Deutsche Tageszeitung - Australien verhindert Einstufung des Great Barrier Reef als gefährdetes Welterbe

Australien verhindert Einstufung des Great Barrier Reef als gefährdetes Welterbe


Australien verhindert Einstufung des Great Barrier Reef als gefährdetes Welterbe
Australien verhindert Einstufung des Great Barrier Reef als gefährdetes Welterbe / Foto: ©

Trotz des besorgniserregenden Zustands des größten Korallenriffs der Erde hat Australien eine Einstufung des Great Barrier Reef als gefährdetes Unesco-Weltnaturerbe verhindert. Das Welterbekomitee stimmte am Freitag bei einem virtuellen Treffen unter Vorsitz Chinas dafür, die Entscheidung über den Status des Riffs zu vertagen. Zuvor hatte sich Canberra in intensiver Lobbyarbeit dafür eingesetzt, dass das einzigartige Ökosystem, das vom Klimawandel bedroht ist, nicht als "gefährdet" gelistet wird.

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Wegen des dramatischen Korallensterbens am Great Barrier Reef hatte die UN-Kulturorganisation im Juni die Herabstufung des Weltnaturerbestatus empfohlen. "Ich möchte den geschätzten Delegierten aufrichtig dafür danken, dass sie Australiens Engagement für den Schutz des Great Barrier Reef anerkannt haben", erklärte Australiens Umweltministerin Sussan Ley in einer an das Gremium gerichteten Stellungnahme.

Im Zuge seiner Lobbyarbeit hatte Australien unter anderem Botschafter aus aller Welt zum Schnorcheln am Riff eingeladen. Sie sollten mit eigenen Augen sehen, "wie schön und vielfältig" Australiens berühmtes Korallenriff sei, sagte Canberras Riff-Beauftragter Warren Entsch zu der Aktion. Die Unesco-Entscheidung war bereits 2015 vertagt worden, als Australien erfolgreich eine ähnliche Kampagne führte und Milliarden Dollar für den Riffschutz bereitstellte.

Offenbar zogen auch diesmal die Lobbybemühungen der Australier. Die Mitglieder des Welterbekomitees - darunter China, Russland und Saudi-Arabien - waren sich einig, dass Australien mehr Zeit bekommen sollte, um über sein Engagement zum Schutz der Riffe zu berichten.

Die Delegierten baten die Unesco auch, eine Überwachungsmission zu entsenden, um das Riff selbst zu inspizieren. Canberrra hatte beklagt, dass sich die Behörde zu sehr auf bestehende Berichte verlasse und daraufhin Empfehlungen abgebe.

Eine Einstufung als gefährdetes Welterbe der Unesco gilt nicht als Sanktion. Nach Angaben der UN-Unterorganisation lassen manche Länder ihre Welterbestätten sogar absichtlich auf die Liste des gefährdeten Erbes setzen, um internationale Hilfe anzuwerben. Andere Länder sehen die Einstufung dagegen als ehrverletzend.

Die Unesco hatte das 2300 Kilometer lange Korallenriff 1981 zum Weltnaturerbe erklärt. Das aus 2500 einzelnen Riffen bestehende Gebiet beherbergt eine einzigartige Tier- und Pflanzenwelt. Der Klimawandel und die damit einhergehende Erwärmung der Meere führen aber zu einem Absterben der Korallen.

In seinem Juni-Bericht hatte das Welterbekomitee sich "zutiefst besorgt" über den Zustand des Great Barrier Reef gezeigt. Die langfristigen Aussichten des Ökosystems im Riff hätten sich "von schlecht zu sehr schlecht" entwickelt. Es wird angenommen, dass zwei Drittel des Riffs in irgendeiner Weise beschädigt sind.

Umweltschützer sehen in der Bedrohung des Great Barrier Reef ein Zeichen dafür, dass Australiens Regierung nichts dafür tut, seine CO2-Emissionen einzudämmen. Australien als einer der weltweit größten Exporteure von Kohle und Erdgas hat sich nicht das Ziel gesetzt, bis 2050 Kohlenstoffneutralität zu erreichen. Der konservative Premierminister Scott Morrison sagte lediglich, das Land hoffe, dies "so bald wie möglich" zu erreichen, ohne Arbeitsplätze oder Unternehmen zu gefährden.

(U.Stolizkaya--DTZ)

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