Deutsche Tageszeitung - Erster Prozess gegen Myanmars entmachtete De-facto-Regierungschefin begonnen

Erster Prozess gegen Myanmars entmachtete De-facto-Regierungschefin begonnen


Erster Prozess gegen Myanmars entmachtete De-facto-Regierungschefin begonnen
Erster Prozess gegen Myanmars entmachtete De-facto-Regierungschefin begonnen / Foto: ©

Mehr als vier Monate nach dem Putsch in Myanmar hat am Montag ein erster Prozess gegen die von der Militärjunta entmachtete De-facto-Regierungschefin Aung San Suu Kyi begonnen. Polizisten sagten vor dem Gericht in der Hauptstadt Naypyidaw aus, die Nobelpreisträgerin habe gegen Corona-Auflagen verstoßen und ohne Genehmigung Funkgeräte importiert, wie ihre Anwältin Min Min Soe der Nachrichtenagentur AFP sagte.

Textgröße ändern:

Das Militär hatte am 1. Februar die Macht an sich gerissen. Seitdem wurde die 75-jährige Suu Kyi mit einer Reihe von strafrechtlichen Anschuldigungen überzogen. Am Dienstag startet ein weiterer Prozess, in dem Suu Kyi zusammen mit dem entmachteten Präsidenten Win Myint wegen Aufforderung zum öffentlichen Aufruhr angeklagt ist. Zuletzt wurde sie wegen Korruption angeklagt. Sie soll angeblich 600.000 Dollar in bar und rund elf Kilo Gold an Bestechungsgeldern angenommen haben.

Der Anwältin zufolge sagte ein Polizist am Montag aus, Suu Kyi habe im vergangenen Jahr während der Wahlen, die ihre Partel NLD haushoch gewonnen hatte, die Corona-Auflagen verletzt. Ein weiterer Polizist wurde demnach als Zeuge zum Vorwurf des illegalen Erwerbs und Besitzes von Funkgeräten angehört.

Suu Kyi sei den Zeugenaussagen "aufmerksam gefolgt", sagte Khin Maung Zaw, ein weiteres Mitglied ihres Anwaltsteams. Die Verteidiger erklärten, sie gingen davon aus, dass der Prozess bis zum 26. Juli dauern werde. Suu Kyi scheine "ziemlich entschlossen, auf ihrem Recht zu bestehen, wie auch immer es ausgeht", sagte der Anwalt Khin Maung Zaw.

Journalisten waren von der Verhandlung im Sondergericht in der Hauptstadt Naypyidaw ausgeschlossen. Ein AFP-Reporter berichtete von einem großen Polizeiaufgebot vor dem Gerichtsgebäude.

Sollte Suu Kyi in allen Punkten schuldig gesprochen werden, drohen ihr mehr als zehn Jahre Haft. Schon unter der vorherigen Militärdiktatur hatte sie mehr als 15 Jahre in Hausarrest verbracht.

Die Armee hatte ihren Putsch Anfang Februar mit angeblichen Manipulationen bei der Parlamentswahl im November begründet, die Suu Kyis Partei gewonnen hatte. Seit dem Putsch sieht sich die Junta massiven, fast täglich stattfindenden Protesten gegenüber. Armee und Polizei gehen mit brutaler Gewalt gegen Demonstranten vor. Nach Angaben von Aktivisten wurden seit dem Putsch fast 850 Zivilisten getötet.

(I.Beryonev--DTZ)

Empfohlen

Linken-Chefin hält an Enteignungen fest: "Das müssen wir uns leisten können"

Linken-Chefin Ines Schwerdtner hält an der Enteignung von Wohnkonzernen fest. "Das kostet Geld, aber das müssen wir uns leisten können", sagte Schwerdtner am Dienstag in der Sendung "Frühstart" von RTL und ntv. "Wohnen ist ein Menschenrecht. Und gerade hier in Berlin ist der Mietmangel so unendlich groß, dass wir da dringend etwas tun müssen."

Knobloch vergleicht die AfD mit der NSDAP - und plädiert für Verbotsverfahren

Die Vorsitzende der Israelitischen Kultusgemeinde München und Oberbayern, Charlotte Knobloch, hat die AfD mit der nationalsozialistischen NSDAP verglichen und für ein Parteiverbot plädiert. Sie sehe "in vielen Bereichen keinen Unterschied mehr zur NSDAP, bevor diese an die Macht gekommen ist", sagte Knobloch dem Magazin Stern. Sie habe viele "schreckliche Parteien erlebt, NPD, Republikaner, DVU. Sie sind gekommen und wieder verschwunden". Keine sei jedoch "so gefährlich, wie es die AfD" sei.

Japan nennt US-Sanktionen gegen IStGH-Präsidentin Akane "sehr bedauerlich"

Die japanische Regierung hat die von den USA verhängten Sanktionen gegen die Präsidentin des Internationalen Strafgerichtshofs (IStGH), Tomoko Akane, als "sehr bedauerlich" bezeichnet. Japan habe den IStGH stets in seinem Bemühen unterstützt, Verbrechen zu verfolgen und zu ahnden sowie die Rechtsstaatlichkeit zu wahren, erklärte das Außenministerium in Tokio am Mittwoch. "Aus dieser Perspektive sind die angekündigten Maßnahmen sehr bedauerlich." Akane ist japanische Staatsbürgerin.

Belagerung durch Siedler: US-Palästinenser hisst US-Flagge an seinem Haus

Ein US-Bürger palästinensischer Herkunft hat an seinem von israelischen Siedlern belagerten Haus im Westjordanland die US-Flagge gehisst. Dies sei eine Botschaft an alle US-Bürger, damit sie sähen, was in dem von Israel besetzten Palästinensergebiet vor sich gehe, sagte Luai Abu Ridi der Nachrichtenagentur AFP am Dienstag. Er besitzt eines von drei Häusern in Kusra nahe der Stadt Nablus, die seit mehr als einer Woche von gewalttätigen Siedlern belagert werden.

Textgröße ändern: