Deutsche Tageszeitung - Parallel zum Nato-Truppenabzug verschärfen sich die Kämpfe in Afghanistan

Parallel zum Nato-Truppenabzug verschärfen sich die Kämpfe in Afghanistan


Parallel zum Nato-Truppenabzug verschärfen sich die Kämpfe in Afghanistan
Parallel zum Nato-Truppenabzug verschärfen sich die Kämpfe in Afghanistan / Foto: ©

Parallel zum rasch fortschreitenden Abzug der Nato-Truppen aus Afghanistan toben heftige Kämpfe in Afghanistan. Wie das afghanische Verteidigungsministerium am Samstag mitteilte, wurden dabei binnen 24 Stunden mehr als 300 Kämpfer der radikalislamischen Taliban getötet. Die Taliban bestritten dies allerdings. Am Freitag hatte die US-Regierung bekanntgegeben, dass die USA und ihre Verbündeten inzwischen alle Truppen aus dem Haupt-Militärstützpunkt Bagram abgezogen hätten. Der US-Truppenabzug soll bis Ende August komplett abgeschlossen sein.

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Zahlreiche Taliban-Kämpfer wurden den Angaben zufolge bei Luftangriffen getötet, unter anderem bei einem Angriff am Samstagmorgen in der südlichen Provinz Helmand, wo sich Aufständische und Regierungstruppen regelmäßig bekämpfen.

Beobachter hatten befürchtet, dass die afghanischen Streitkräfte ohne die Luftunterstützung der USA in ihrem Kampf gegen die Taliban entscheidend geschwächt werden könnten. "In den vergangenen Tagen hat die afghanische Luftwaffe ihre Luftangriffe gegen die Verstecke der Taliban intensiviert, und die Aufständischen haben Verluste erlitten", sagte Attaullah Afghan, ein Mitglied des Provinzrats von Helmand, der Nachrichtenagentur AFP.

Die Taliban wiesen die Angaben der Regierung zurück. Die Opferzahlen lassen sich von unabhängiger Seite nur schwer überprüfen; beide Seiten geben häufig zu hohe Zahlen an.

Die Gewalt in Afghanistan hat in den vergangenen Wochen stark zugenommen. Die Friedensgespräche zwischen den radikalislamischen Taliban und der afghanischen Regierung kommen nicht voran. Beobachter warnen, dass sich die Sicherheitslage in dem Land nach dem vollständigen Abzug der Nato-Truppen noch verschlechtern könnte.

Zuletzt war den Taliban in mehreren Offensiven die Eroberung dutzender Bezirke gelungen, sie haben beinahe alle größeren Städte des Landes eingekreist. Am Samstag nahmen sie nach eigenen Angaben sieben weitere Bezirke in der nordöstlichen Provinz Badachschan ein.

Der oberste US-Diplomat in Kabul, Ross Wilson, warf den Taliban vor, die Afghanen in Onlinenetzwerken mit "gewalttätiger Propaganda und Hassreden" einzuschüchtern und zu bedrohen. "Gewalt und Terror können keinen Frieden schaffen", schrieb Wilson im Onlinedienst Twitter.

Die USA wollen ihren Truppenabzug aus Afghanistan bis Ende August abschließen, wie das Weiße Haus am Freitag mitteilte. Biden hatte ursprünglich angekündigt, bis spätestens zum 11. September - dem 20. Jahrestag der Terroranschläge in den USA 2001 - alle US-Soldaten aus Afghanistan abzuziehen. Zuletzt gab es aber Spekulationen, der Einsatz könnte deutlich schneller beendet sein.

Genannt wurde gar der 4. Juli, der Unabhängigkeitstag der USA. Auf die Frage, ob der Truppenabzug schon in den kommenden Tagen abgeschlossen werde, antwortete US-Präsident Joe Biden am Freitag aber mit "nein". Seine Sprecherin Jen Psaki sagte später: "Wir erwarten, dass (der Abzug) bis Ende August abgeschlossen wird." Die letzten Bundeswehrsoldaten hatten Afghanistan bereits am Dienstag verlassen.

Vom Haupt-Militärstützpunkt Bagram haben die USA und ihre Nato-Verbündeten ihre Soldaten inzwischen vollständig abgezogen. Die strategisch wichtige Luftwaffenbasis war der Dreh- und Angelpunkt für den US-Einsatz in Afghanistan. Zeitweise waren dort bis zu 30.000 Soldaten stationiert.

Der Truppenabzug aus Bagram verstärkte die Befürchtungen, dass das Land wie bereits nach dem Rückzug der sowjetischen Truppen in den 90er Jahren erneut in einen Bürgerkrieg abrutschen könnte. "Ich sehe, dass sich die Geschichte wiederholt. Die Amerikaner machen das Gleiche, was die Russen gemacht haben. Sie gehen, ohne den Krieg zu beenden", sagte der Kabuler Dawud Hotak.

Biden versuchte am Freitag, die Sorgen zu zerstreuen. Das US-Militär werde eine zusätzliche "Kapazität" vorhalten, um der afghanischen Regierung bei Bedarf beistehen zu können. Medienberichten zufolge wird das Pentagon etwa 600 US-Soldaten in Afghanistan behalten, um das US-Botschaftsgelände in Kabul abzusichern.

(I.Beryonev--DTZ)

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