Deutsche Tageszeitung - Taliban erobern zwei wichtige Grenzübergänge zum Iran und Tadschikistan

Taliban erobern zwei wichtige Grenzübergänge zum Iran und Tadschikistan


Taliban erobern zwei wichtige Grenzübergänge zum Iran und Tadschikistan
Taliban erobern zwei wichtige Grenzübergänge zum Iran und Tadschikistan / Foto: ©

Bei ihrem Vormarsch in Afghanistan haben die radikalislamischen Taliban zwei wichtige Übergänge an den Grenzen zum Iran und zu Tadschikistan erobert. Seit dem Beginn des Abzugs aller Nato-Truppen Ende April haben die Taliban nach eigenen Angaben bereits 85 Prozent des Landes wieder zurückerobert. Laut Russland kontrollieren die Aufständischen inzwischen auch zwei Drittel der afghanisch-tadschikischen Grenze.

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"Die Grenze von Islam Kala ist jetzt unter unserer vollständigen Kontrolle und wir werden versuchen, sie heute wieder in Betrieb zu nehmen", sagte Taliban-Sprecher Sabihullah Mudschahid am Freitag der Nachrichtenagentur AFP. Wenig später erklärte er auch den Übergang Torgundi an der Grenze zu Tadschikistan für "vollständig eingenommen".

Die Regierung in Kabul erklärte, die afghanische Armee bemühe sich derzeit darum, wieder die Kontrolle über Islam Kala und Torgundi zu gewinnen. Afghanische Sicherheitskräfte einschließlich der Grenzpolizei seien in den Regionen präsent, sagte der Sprecher des afghanischen Innenministeriums, Tarek Arian.

Der rund 120 Kilometer von der Stadt Herat entfernte Grenzübergang Islam Kala ist einer der wichtigsten Grenzübergänge Afghanistans. Dort wird der größte Teil des offiziellen Handels mit dem Iran abgewickelt.

Es sind nicht die ersten Grenzübergänge, die sich die Taliban seit Beginn des Rückzugs der Nato-Truppen aus Afghanistan sichern konnten. Im Juni hatten sie bereits den wichtigsten Grenzübergang zu Tadschikistan, Schir Chan Bandar, erobert. Infolge heftiger Kämpfe um Schir Chan Bandar waren hunderte afghanische Soldaten über die Grenze nach Tadschikistan geflohen.

Nach Angaben des russischen Außenministeriums haben die Taliban inzwischen zwei Drittel des Grenzgebiets zwischen Afghanistan und Tadschikistan unter ihre Kontrolle gebracht. "Wir beobachten einen starken Anstieg der Spannungen an der afghanisch-tadschikischen Grenze", sagte Ministeriumssprecherin Maria Sacharowa am Freitag. Die Taliban hätten "schnell weite Teile von an der Grenze gelegenen Bezirken besetzt". Moskau rufe alle Seiten zur Zurückhaltung auf, sagte Sacharowa weiter.

Beobachter befürchten, dass die Taliban nach dem vollständigen Abzug der USA und ihrer Nato-Partner aus Afghanistan wieder die Macht in dem Land übernehmen könnten. Die Islamisten sind in vielen Landesteilen bereits auf dem Vormarsch und stoßen dabei teilweise kaum auf Gegenwehr. An anderen Orten gibt es heftige Kämpfe, wie derzeit um die Provinzhauptstadt Kala-i-Naw im Nordwesten des Landes.

Bereits jetzt kontrollieren die Radikalislamisten mehr als ein Drittel der rund 400 Bezirke in Afghanistan. Die Aufständischen selbst verkündeten am Freitag bei einer Pressekonferenz in Moskau, bereits 85 Prozent des Territoriums wieder zu beherrschen - eine Behauptung, die die nicht unabhängig überprüft werden kann und von der Regierung bestritten wird.

Angesichts der Taliban-Offensive zeigte sich die Weltgesundheitsorganisation tief besorgt über den Zugang zur Gesundheitsversorgung in Afghanistan. Eine Reihe von Mitarbeitern des Gesundheitswesens hätten aufgrund von Sicherheitsbedenken Gesundheitseinrichtungen verlassen, sagte Rick Brennan, der WHO-Notfalldirektor in der östlichen Mittelmeerregion. Das Land sieht sich unter anderem mit einem Anstieg der Corona-Fälle konfrontiert. Bislang seien nur vier Prozent der Erwachsenen geimpft.

Trotz des Vormarsches der Taliban verteidigte US-Präsident Joe Biden am Donnerstag seine Entscheidung für einen raschen Truppenabzug aus Afghanistan. Die USA hätten nach den Terroranschlägen vom 11. September 2001 ihre Ziele im Anti-Terror-Kampf am Hindukusch "erfüllt", sagte er. Biden hat angekündigt, bis spätestens Ende August alle US-Soldaten aus Afghanistan abzuziehen. Die Bundeswehr zog ihre letzten Soldaten bereits Ende Juni aus dem Land ab.

Derweil gab es nach Angaben des türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan Fortschritte bei der Einigung über die Sicherung des Flughafens in Kabul. Der türkische und der US-Außenminister hätten sich am Donnerstag über den "Umfang" der Aufgabe ausgetauscht, erklärte Erdogan. Der Flughafen in der Hauptstadt gilt als strategischer Schlüssel zur Verteidigung Kabuls gegen die Taliban.

(A.Nikiforov--DTZ)

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