Deutsche Tageszeitung - Bulgarien ermittelt gegen sechs Russen wegen Explosionen in Waffenlagern

Bulgarien ermittelt gegen sechs Russen wegen Explosionen in Waffenlagern


Bulgarien ermittelt gegen sechs Russen wegen Explosionen in Waffenlagern
Bulgarien ermittelt gegen sechs Russen wegen Explosionen in Waffenlagern / Foto: ©

Die bulgarische Staatsanwaltschaft ermittelt gegen sechs russische Staatsbürger wegen Explosionen in Waffenlagern in den Jahren 2011 bis 2015. Ihr Ziel sei es vermutlich gewesen, Munitionslieferungen in die Ukraine und nach Georgien zu unterbrechen, sagte eine Sprecherin der Staatsanwaltschaft am Mittwoch. Die Ermittler hätten zudem den "äußerst begründeten Verdacht", dass die Explosionen mit einem Giftanschlag auf den bulgarischen Waffenhändler Emilian Gebrew zusammenhingen.

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Die Hintergründe der vier Explosionen, bei denen es keine Opfer gab, sind nie aufgeklärt worden. Nach Angaben der Sprecherin wurden sie jedoch alle auf "ähnliche" Weise aus der Ferne ausgelöst. Es gebe eindeutig eine Verbindung zu sechs russischen Staatsbürgern, die sich zu den Zeitpunkten in Bulgarien aufgehalten hätten. Die Lager wurden demnach von Gebrews Firma Emco genutzt. Dieser, sein Sohn und ein leitender Anschlag waren dem Giftanschlag im April 2015 knapp entkommen.

Zudem gibt es laut der Staatsanwaltschaft mögliche Verbindungen zu "schweren Verbrechen, die in anderen Ländern begangen wurden". Sie bezog sich dabei auf eine Explosion in einem tschechischen Waffendepot im Jahr 2014 und den 2018 verübten Giftanschlag auf den ehemaligen russischen Doppelagenten Sergej Skripal in Großbritannien. "Wir sind in Kontakt mit der Tschechischen Republik, um zu sehen, ob es eine Verbindung zu Russland gibt", sagte die Sprecherin.

Die tschechische Regierung wirft dem russischen Geheimdienst eine Verwicklung in die Explosion eines tschechischen Munitionslagers im Jahr 2014 vor. Beide Länder wiesen daraufhin zahlreiche Diplomaten aus. Im Zuge der diplomatischen Krise hatten zuletzt auch mehrere europäische Länder russische Diplomaten ausgewiesen. Russland bestreitet eine Verwicklung in die Explosionen.

Der bulgarische Waffenhändler Gebrew hatte in dem tschechischen Depot ebenfalls Munition gelagert. Die investigative Webseite Bellingcat berichtete unter Berufung auf ukrainische Quellen, Gebrews Firma Emco habe "eine entscheidende Rolle bei der Stärkung der Verteidigungsfähigkeit der Ukraine gespielt, als deren territoriale Integrität auf dem Spiel stand". Demnach war Emco der "einzig infrage kommende ausländische Anbieter von Munition für die ukrainische Armee".

Emco äußerte sich in einer Stellungnahme nicht direkt zu den jüngsten Erkenntnissen der Staatsanwaltschaft. Das Unternehmen warf den bulgarischen Behörden aber vor, erst spät aktiv geworden zu sein, nachdem sie "die Aktivitäten der russischen Geheimdienste jahrelang vertuscht" hätten.

Wegen des Giftanschlags auf Gebrew wurden im vergangenen Jahr in Bulgarien drei Russen in Abwesenheit angeklagt. Bei einem von ihnen handelt es sich um einen der Geheimdienstagenten, die auch hinter dem Anschlag auf Skripal stehen sollen.

(V.Sørensen--DTZ)

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