Deutsche Tageszeitung - Britische Botschaft in Kabul lässt sensible Dokumente von Ortskräften zurück

Britische Botschaft in Kabul lässt sensible Dokumente von Ortskräften zurück


Britische Botschaft in Kabul lässt sensible Dokumente von Ortskräften zurück
Britische Botschaft in Kabul lässt sensible Dokumente von Ortskräften zurück / Foto: ©

Bei der überstürzten Evakuierung des britischen Botschaftsgeländes in Kabul sollen Diplomaten einem Medienbericht zufolge die Kontaktdaten afghanischer Ortskräfte zurückgelassen haben. Die Zeitung "Times" berichtete am Freitag in einer Titelgeschichte des langjährigen Kriegsberichterstatters Anthony Loyd, dass er bei einem Rundgang durch das nun von Taliban-Kämpfern bewachte Gelände nicht geschredderte Dokumente mit den Kontaktdaten afghanischer Mitarbeiter und Stellenbewerber fand.

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Die "Times" rief die Nummern an und stellte fest, dass einige Mitarbeiter noch in Afghanistan waren und versuchten zu fliehen. Die Zeitung leitete die Kontakte nach eigenen Angaben an das britische Außenministerium weiter, damit die Menschen noch in Sicherheit gebracht werden können.

Die Papiere legten laut "Times" nahe, dass "Mitarbeiter der britischen Botschaft in der Eile, ihr eigenes Leben zu retten, unvorsichtig mit dem Leben afghanischer Mitarbeiter umgegangen sind". Reporter hätten die Kontaktdaten an hochrangige Beamte des Außenministeriums auf dem Flughafen von Kabul übergeben.

Daraufhin seien drei in den Dokumenten genannte afghanische Mitarbeiter und ihre Familien ausgeflogen worden. Der Zeitung zufolge ist das Schicksal von mindestens zwei Menschen, die sich um eine Stelle als Dolmetscher beworben hatten, unbekannt.

In einer Erklärung des Außenministeriums hieß es, dass während der Evakuierung der Botschaft "alle Anstrengungen unternommen wurden, um sensibles Material zu vernichten". Der britische Botschafter in Kabul, Laurie Bristow, war zuvor dafür gelobt worden, dass er im Land geblieben war und am Flughafen von Kabul ein Büro mit Botschaftsmitarbeitern eingerichtet hatte, um die Evakuierungsmaßnahmen zu unterstützen.

Er habe erst durch den Artikel der "Times" von dem Vorfall erfahren, sagte der britische Verteidigungsminister Ben Wallace dem Radiosender LBC. "Ich denke, der Premierminister wird einige Fragen stellen."

Großbritannien hatte am Freitagmorgen das Ende der Evakuierungsflüge aus Kabul innerhalb weniger Stunden angekündigt. Die Regierung räumte ein, dass etwa 800 bis 1100 ausreiseberechtigte Afghanen nicht aus dem Land gebracht werden konnten.

(W.Novokshonov--DTZ)

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