Deutsche Tageszeitung - Taliban erobern sechste Provinzhauptstadt binnen vier Tagen in Afghanistan

Taliban erobern sechste Provinzhauptstadt binnen vier Tagen in Afghanistan


Taliban erobern sechste Provinzhauptstadt binnen vier Tagen in Afghanistan
Taliban erobern sechste Provinzhauptstadt binnen vier Tagen in Afghanistan / Foto: ©

Die radikalislamischen Taliban haben am Montag die sechste afghanische Provinzhauptstadt binnen weniger Tage erobert. Die Miliz habe nunmehr die "volle Kontrolle" über Aibak in der nordafghanischen Provinz Samangan, sagte Vize-Gouverneur Sefatullah Samangani der Nachrichtenagentur AFP. Die Islamisten rückten laut einem Taliban-Sprecher zudem auf Masar-i-Scharif vor, den langjährigen Stützpunkt der Bundeswehr und der größten Stadt im Norden Afghanistans.

Textgröße ändern:

Seit Freitag haben die Taliban insgesamt sechs Provinzhauptstädte erobert. Ihr größter militärischer Erfolg war am Sonntag die Einnahme der strategisch wichtigen Stadt Kundus, die ebenfalls lange Zeit Bundeswehrstandort war. Seit dem Beginn des Abzugs der internationalen Truppen im Mai hat die Miliz bereits weite Teile des Landes eingenommen.

Am Montag zogen sie auch kampflos in die Stadt Aibak ein. Die Stammesältesten hätten die Behörden nach den wochenlangen Gefechten in den Randbezirken der Stadt gebeten, weitere Gewalt zu verhindern, erklärte Vize-Gouverneur Samangani. "Der Gouverneur hat das akzeptiert und alle Truppen aus der Stadt abgezogen." Ein Taliban-Sprecher bestätigte die Einnahme der Stadt.

Sollten die Taliban auch die wirtschaftlich bedeutsame Stadt Masar-i-Scharif, Hauptstadt der Provinz Balch, einnehmen, wäre dies ein harter Schlag für die Regierung. Damit würde Kabul die Kontrolle über den Norden des Landes endgültig verlieren.

In Masar-i-Scharif befand sich während des internationalen Kampfeinsatzes in Afghanistan das größte Feldlager der Bundeswehr. Erst Ende Juni waren die letzten Bundeswehrsoldaten von dort nach Deutschland zurückgekehrt.

Ein Taliban-Sprecher erklärte, die Kämpfer seien bereits in die Stadt eingedrungen. Behördenvertreter und Bewohner bestritten dies jedoch. Demnach begrenzten sich die Gefechte auf die umliegenden Bezirke. "Der Feind versucht, durch seine Propaganda die öffentliche Meinung zu verfälschen und die Zivilbevölkerung in Angst zu versetzen", erklärte die Provinzpolizei von Balch.

Der Ex-Gouverneur von Balch, Atta Mohammed Noor, der großen Einfluss im Norden hat, kündigte Widerstand "bis zum letzten Tropfen Blut" an. "Ich ziehe es vor, in Würde zu sterben, als in Verzweiflung zu sterben", schrieb er auf Twitter.

Auch im Süden des Landes lieferten sich die Taliban heftige Kämpfe mit dem afghanischen Militär. Seit Wochen versucht die Miliz dort, Kandahar und Laschkar Gah einzunehmen. "Wir räumen Häuser, Straßen und Gebäude, die von den Taliban besetzt sind", sagte General Sami Sadat von der afghanischen Armee, der mit seinem Korps in Laschkar Gah kämpft.

Hunderte Taliban-Kämpfer wurden nach Angaben des Verteidigungsministeriums in den vergangenen 24 Stunden getötet oder verletzt. Allerdings übertreiben beide Seiten die kaum überprüfbaren Opferzahlen für gewöhnlich.

(U.Stolizkaya--DTZ)

Empfohlen

Erste Debatte französischer Präsidentschaftskandidaten

Sieben französische Präsidentschaftskandidatinnen und -kandidaten treffen am Donnerstag (16.45 Uhr) zu einer ersten Debatte zusammen. Knapp acht Monate vor der Wahl steht das komplette Kandidatenfeld zwar noch nicht fest. Doch jene Bewerberinnen und Bewerber, die sich bereits erklärt haben, debattieren im Rahmen einer Veranstaltung des französischen Unternehmerverbands miteinander.

Koalitionsfraktionen stecken bei Klausur weiteren Reformkurs ab

Nach der Klausurtagung der Bundesregierung kommen ab Donnerstag auch die Regierungsfraktionen im Bundestag zu Beratungen zusammen. Bei der zweitägigen Klausursitzung in Münster (ab 12.30 Uhr) wollen die geschäftsführenden Vorstände von Unionsfraktion und SPD-Fraktion über die Umsetzung der Reformvorhaben sprechen - etwa über die Reformen der Renten- und Pflegeversicherung -, und weitere Vorhaben der kommenden Monate auf den Weg bringen. Das Treffen soll auch der Stärkung des koalitionsinternen Zusammenhalts dienen.

Chef des Dachverbandes der DDR-Opfer kritisiert Linken-Forderung nach Enteignung

Der Vorsitzende des Dachverbands der DDR-Opfer, Dieter Dombrowski, hat die Forderung der Berliner Linken nach Enteignung von Wohnungskonzernen auch wegen der Erfahrungen in der DDR kritisiert. "Was Verstaatlichung für Folgen hat, konnte man vor 1989 in ganz Osteuropa und der DDR sehen", sagte Dombrowski dem Redaktionsnetzwerk Deutschland (Donnerstagsausgaben). "Wohnungen gab es damals keine. Und wenn es welche gab, dann waren sie in einem jämmerlichen Zustand - mit Ausnahme der Neubauten."

"Ich labere nicht": Schulze und Siegmund liefern sich in Sachsen-Anhalt Rededuell

Rund anderthalb Wochen vor der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt haben sich die Spitzenkandidaten von AfD und CDU ein teils heftiges Rededuell geliefert. Ministerpräsident und CDU-Spitzenkandidat Sven Schulze und sein AfD-Herausforderer Ulrich Siegmund warfen sich am Mittwochabend in der MDR-Sendung "Fakt ist!" aus Magdeburg gegenseitig politisches Versagen vor. Die AfD habe "kein Konzept für die Zukunft von Sachsen-Anhalt", etwa für die Schaffung von Arbeitsplätzen, sagte Schulze.

Textgröße ändern: