Deutsche Tageszeitung - SPD äußert Vorbehalte gegen Luftkampfsystem FCAS

SPD äußert Vorbehalte gegen Luftkampfsystem FCAS


SPD äußert Vorbehalte gegen Luftkampfsystem FCAS
SPD äußert Vorbehalte gegen Luftkampfsystem FCAS / Foto: ©

Vor den Beratungen im Haushaltsausschuss über die Freigabe von Mitteln in Milliardenhöhe für das geplante europäische Luftkampfsystem FCAS äußert die SPD deutliche Zweifel an dem Vorhaben. Das Projekt sei "mit vielen Fragen belastet", sagte SPD-Fraktionschef Rolf Mützenich am Dienstag. Die SPD-Linke Hilde Mattheis forderte eine "Absage" an das Rüstungsvorhaben, von der Linken kam ebenfalls scharfe Kritik.

Textgröße ändern:

Der Haushaltsausschuss soll in seiner Sitzung am Mittwochnachmittag umfangreiche Mittel für FCAS freigeben. Wie aus der vertraulichen Vorlage des Bundesfinanz- und des Bundesverteidigungsministeriums hervorgeht, die am Dienstag der Nachrichtenagentur AFP vorlag, geht es um insgesamt fast 4,5 Milliarden Euro im Zeitraum von 2021 bis 2027.

In dieser Zeit gehe es darum, "die Voraussetzungen für den Start der Systemdefinitionsphase und den Einstieg in die Entwicklung zu schaffen", schreibt das Bundesfinanzministerium in der Vorlage. Es handelt sich um die Phasen 1B und 2 in der Projektplanung. Das Verteidigungsministerium will dazu mit den Partnerländern Frankreich und Spanien eine weitere sogenannte Durchführungsabsprache unterzeichnen - und benötigt deshalb grünes Licht vom Haushaltsausschuss.

"Im Hinblick auf die Fortführung des Vorhabens ist derzeit festzuhalten, dass, bedingt durch Verzögerungen aufgrund der Covid-19-Pandemie, weder die Konzeptstudie noch die Phase 1A bisher beendet werden konnten und abschließende Ergebnisse insofern nicht vorliegen", heißt es allerdings in den Ausführungen des Finanzministeriums. Frankreich lehne jedoch nach Angaben des Bundesverteidigungsministeriums eine Übergangsphase "kategorisch" ab und dringe auf einen "unverzüglichen Abschluss" der nächsten Durchführungsabsprache.

Mützenich empfahl den Haushältern, sie sollten in einem sogenannten Maßgabebeschluss klar machen, "was bei den anstehenden Vertragsverhandlungen unbedingt noch beachtet werden muss". Er sei "entsetzt", dass Bundeswehr und Verteidigungsministerium offenbar "noch immer nicht" aus Fehlern im Umgang mit großen Rüstungsprojekten gelernt hätten.

Die SPD-Linke Mattheis forderte ihre Fraktionskollegen im Haushaltsausschuss auf, "standhaft" zu bleiben und FCAS eine "Absage" zu erteilen. "Was wir gerade am wenigsten brauchen, ist ein milliardenschweres Aufrüstungsprogramm", schrieb sie auf Twitter.

Zuvor hatte auch sie SPD-Abgeordnete Nina Scheer vor der Genehmigung des Projekts gewarnt. "Nach jetzigem Stand der Dinge existiert kein fertiges Konzept für FCAS", erklärte sie. "Alle zur Verfügung stehenden Informationen deuten darauf hin, dass das Projekt sicherheitstechnisch verfehlt und damit ein Milliardengrab wird."

Der Verteidigungsexperte der Linken, Tobias Pflüger, bezeichnete FCAS ebenfalls als "Milliardengrab", für das der Bundestag einen "Blankoscheck" ausstellen solle. Angesichts der Schwierigkeiten bei dem Projekt sei das "völlig unverantwortlich", erklärte Pflüger. "Wir appellieren insbesondere an die SPD, dieses Milliardengrab zu stoppen."

"Die SPD sollte nicht aus falscher Koalitionsdisziplin dabei helfen, dieses Milliardengrab mit auszuheben", urteilte auch die Linken-Außenpolitikerin Sevim Dagdelen. "Es ist ein Skandal, dass die Bundesregierung ohne jede Not noch kurz vor Ende der Legislaturperiode das milliardenteure Hochrüstungsprojekt FCAS durchpeitschen will."

Bei FCAS (Future Combat Air System) geht es zum einen um die Entwicklung eines neuen europäischen Kampfjets, der ab etwa 2040 dem Eurofighter und der französischen Rafale nachfolgen soll. Das Projekt, das Deutschland, Frankreich und Spanien gemeinsam verfolgen, umfasst aber auch unbemannte Luftfahrzeuge wie Drohnen sowie eine gemeinsame "Gefechts-Cloud", die den Datenaustausch der vernetzten Systeme ermöglichen soll.

(U.Beriyev--DTZ)

Empfohlen

Elf Tote bei israelischen Angriffen auf mehrere Regionen des Libanon

Bei erneuten israelischen Angriffen auf die Region der libanesischen Hauptstadt Beirut und den Südlibanon sind libanesischen Angaben zufolge mindestens elf Menschen getötet worden. Ein Luftangriff habe das südliche Beiruter Viertel Dschnah getroffen, dabei seien vier Menschen getötet und 39 weitere verletzt worden, meldete das Gesundheitsministerium am Sonntag. Zuvor waren bei Angriffen im Süden des Landes nach Angaben des Zivilschutzes bereits sieben Menschen getötet worden. Der israelische Armeechef Ejal Samir besuchte derweil Truppen im Südlibanon.

Trump verlängert Ultimatum für den Iran mutmaßlich bis Dienstag

US-Präsident Donald Trump hat sein dem Iran gesetztes Ultimatum zur Öffnung der Straße von Hormus mutmaßlich um einen Tag verlängert. In seinem Onlinedienst Truth Social veröffentlichte Trump am Sonntag den schlichten Hinweis "Dienstag, 20.00 Uhr" (Ortszeit, Mittwoch 2.00 Uhr MESZ). Zuvor hatte Trump Teheran Montag als Frist genannt, bis zu der eine Einigung erzielt werden müsse. Andernfalls drohe eine massive Zerstörungswelle von Kraftwerken und Brücken im Iran.

Wehrdienst-Regel zu Auslandsreisen: Wagenknecht fordert Rücktritt von Pistorius

Mit Blick auf eine Wehrdienst-Regel zu Auslandsreisen hat BSW-Gründerin Sahra Wagenknecht den Rücktritt von Bundesverteidigungsminister Boris Pistorius (SPD) gefordert. "Dass sich Männer Auslandsaufenthalte bei der Bundeswehr genehmigen lassen müssen, erinnert an DDR- und Mauerzeiten, mit Demokratie und freiheitlicher Grundordnung hat das nichts zu tun", sagte Wagenknecht am Sonntag der Nachrichtenagentur AFP. Pistorius "sollte angesichts dieser unsäglichen Gesetzesregelung zurücktreten". Auch aus anderen Parteien wurde Kritik an der Regelung geäußert.

Selenskyj trifft syrischen Übergangspräsidenten al-Scharaa in Damaskus

Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj ist am Sonntag in Damaskus mit dem syrischen Übergangspräsidenten Ahmed al-Scharaa zusammengetroffen. Sie hätten "die Umstände von Russlands Krieg gegen die Ukraine erörtert", schrieb Selenskyj im Onlinedienst X. Es bestünde "großes Interesse an einem Austausch militärischer und sicherheitspolitischer Erfahrungen".

Textgröße ändern: