Deutsche Tageszeitung - Aerosolforscher fordern Konzentration auf Corona-Maßnahmen in Innenräumen

Aerosolforscher fordern Konzentration auf Corona-Maßnahmen in Innenräumen


Aerosolforscher fordern Konzentration auf Corona-Maßnahmen in Innenräumen
Aerosolforscher fordern Konzentration auf Corona-Maßnahmen in Innenräumen / Foto: ©

Aerosolforscher haben eine irreführende Schwerpunktsetzung in der Kommunikation über Maßnahmen zur Corona-Eindämmung kritisiert. Erfolgreiche Strategien setzten primär in geschlossenen Räumen wie Wohnungen, Büros, Schulklassen und Wohnanlagen an, hieß es in einem am Wochenende veröffentlichten offenen Brief der deutschen Gesellschaft für Aerosolforschung an Bund und Länder. Dort fänden die "allermeisten Infektionen" statt. Die "andauernden Debatten" über Besuche in Biergärten oder andere Aktivitäten unter freiem Himmel seien dagegen "kontraproduktiv".

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Der Fachverband verwies auf die von ihm in einem Positionspapier zusammengefassten Erkenntnisse der Forschung zur Ausbreitung des Coronavirus durch Aerosole, also Partikelwolken in der Luft. "Wenn wir die Pandemie in den Griff bekommen wollen, müssen wir die Menschen sensibilisieren, dass drinnen die Gefahr lauert." Die Krisenkommunikation müsse sich auf diesen Umstand konzentrieren, der Anteil von Infektionen im Freien liege nur im Promillebereich.

In der Bevölkerung herrsche infolge der staatlichen Maßnahmen und der Berichterstattung darüber oft eine falsche Einschätzung zu den Risiken vor, warnten die Experten in ihrem Schreiben an die Regierungen. Regelungen wie eine Maskenpflicht beim Joggen im Freien seien eher "symbolische Maßnahmen" und ließen "keinen nennenswerten Einfluss auf das Infektionsgeschehen erwarten".

Die begrenzten Ressourcen der Gesellschaft sollten daher auf eine Umsetzung sinnvoller Maßnahmen beschränkt und die Aufklärung der Bürger verbessert werden. Unter anderem sei auch in Innenräumen das Tragen "effektiver Masken" mit dichtem Sitz von zentraler Bedeutung. Dort könnten Infektionen auch ohne direkte Treffen erfolgen, wenn sich ein Erkrankter zuvor in einem nur schlecht gelüfteten Raum aufgehalten habe, betonten die Aerosolforscher.

Generell sollten Treffen und Aufenthalte in geschlossenen Räumen am besten vermieden oder möglichst kurz gehalten werden. Dazu kämen weitere Maßnahmen wie häufiges gründliches Lüften oder die Installation von Luftfiltern. "In der Fußgängerzone eine Maske zu tragen, um anschließend im eigenen Wohnzimmer eine Kaffeetafel ohne Maske zu veranstalten, ist nicht das, was wir als Experten unter Infektionsvermeidung verstehen", schrieben sie in dem Brief.

(A.Nikiforov--DTZ)

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