Deutsche Tageszeitung - Weltärztechef warnt vor raschen Lockerungen der Corona-Auflagen in Deutschland

Weltärztechef warnt vor raschen Lockerungen der Corona-Auflagen in Deutschland


Weltärztechef warnt vor raschen Lockerungen der Corona-Auflagen in Deutschland
Weltärztechef warnt vor raschen Lockerungen der Corona-Auflagen in Deutschland / Foto: ©

Weltärztechef Frank Ulrich Montgomery warnt angesichts der als besonders ansteckend geltenden Delta-Variante des Coronavirus vor zu raschen Lockerungsschritten in Deutschland. Es sei zu erwarten, dass sich die Delta-Variante in Deutschland noch schneller ausbreite als die anderen bisherigen Formen des Virus, sagte Montgomery den Zeitungen der Funke Mediengruppe (Freitagsausgaben). Solange noch nicht genügend Menschen geimpft seien, müssten die Ansteckungsrisiken im Alltag reduziert werden.

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Im öffentlichen Nahverkehr, in Geschäften und anderen Innenräumen sollten unbedingt weiterhin FFP2-Masken getragen werden, sagte der Präsident des Weltärtzebundes. Die Bundesländer sollten jetzt prüfen, ob die von ihnen angekündigten Lockerungen nicht zu weit gingen. Sie sollten "die politische Größe haben, angekündigte Lockerungen wieder zurückzunehmen, wenn die Infektionszahlen durch die Delta-Variante wieder steigen sollten".

Montgomery verwies auf das Beispiel der britischen Regierung. Diese hatte am Montag erklärt, wegen der raschen Ausbreitung der Delta-Variante im Vereinigten Königreich die geplante Aufhebung der letzten Corona-Beschränkungen um vier Wochen zu verschieben. Trotz der Impffortschritte in Großbritannien lässt dort die Delta-Variante derzeit die Infektionszahlen wieder hochschießen. Am Donnerstag wurden im Vereinigten Königreich erstmals seit Ende Februar wieder mehr als 10.000 Corona-Neuinfektionen an einem Tag verzeichnet.

Montgomery bezeichnete es als "das Tückische" der zuerst in Indien entdeckten Delta-Mutante, "dass Infizierte sehr schnell eine sehr hohe Viruslast im Rachen haben und damit Andere anstecken können, bevor sie überhaupt merken, dass sie sich infiziert haben".

Die deutschen Amtsärzte mahnten angesichts der Delta-Variante mehr Tempo beim Ausbau der Gesundheitsämter an. "Wir müssen den Anteil der Delta-Variante an den Neuinfektionen sehr gut beobachten", sagte die Vorsitzende des Bundesverbands der Ärztinnen und Ärzte des Öffentlichen Gesundheitsdienstes, Ute Teichert, den Funke-Zeitungen. Dazu sei unter anderem mehr Personal in den Gesundheitsämtern notwendig.

Teichert verwies darauf, dass im Pakt für den öffentlichen Gesundheitsdienst vereinbart worden sei, bis Jahresende in den Gesundheitsämtern 1500 neue Stellen für medizinisches Fachpersonal zu schaffen. Ein Großteil dieser Stellen sei aber noch nicht besetzt.

Nach den jüngsten Daten zur Delta-Variante in Deutschland, die das Robert-Koch-Institut (RKI) am Mittwoch veröffentlicht hatte, lag der Anteil dieser Mutante an allen genauer untersuchten Corona-Infektionen in der 22. Kalenderwoche (ab 31. Mai) bei 6,2 Prozent. In der vorherigen Woche waren es lediglich 3,7 Prozent gewesen. Laut RKI wurde die Delta-Variante bereits in allen Bundesländern nachgewiesen. Lediglich in zehn Prozent der Fälle sei die Ansteckung mit dieser Virus-Mutante mutmaßlich im Ausland erfolgt.

(V.Sørensen--DTZ)

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