Deutsche Tageszeitung - Taliban verkünden Einnahme von wichtigem Grenzposten - Regierung widerspricht

Taliban verkünden Einnahme von wichtigem Grenzposten - Regierung widerspricht


Taliban verkünden Einnahme von wichtigem Grenzposten - Regierung widerspricht
Taliban verkünden Einnahme von wichtigem Grenzposten - Regierung widerspricht / Foto: ©

Bei Kämpfen im Süden Afghanistans haben die radikalislamischen Taliban nach eigenen Angaben einen strategisch wichtigen Grenzübergang nach Pakistan erobert. Taliban-Kämpfer hätten die Grenzstadt Wesch in der südlichen Provinz Kanadahar und den Grenzübergang Spin Boldak eingenommen, erklärte Taliban-Sprecher Sabihullah Mudschahid am Mittwoch. Die afghanische Regierung widersprach. In Deutschland appellierten angesichts der sich verschlechternden Sicherheitslage Politiker mehrerer Parteien an die Bundesregierung, sich für frühere Ortskräfte der Bundeswehr einzusetzen.

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Ein Vertreter der pakistanischen Sicherheitsbehörden, der nicht namentlich genannt werden wollte, bestätigte der Nachrichtenagentur AFP die Eroberung des Grenzübergangs. "Sie haben ihre Flagge gehisst und die afghanische Flagge entfernt", sagte er.

Kurz darauf teilte das Innenministerium in Kabul mit, es habe "einige Bewegungen in der Nähe des Grenzgebietes" gegeben. "Die Sicherheitskräfte haben den Angriff abgewehrt", sagte ein Sprecher.

Anwohner widersprachen der Darstellung der Regierung: "Ich bin heute Morgen zu meinem Laden gegangen und habe überall Taliban gesehen. Sie sind auf dem Markt, im Polizei-Hauptquartier und im Zoll-Bereich", sagte Ras Mohammed, der in der Nähe der Grenze arbeitet.

Für die Taliban ist der Grenzübergang sehr wichtig, weil er eine Verbindung zur pakistanischen Provinz Baluchistan bildet, die den Aufständischen seit Jahrzehnten als Rückzugsgebiet dient. Ein AFP-Reporter auf pakistanischer Seite sah wenige Stunden nach der Nachricht über die Einnahme des Grenzübergangs rund 150 Taliban-Kämpfer auf Motorrädern, die darauf warteten, nach Afghanistan zu gehen.

Angesichts des Vorrückens der Aufständischen appellierten in Berlin parteiübergreifend Menschenrechtspolitiker an Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU), sich persönlich des Schicksals früherer Ortskräfte der Bundeswehr in Afghanistan anzunehmen. Darin heißt es: "Wir stehen fassungslos und beschämt vor der Art und Weise, wie Institutionen der Bundesrepublik Deutschland mit Ortskräften in Afghanistan umgehen, die (...) um ihr Leben fürchten müssen, und die jetzt in vielen Fällen ganz offenbar ihrem Schicksal überlassen werden sollen."

Die Menschenrechtsorganisation Amnesty International forderte die europäischen Staaten auf, keine weiteren Abschiebungen mehr in das Bürgerkriegsland zu vollziehen. "Jahrelang haben europäische Länder versucht zu ignorieren, was klar zu erkennen ist: Afghanistan ist nicht sicher, um Menschen dorthin zurückzubringen", hieß es in dem Appell.

Parallel zu dem rasch fortschreitenden Abzug der US- und anderen Nato-Truppen aus Afghanistan haben die Taliban in den vergangenen Monaten große Teile des Landes erobert. Dabei haben sie fast alle größeren Städte umzingelt. Zuletzt hatten die Taliban angegeben, inzwischen 85 Prozent des Landes zu kontrollieren. Diese Darstellung kann allerdings nicht unabhängig überprüft werden und wird von der Regierung in Kabul bestritten.

Laut afghanischen Regierungskreisen konzentriert sich die Armee des Landes jedoch mittlerweile darauf, die größeren Städte, wichtige Straßen sowie Grenzposten gegen den Vormarsch der Islamisten abzusichern.

Der frühere US-Präsident George W. Bush bezeichnete den Truppenabzug in einem Interview mit der Deutschen Welle als "Fehler". "Afghanische Frauen und Mädchen werden unsägliches Leid erleiden", warnte Bush, der den Einsatz der USA in Afghanistan nach den Anschlägen vom 11. September 2001 selbst angeordnet hatte. Nun würden Zivilisten einfach zurückgelassen, um "abgeschlachtet" zu werden.

Bush und seinen Sicherheitsberatern wurde später vorgeworfen, durch eine Reihe von Fehleinschätzungen das Wiedererstarken der Taliban begünstigt zu haben.

(U.Stolizkaya--DTZ)

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