Deutsche Tageszeitung - US-Demokraten legen Pläne für Vergrößerung des Supreme Court vor

US-Demokraten legen Pläne für Vergrößerung des Supreme Court vor


US-Demokraten legen Pläne für Vergrößerung des Supreme Court vor
US-Demokraten legen Pläne für Vergrößerung des Supreme Court vor / Foto: ©

Parlamentarier der US-Demokraten wollen nach dem erbitterten Streit um die Ernennung der konservativen Verfassungsrichterin Amy Coney Barrett den Obersten Gerichtshofs vergrößern. Eine Gruppe Abgeordneter und Senatoren legte am Donnerstag einen Gesetzentwurf vor, mit dem die Zahl der Verfassungsrichter von derzeit neun auf 13 erhöht würde. Derzeit haben konservative Richter am Supreme Court eine Mehrheit von sechs zu drei. Mit vier neuen Richtern könnten sich die Mehrheitsverhältnisse ändern.

Textgröße ändern:

Dem Vorhaben der demokratischen Parlamentarier werden derzeit aber keinerlei Erfolgsaussichten eingeräumt: Die Vorsitzende des Repräsentantenhauses, die Demokratin Nancy Pelosi, antwortete auf die Frage, ob sie die Pläne unterstütze, mit einem knappen "Nein". Sie fügte hinzu, sie werde den Gesetzentwurf nicht zur Abstimmung vorlegen.

Präsident Joe Biden hatte erst vergangene Woche eine Expertenkommission gegründet, die mögliche Reformen des Supreme Court prüfen soll. Dabei wird es auch um die Zahl der Richter und die Dauer ihrer Amtszeit gehen. Die Verfassungsrichter werden vom Präsidenten auf Lebenszeit ernannt und müssen vom Senat bestätigt werden.

Bidens Vorgänger Donald Trump hatte kurz vor der Präsidentschaftswahl vom 3. November 2020 die konservative Juristin Barrett zur Verfassungsrichterin gemacht, nachdem die linksliberale Richterin Ruth Bader Ginsburg gestorben war. Damit wurde die konservative Mehrheit am Supreme Court auf sechs zu drei Richter vergrößert und potenziell auf Jahre oder gar Jahrzehnte zementiert.

Die Demokraten hatten Trump vergeblich aufgefordert, den vakanten Posten nicht so kurz vor der Wahl zu besetzen. Sie erinnerten daran, dass der republikanisch dominierte Senat 2016 über Monate einen vom damaligen Präsidenten Barack Obama nominierten Richterkandidaten blockiert hatte. Nach der Präsidentschaftswahl 2016 konnte Wahlsieger Trump den vakanten Posten dann mit einem konservativen Richter besetzen.

Dem mächtigen Gerichtshof kommt im Institutionengefüge der USA eine zentrale Rolle zu. Der Supreme Court entscheidet über die Verfassungsmäßigkeit von Gesetzen und hat grundsätzlich bei juristischen Streitfragen das letzte Wort. Das umfasst auch höchst strittige Themen wie das Abtreibungsrecht, das Waffenrecht und potenziell auch Wahlen. Auswahl und Bestätigung der Verfassungsrichter führen deswegen immer wieder zu heftigen parteipolitischen Auseinandersetzungen.

Insbesondere der linke Demokratenflügel drängt jetzt auf eine Vergrößerung des Supreme Court, um eine liberale Richtermehrheit herzustellen. Die Republikaner machten am Donnerstag deutlich, dass sie solche Versuche erbittert bekämpfen werden. Der Minderheitsführer der Konservativen im Senat, Mitch McConnell, warf den Demokraten vor, sie wollten die "Legitimität" des Supreme Court "zerstören" und "die Urteile garantieren, die die Liberalen wollen".

Die Zahl der US-Verfassungsrichter war im 19. Jahrhundert mehrfach geändert worden. Seit 1869 liegt die Zahl bei neun.

(P.Tomczyk--DTZ)

Empfohlen

CDU-Innenpolitiker Oster verteidigt Geheimdienstreform gegen Kritik

Vor der Verabschiedung der geplanten Geheimdienstreform im Kabinett hat der CDU-Innenpolitiker Josef Oster das Vorhaben verteidigt. Es gehe nicht, wie von Kritikern behauptet, um die Schaffung einer Geheimpolizei, betonte Oster am Mittwoch im ARD-"Morgenmagazin". "Es geht darum, einen Nachrichtendienst auf rechtsstaatlicher Basis zu haben, der unsere Demokratie und unsere freiheitliche Grundordnung schützt."

Bundeswehr meldet mehrere hundert Zwischenfälle mit Drohnen in vergangenen Jahren

Die Bundeswehr hat in den vergangenen Jahren mehrere hundert sicherheitsrelevante Zwischenfälle mit Drohnen verzeichnet. "Seit Beginn der völkerrechtswidrigen russischen Vollinvasion der Ukraine im Februar 2022 hat das Meldeaufkommen auch zu Drohnensichtungen mit Bezug zur Bundeswehr deutlich zugenommen und sich verstetigt", sagte ein Sprecher des Operativen Führungskommandos der Bundeswehr den Zeitungen des Redaktionsnetzwerks Deutschland (Mittwochsausgaben).

Seoul: Nordkorea feuert ballistische Rakete Richtung Japan ab

Wenige Tage von einem gemeinsamen Militärmanöver der USA und Südkoreas hat Nordkorea nach Angaben aus Seoul eine ballistische Rakete abgefeuert. Die nordkoreanische Rakete sei in Richtung Japan geschossen worden und habe über dem Meer eine Strecke von mehr als 700 Kilometern zurückgelegt, erklärte der Generalstab der südkoreanischen Armee am Mittwoch. Die japanische Regierung kritisierte den Vorfall als "Bedrohung für Frieden und Sicherheit".

Trump bestätigt heimlichen Flugzeugwechsel bei Abflug von Nato-Gipfel in Ankara

US-Präsident Donald Trump hat Berichte bestätigt, dass er kurz vor dem Abflug vom Nato-Gipfel in Ankara auf dem Flughafen der türkischen Hauptstadt heimlich die Maschine wechselte. "Sie wollten, dass ich einen anderen Flug nehme, ein anderes Flugzeug", sagte Trump am Dienstag offensichtlich mit Blick auf seine Personenschützer. "Sie wollten es so, also habe ich es gemacht. Ich tue, was sie sagen."

Textgröße ändern: