Deutsche Tageszeitung - Zahl der Toten bei Unruhen in Südafrika auf mehr als 70 gestiegen

Zahl der Toten bei Unruhen in Südafrika auf mehr als 70 gestiegen


Zahl der Toten bei Unruhen in Südafrika auf mehr als 70 gestiegen
Zahl der Toten bei Unruhen in Südafrika auf mehr als 70 gestiegen / Foto: ©

Trotz der Entsendung von Soldaten in zwei Unruheprovinzen hat es in Südafrika am Dienstag erneut gewalttätige Ausschreitungen gegeben. Den fünften Tag in Folge gab es im Großraum Johannesburg sowie in der südostafrikanischen Provinz KwaZulu-Natal Plünderungen. Die Zahl der Toten im Zusammenhang mit den Ausschreitungen, die nach der Inhaftierung von Ex-Präsident Jacob Zuma begonnen hatten, stieg nach Polizeiangaben auf 72.

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Die meisten Todesfälle stünden im Zusammenhang mit Massenpaniken, die während der Plünderung von Geschäften aufgetreten seien, teilte die Polizei mit. In einigen Fällen hätten Leichen aber auch Schusswunden aufgewiesen. Tote gab es demnach auch infolge von Explosionen an Geldautomaten.

Allein zehn Leichen waren nach Polizeiangaben nach einem Gedränge in einem geplünderten Einkaufszentrum im Johannesburger Vorort Soweto in der Provinz Gauteng gefunden worden. Dort hatte es am Montag eine Massenpanik gegeben.

Ausgangspunkt der Proteste war am Freitag Zumas Heimatprovinz KwaZulu-Natal gewesen. Seither breiteten sich die Unruhen aber auch auf andere Teile des Landes aus, insbesondere die Provinz Gauteng mit der Wirtschaftsmetropole Johannesburg. Die Proteste schlugen vielerorts in Gewalt um. Bis Dienstagabend meldete die Polizei 1234 Festnahmen.

Präsident Cyril Ramaphosa hatte am Montagabend in einer Fernsehansprache die Entsendung von Soldaten zur Unterstützung der Polizei in die beiden Provinzen angekündigt. "In den vergangenen Tagen und Nächten hat es Akte der Gewalt von einer Art gegeben, die wir in der Geschichte unserer Demokratie selten erlebt haben", sagte Ramaphosa.

AFP-Reporter berichteten am Dienstag von Patrouillen von Soldaten im Johannesburger Vorort Soweto. Trotzdem hielten dort sowie in Pietermaritzburg, der Hauptstadt der Provinz KwaZulu-Natal, die Plünderungen an.

Fernsehsender zeigten, wie die Plünderer teilweise riesige TV-Sets, Kinderfahrräder, Bürostühle, Windeln und Konserven aus den Geschäften trugen. Bei den ersten Randalierern hatte es sich meist um junge Männer gehandelt, später kamen weitere Anwohner auf der Suche nach Lebensmitteln und Waren, die sie veräußern können, hinzu - darunter sogar Kinder.

In Soweto setzte die Polizei am Dienstag Gummigeschosse gegen die Plünderer ein, bevor Soldaten zur Verstärkung anrückten. In Durban kam es zu dramatischen Szenen, als im Erdgeschoss eines Wohnblocks mit Geschäften ein Feuer ausbrach. Eine verzweifelte Frau warf ihr Baby aus dem 1. Stock in Richtung einiger Passanten, die es auffangen konnten.

Am Montag hatte Ramaphosa vor einer Beeinträchtigung der Corona-Impfkampagne wegen der Ausschreitungen gewarnt. Demnach hatten Plünderer auch in Impfzentren gewütet. Südafrika ist das am schwersten von der Corona-Pandemie betroffene Land auf dem afrikanischen Kontinent. Die Pandemie hat das Land in eine schwere Wirtschaftskrise gestürzt und die Arbeitslosenzahlen nach oben schnellen lassen.

Der langjährige Präsident Zuma war Ende Juni vom Verfassungsgericht wegen Missachtung der Justiz zu einer 15-monatigen Haftstrafe verurteilt worden, die er vergangene Woche antrat. Während viele Südafrikaner die Inhaftierung des Ex-Staatschefs als Erfolg für die Rechtsstaatlichkeit des Landes feierten, gingen Unterstützer Zumas auf die Straße.

Vor allem bei ärmeren Südafrikanern ist der 79-jährige Zuma auch nach zahlreichen Korruptionsaffären immer noch beliebt. Der frühere Kämpfer gegen die Apartheid war 2009 als Hoffnungsträger der Armen an die Macht gekommen. Bei vielen Südafrikanern verspielte er durch seine zahllosen Korruptionsaffären aber jede Glaubwürdigkeit. Anfang 2018 kam der skandalumwitterte Präsident mit seinem Rücktritt einer Absetzung zuvor.

Da Zuma gegen seine Verurteilung zu 15 Monaten Haft nicht in Berufung gehen kann, haben seine Anwälte die Annullierung des Urteils beantragt. Das Verfassungsgericht entschied daraufhin, das Urteil noch einmal zu überprüfen. Wann die Entscheidung des Gerichts fällt, ist unklar.

(S.A.Dudajev--DTZ)

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