Deutsche Tageszeitung - Flüchtiger Ex-Geheimdienstchef Venezuelas in Spanien festgenommen

Flüchtiger Ex-Geheimdienstchef Venezuelas in Spanien festgenommen


Flüchtiger Ex-Geheimdienstchef Venezuelas in Spanien festgenommen
Flüchtiger Ex-Geheimdienstchef Venezuelas in Spanien festgenommen / Foto: ©

Mit falschen Schnurrbärten, Perücken und Schönheitsoperationen führte er die Polizei an der Nase herum: Der vor knapp zwei Jahren untergetauchte ehemalige Chef des venezolanischen Militärgeheimdienstes, Hugo Carvajal, ist in Spanien festgenommen worden. Die Polizei veröffentlichte am Donnerstagabend Aufnahmen von der Festnahme des 61-Jährigen in Madrid. Der Venezolaner, allgemein bekannt unter dem Spitznamen "El Pollo" (Das Huhn), habe "völlig abgeschottet" gelebt und sein Versteck kaum verlassen, erklärten die Beamten.

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Carvajal war vor knapp zwei Jahren verschwunden, nachdem ein spanisches Gericht seiner Auslieferung an die USA zugestimmt hatte. Der Ex-Geheimdienstchef des verstorbenen Präsidenten von Venezuela, Hugo Chávez, soll in den USA wegen Drogenhandels vor Gericht gestellt werden. Die Auslieferung an die USA dürfte "nicht lange dauern", wie ein Gerichtssprecher sagte.

Um sich zu tarnen, habe Carvajal sich "mehreren kosmetischen Operationen unterzogen, um sein Aussehen zu verändern", teilte die Polizei mit. Er habe mehrfach Schnurrbärte, Masken und Perücken getragen und Bilder für gefälschte Pässe anfertigen lassen. Carvajal hielt sich eigenen Angaben zufolge ständig in einem Haus in Spanien auf, nur nachts habe er sich "verkleidet" auf die Terrasse gewagt.

Der frühere Geheimdienstchef war in Venezuela abgesetzt worden, nachdem er seine Unterstützung für den Oppositionsführer und selbsternannten Übergangspräsidenten Juan Guaidó erklärt und sich so gegen den linksgerichteten Staatschef Nicolás Maduro gestellt hatte. Er floh per Boot aus seinem Heimatland in die Dominikanische Republik und reiste dann nach Spanien weiter, wo er festgenommen wurde. Bei seiner Festnahme wurde zudem ein Messer beschlagnahmt.

Eine Kammer des Nationalen Gerichtshofs wies das Auslieferungsersuchen der USA zunächst ab und ordnete Carvajals Freilassung an. Zur Begründung führten die Richter damals an, dass es Ungenauigkeiten in dem US-Antrag und auch eine "politische Motivation" für das Auslieferungsersuchen gebe. Nach der Anfechtung dieses Urteils durch die Staatsanwaltschaft revidierte der Nationale Gerichtshof dann jedoch die Entscheidung.

Die Staatsanwaltschaft New York hatte Carvajal bereits 2011 wegen Drogenhandels angeklagt. Dabei ging es um den Schmuggel von Kokain in die USA, darunter eine Ladung von 5,6 Tonnen im Jahr 2006. Carvajal soll auch mit der kolumbianischen Rebellengruppe Farc zusammengearbeitet haben, die inzwischen zur politischen Partei umgewandelt wurde.

Bei einer Verurteilung droht Carvajal unter Umständen lebenslange Haft. Der Ex-Geheimdienstchef bestreitet jegliche Verbindungen zum Drogenhandel.

(W.Novokshonov--DTZ)

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