionen auch die "übermäßig herausragende Rolle und Vorrechte des Präsidenten" kritisiert. Unterstützung kam hingegen vom Staatschef von Kirgistans zentralem Verbündeten Russland, Wladimir Putin.

Schaparow hatte bei der Präsidentschaftswahl im Januar einen Erdrutschsieg mit einem Stimmenanteil von fast 80 Prozent erzielt. Kurz zuvor war er durch Unruhen nach der Parlamentswahl am 4. Oktober an die Macht gekommen, nachdem Anhänger ihn aus dem Gefängnis befreit hatten. Er hatte dort nach einem Schuldspruch wegen Geiselnahme eingesessen. Der Schuldspruch wurde inzwischen kassiert und Schaparow stellt sich als Feind des organisierten Verbrechens und der Korruption dar.

Das überwiegend muslimische Kirgistan mit seinen 6,5 Millionen Einwohnern gilt als vergleichsweise demokratisches Land in Zentralasien, zugleich aber auch als politisch besonders instabil. Bereits in den Jahren 2005 und 2010 hatten Unruhen zum Sturz zweier Präsidenten geführt. Die Kritiker Schaparows befürchten, dass in Kirgistan demnächst ähnlich autoritäre Strukturen aufgebaut werden könnten wie sie bereits in Kasachstan, Usbekistan und Tadschikistan herrschen.

(I.Beryonev--DTZ)

Empfohlen

Medien: Ranghöchster Stratege der US-Armee überraschend entlassen

Vor dem Hintergrund möglicher neuer US-Angriffe auf den Iran ist der ranghöchste Stratege im US-Militär laut einem Medienbericht unerwartet entlassen worden. Der im Generalstab für Planungs- und Politikfragen zuständige Generalleutnant Brett Sylvia sei in dieser Woche von seinem Posten abberufen worden, berichtete das US-Magazin "The Atlantic" am Mittwoch (Ortszeit) unter Berufung auf namentlich nicht genannte Vertreter des Verteidigungsministeriums in Washington. US-Medien zufolge stand die Entlassung im Zusammenhang mit dem angeblichen Durchstechen von Geheiminformationen durch Sylvia.

"Angst"-Eingeständnis von Eralp wird neue Belastungsprobe für Rot-Grün-Rot in Berlin

Die durch einen Medienbericht öffentlich gewordene Angst der Berliner Linken-Spitzenkandidatin Elif Eralp vor Hamas-Sympathisanten ist zu einer neuen Belastungsprobe für die Koalitionsbildung ihrer Partei mit Grünen und SPD geworden. Während sich die Grünen nach der Veröffentlichung eines "Spiegel"-Berichts am Donnerstag hinter die mögliche künftige Regierende Bürgermeisterin stellten, äußerte sich der Berliner SPD-Fraktionschef Steffen Krach distanziert. Eralp gab sich kämpferisch: "Ich werde mich von niemandem einschüchtern lassen."

Niedersachsen: AfD scheitert mit Beschwerde gegen Hochstufung durch Verfassungsschutz

Eine Beschwerde des niedersächsischen Landesverbands der AfD gegen die Hochstufung zum Beobachtungsobjekt von erheblicher Bedeutung durch den Verfassungsschutz ist vom Oberverwaltungsgericht (OVG) Niedersachsen zurückgewiesen worden. Damit bestätigte es eine Entscheidung des Verwaltungsgerichts Hannover, wie das OVG am Donnerstag in Lüneburg mitteilte. Die Einstufung als Beobachtungsobjekt von erheblicher Bedeutung entspricht der Einstufung als gesichert rechtsextremistische Bestrebung in anderen Bundesländern.

Kanada und EU wollen Beziehungen auf "höchstmögliche Ebene" heben

Vor dem Hintergrund einer sich verändernden internationalen Ordnung arbeiten die EU und Kanada an dem Aufbau einer neuen, immer enger werdenden Partnerschaft. "Wir beide wollen unsere Beziehungen auf die höchstmögliche Ebene heben", sagte EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen zum Auftakt des EU-Kanada-Gipfels in Montreal am Donnerstag. Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) sprach von einer "einzigartigen Verbindung zu einem Partner außerhalb der EU" und einer "beispiellosen Initiative".

Textgröße ändern: