Deutsche Tageszeitung - Bundestag beschließt Nachtragshaushalt mit zusätzlichen Milliardenschulden

Bundestag beschließt Nachtragshaushalt mit zusätzlichen Milliardenschulden


Bundestag beschließt Nachtragshaushalt mit zusätzlichen Milliardenschulden
Bundestag beschließt Nachtragshaushalt mit zusätzlichen Milliardenschulden / Foto: ©

Der Bundestag hat am Freitag den von Bundesfinanzminister Olaf Scholz (SPD) vorgelegten Nachtragshaushalt beschlossen. Für den Etat, der noch einmal eine milliardenschwere Neuverschuldung vorsieht, stimmte die Mehrheit der Koalition. Die Grünen enthielten sich der Stimme, die übrigen Oppositionsfraktionen votierten dagegen.

Textgröße ändern:

Vorgesehen ist nun für 2021 eine Erhöhung der Gesamtausgaben um knapp 50 Milliarden auf 547,7 Milliarden Euro. Die Neuverschuldung steigt um 60,4 Milliarden Euro auf nun 240,2 Milliarden Euro. Normalerweise wäre laut Schuldenbremse nur eine Nettokreditaufnahme von maximal 23,8 Milliarden Euro zulässig gewesen.

Der Bundestag billigte in namentlicher Abstimmung auch den erneuten Rückgriff auf eine Ausnahme der in der Verfassung festgelegten Schuldenbremse für die neuen Kredite. Mit Ja stimmten 371 Abgeordnete, es gab 78 Gegenstimmen vor allem der AfD und 184 Enthaltungen.

Scholz verteidigte in der Debatte den Nachtragshaushalt als notwendigen "Baustein" zur Überwindung der Corona-Pandemie. Es gehe um "massive finanzielle Unterstützung für die ganze Gesellschaft", sagte der Finanzminister. Er hob das "Rekordniveau" staatlicher Investitionsausgaben von 59 Milliarden Euro in diesem und jeweils 50 Milliarden Euro in den Folgejahren hervor. "Nach der Pandemie wollen wir durchstarten", so Scholz.

Im Zuge der Verlängerung der pandemischen Notlage bis zum 30. Juni würden auch die Unterstützungsleistungen verlängert, unterstrich der Vizekanzler. Es seien zusätzliche Unternehmenshilfen bewilligt worden, die Impfstoffbeschaffung werde mit noch einmal 6,2 Milliarden Euro besser unterstützt, der Kinderbonus sei auch für 2021 vorgesehen. "Es geht um Geld, aber es geht um viel mehr", sagte der Finanzminister. "Es geht um die Zukunft und den Wiederaufstieg in unserem Land."

All das sichere die wirtschaftliche Leistungsfähigkeit und sei die Grundlage dafür, "dass Deutschland wirtschaftlich besser durch die Krise gekommen ist als viele, viele andere Länder", betonte der Vizekanzler und fügte hinzu: "Wir werden das bis zum Ende der ganzen Zeit durchhalten."

"Die fortdauernde Corona-Pandemie macht den Nachtragshaushalt mit einer Rekord-Neuverschuldung von 240,2 Milliarden Euro erforderlich", verteidigte auch der haushaltspolitische Sprecher der Unionsfraktion, Eckhardt Rehberg (CDU), den Etat. Er verwies auf die Folgen des Lockdowns, die Kosten für die Impfstoffe sowie ebenfalls auf die Aufstockung der Unternehmenshilfen um weitere 25,5 Milliarden Euro. Hinzu komme eine zusätzliche Milliarde für das Programm Neustart Kultur.

Die Grünen unterstützten im Grundsatz den Nachtragshaushalt, drangen aber auf schnellere, unbürokratischere Hilfen für die Wirtschaft und für sozial Schwache. "Wir müssen jetzt Vorsorge treffen für Hilfen für Unternehmer*innen, für das Kurzarbeitergeld und für Hartz-IV-Bezieher*innen", sagte die Haushaltsexpertin Anja Hajduk im Bundestag.

Die FDP-Haushaltsexpertin Ulla Ihnen warf der Bundesregierung wegen der hohen zusätzlichen Schulden "Maß- und Planlosigkeit" vor. Kritik an der Kreditaufnahme äußerte auch der Bund der Steuerzahler.

Für die Linkspartei forderte Gesine Lötzsch, zur Finanzierung der hohen Kosten der Pandemie "die Gewinner der Krise zur Kasse zu bitten". Arbeitgeberpräsident Rainer Dulger forderte eine Begrenzung von Steuern und Sozialabgaben, "damit die Wirtschaft wieder wachsen kann".

(V.Korablyov--DTZ)

Empfohlen

Erste Dialogrunde: Regierung und Opposition in Venezuela vereinbaren Justizreform

Regierung und Opposition in Venezuela haben die erste Runde ihres nationalen Dialogs beendet und dabei die Einleitung einer Justizreform vereinbart. Unter anderem solle der Oberste Gerichtshof reformiert worden, hieß es in einer am Mittwoch veröffentlichten gemeinsamen Erklärung. Das Gericht wird von der Opposition scharf kritisiert, weil es 2024 trotz massiver Wahlfälschungsvorwürfe den Sieg von Präsident Nicolás Maduro bestätigt hatte.

Sambier wählen neuen Präsidenten

In Sambia wird am Donnerstag ein neuer Präsident gewählt. Als Favorit gilt Amtsinhaber Hakainde Hichilema. Der 64-Jährige, der in seiner ersten Amtszeit eine Reihe von Wirtschaftsreformen in dem südafrikanischen Land durchgesetzt hat, strebt ein zweites und letztes Mandat an. Die rund 8,7 Millionen Wahlberechtigten sind außerdem zur Wahl eines neuen Parlaments aufgerufen. Die Wahllokale sind von 06.00 Uhr bis 18.00 Uhr geöffnet.

Rechtspopulist Farage bei Nachwahl in Großbritannien Favorit gegen Spaßkandidaten

Der nach Vorwürfen wegen nicht offengelegter Zuwendungen von seinem Abgeordnetenmandat zurückgetretene britische Rechtspopulist Nigel Farage geht am Donnerstag als klarer Favorit in eine von ihm angestrebte Nachwahl. Er tritt bei der Nachwahl in Clacton-on-Sea in Südostengland gegen mehrere unabhängige Kandidaten und Spaßkandidaten an.

"Eine meiner engsten Vertrauten": Trumps Sprecherin Karoline Leavitt tritt zurück

Die für ihre scharfen und bissigen Antworten auf Journalistenfragen bekannte US-Präsidentensprecherin Karoline Leavitt hat ihren Rücktritt angekündigt. Die 28-Jährige begründete dies am Mittwoch damit, dass sie sich nach der Geburt ihres zweiten Kindes mehr auf die Familie konzentrieren wolle. Präsident Donald Trump würdigte Leavitt als "eine meiner engsten Vertrauten" und kündigte an, dass diese künftig als externe Beraterin für ihn arbeiten werde.

Textgröße ändern: