Deutsche Tageszeitung - Englands Fußballer werden nach EM-Finale zur Zielscheibe rassistischer Beleidigungen

Englands Fußballer werden nach EM-Finale zur Zielscheibe rassistischer Beleidigungen


Englands Fußballer werden nach EM-Finale zur Zielscheibe rassistischer Beleidigungen
Englands Fußballer werden nach EM-Finale zur Zielscheibe rassistischer Beleidigungen / Foto: ©

Der Schock der EM-Niederlage war noch nicht überwunden, da begannen schon die Beleidigungen: Nach dem verlorenen EM-Finale im Londoner Wembley-Stadion sind die Spieler der englischen Nationalmannschaft Ziel von massiven rassistischen Angriffen im Internet geworden. Premierminister Boris Johnson verurteilte am Montag die "entsetzlichen" rassistischen Beschimpfungen scharf. Die Hetze zielte insbesondere auf die drei jungen Spieler der "Three Lions", deren Nerven im Endspiel gegen Italien versagten und die ihre Elfmeter verschossen.

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Englands Trainer Gareth Southgate nannte die Tiraden "unverzeihlich", Facebook wollte Untersuchungen auf seiner Plattform Instagram einleiten. Manche der Kommentare kamen offenbar auch von ausländischen Trollen und Bots.

England hatte in einem dramatischen Elfmeterschießen am Sonntagabend gegen Italien verloren und den ersten Titel seit 55 Jahren verpasst. Die schwarzen Spieler Marcus Rashford, Jadon Sancho und Bukayo Saka verschossen hintereinander drei Elfmeter und wurden direkt nach Abpfiff in den Online-Netzwerken massiv beschimpft und beleidigt. Unter ihren Konten auf Twitter und Instagram wurden Affen-Emojis gepostet, andere machten das Trio mit rassistischen Beleidigungen für die Niederlage verantwortlich.

"Dieses England-Team verdient es, als Helden gepriesen und nicht in den sozialen Medien rassistisch beschimpft zu werden", schrieb Johnson auf Twitter. "Diejenigen, die für diese entsetzlichen Beschimpfungen verantwortlich sind, sollten sich schämen." Während des Turniers hatte Johnson selbst Kritik einstecken müssen, weil er sich weigerte, Fans zu verurteilen, die die Kampagne der englischen Spieler gegen Rassismus ausgebuht hatten.

Auch die Metropolitan Police twitterte, dass sie auf "eine Reihe von beleidigenden und rassistischen Kommentaren" aufmerksam geworden sei, die sich gegen die Fußballer richteten. "Diese Beschimpfungen sind völlig inakzeptabel, werden nicht toleriert und werden verfolgt", erklärte die Polizei. Einige Kommentare waren mit dem Hashtag #forzaitalia versehen.

"Einiges davon kommt aus dem Ausland, aber einiges davon kommt aus diesem Land", sagte Trainer Southgate vor Reportern. "Wir sind ein Leuchtturm, der die Menschen zusammenbringt, und die Nationalmannschaft steht für alle."

"Wir sind angewidert, dass einige unserer Spiele nach dem Spiel diskriminierenden Beschimpfungen im Internet ausgesetzt waren", twitterte der englische Fußballverband (FA). "Wir stehen zu unseren Spielern." Ähnlich äußerte sich Prinz William, der Präsident des Verbands, der das Finale mit seiner Frau Kate und Sohn George in Wembley verfolgt hatte. "Es ist völlig inakzeptabel, dass die Spieler dieses abscheuliche Verhalten ertragen müssen." Alle Beteiligten sollten zur Rechenschaft gezogen werden, schrieb er auf Twitter.

Englands Spieler haben sich während des Turniers klar gegen Rassismus positioniert und waren vor allen ihren Spielen, einschließlich des Finales am Sonntag, auf die Knie gegangen. Besonders der gescheiterte Elfmeterschütze Rashford gilt als Aushängeschild für soziales Engagement. Der 23-Jährige setzt sich für benachteiligte Kinder in Großbritannien ein.

Facebook erklärte, es habe "gestern Abend schnell Kommentare und Konten entfernt, die Beleidigungen gegen Englands Fußballer richteten". Es werde weiterhin gegen diejenigen vorgegangen, "die unsere Regeln brechen", fügte das Unternehmen hinzu.

(V.Sørensen--DTZ)

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