Deutsche Tageszeitung - Kontroverse um westliche Militäreinsätze am Jahrestag der Anschläge vom 11. September

Kontroverse um westliche Militäreinsätze am Jahrestag der Anschläge vom 11. September


Kontroverse um westliche Militäreinsätze am Jahrestag der Anschläge vom 11. September
Kontroverse um westliche Militäreinsätze am Jahrestag der Anschläge vom 11. September / Foto: ©

Zum 20. Jahrestag der Anschläge vom 11. September in den USA hat Nato-Generalsekretär Jens Stoltenberg angesichts der "dramatischen Entwicklungen" in Afghanistan eine Untersuchung zu dem internationalen Militäreinsatz in dem Land angekündigt. Dennoch seien Auslandseinsätze zwar "grundsätzlich das letzte Mittel, manchmal aber doch die einzig vernünftige Antwort", schrieb Stoltenberg in der "Welt am Sonntag". Derweil berichtete die "New York Times", die US-Armee habe Ende August bei einem Drohnenangriff in Kabul nicht wie behauptet die IS-Miliz getroffen, sondern einen zivilen NGO-Mitarbeiter.

Textgröße ändern:

"Afghanistan wird nicht die letzte Krise sein, in der Nordamerika und Europa gemeinsam, mithilfe der Nato, handeln müssen", schrieb Stoltenberg. "Es wird immer jemanden geben, der uns schaden will."

Der Kampfeinsatz in Afghanistan sei "ein langer und schwieriger Einsatz gewesen, der mit vielen Opfern und hohen Kosten verbunden war", schrieb Stoltenberg. Zugleich sei es gelungen, das Terrornetzwerk Al-Kaida, das die Anschläge am 11. September 2001 in den USA mit fast 3000 Toten verübt hatte, "erheblich zu schwächen und zu verhindern, dass Afghanistan als Ausgangsbasis für Terroristen dient, die uns dann angreifen".

Die rasche Rückeroberung Afghanistans durch die radikalislamischen Taliban, die Al-Kaida in dem Land Unterschlupf gewährt hatten, nannte Stoltenberg "tragisch für die Afghanen und erschütternd für alle, die sie unterstützen". Es stellten sich "viele schwierige Fragen bezüglich unseres Engagements". Innerhalb der Nato sei deshalb "eine umfassende Untersuchung" eingeleitet worden, aus deren Ergebnis Lehren gezogen werden müssten.

Der Vorsitzende der Münchner Sicherheitskonferenz, Wolfgang Ischinger, warnte vor der Schlussfolgerung, jedes militärische Engagement sei von vornherein zum Scheitern verurteilt. Künftig sei eine "gewisse Bescheidenheit" angebracht und die Ziele solcher Einsätze müssten kompatibel sein mit den Ressourcen und dem Zeitaufwand, den man aufzubringen bereit sei, sagte Ischinger dem Sender Phoenix.

Das Scheitern der 20 Jahre dauernden internationalen Militärmission in Afghanistan hatte zuletzt zu Rufen nach einer Überprüfung der Auslandseinsätze der Bundeswehr geführt. Die Wehrbeauftragte des deutschen Bundestags, Eva Högl (SPD), fordert als Konsequenz, die Ziele laufender Auslandseinsätze wie dem in Mali zu hinterfragen. Kurz vor der Machtübernahme der Taliban Anfang August hatte Verteidigungsministerin Annegret Kramp-Karrenbauer (CDU) bereits gefordert, Lehren für künftige Auslandseinsätze der Bundeswehr zu ziehen.

Deutliche Kritik an dem Ende Abzug aus Afghanistan übte derweil der ehemalige Chef des US-Geheimdienstes NSA, Michael Hayden. "Ich wäre geblieben", sagte Hayden dem ZDF. Er hätte US-Präsident Joe Biden von dem Abzug abgeraten. "Ich hätte dem Präsidenten gesagt: (...) Verschieben Sie den Abzug um ein, zwei Jahre." Er mache sich jedoch etwa mit Blick auf die Erstürmung des US-Kapitols im Januar unter anderem durch Rechtsextremisten weniger Sorgen um Al-Kaida oder China, sondern "um das, was in Amerika geschieht", betonte Hayden, der lange auch CIA-Chef war.

Derweil berichtete die "New York Times", die US-Armee habe Ende August bei einem Drohnenangriff in Kabul nicht wie behauptet ein mit Sprengstoff beladenes Fahrzeug der islamistischen IS-Miliz getroffen, sondern einen mit Wasserkanistern gefüllten Wagen einer Nichtregierungsorganisation (NGO).

Einen Tag nach dem Angriff in der afghanischen Hauptstadt hatte Aimal Ahmadi der Nachrichtenagentur AFP bereits berichtet, dass sein Bruder kein Attentäter, sondern ein NGO-Mitarbeiter gewesen sei und bei dem Angriff insgesamt zehn Zivilisten getötet worden seien, darunter sechs Kinder.

Pentagon-Sprecher John Kirby sagte der Zeitung auf Anfrage, die Ermittlungen würden fortgesetzt. "Wir glauben weiterhin, dass damit eine unmittelbare Bedrohung des Flughafens (von Kabul) verhindert wurde", sagte Kirby. Die US-Armee hatte den Tod von drei Zivilisten eingeräumt.

(V.Sørensen--DTZ)

Empfohlen

"Spektakuläre Kulisse": Fahrer bereiten sich auf Autorennen in Washington vor

Rennwagen mit dröhnenden Motoren mitten in Washington: Vor einem Autorennen zum Abschluss der Feierlichkeiten zum 250. Jahrestag der Unabhängigkeit der Vereinigten Staaten haben die Fahrer sich auf den ungewöhnlichen Wettkampf eingestimmt. Am Samstag (Ortszeit) nahmen sie an Trainingsrunden und Qualifizierungsfahrten teil - vorbei an Sehenswürdigkeiten wie dem Kapitol und den Smithsonian-Museen im Zentrum der US-Hauptstadt.

250 Jahre USA: Trump dreht Ehrenrunde bei Autorennen in Washington

US-Präsident Donald Trump gibt am Sonntag den Startschuss zu einem Autorennen in Washington im Zuge der Feierlichkeiten zum 250. Jahrestag der Unabhängigkeit der USA. Trump wird den Organisatoren zufolge beim "Freedom 250 Grand Prix" in seiner "The Beast" genannten gepanzerten Limousine eine Ehrenrunde drehen. Anschließend soll er die grüne Flagge schwenken, um das Rennen starten zu lassen. Das Autorennen bildet den Abschluss der 250-Jahr-Feierlichkeiten.

Merz dankt Einsatzkräften nach Brand in Hürtgenwald - Kanzler-Auftritt von Pfiffen begeleitet

Rund eine Woche nach dem schweren Waldbrand bei Hürtgenwald hat sich Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) am Samstag mit einem Besuch bei den Einsatzkräften in der nordrhein-westfälischen Gemeinde aus dem Sommerurlaub zurückgemeldet. Die kurze Dankesrede des Kanzlers vor den Helfern wurde von einem Pfeifkonzert überschattet. Dass Merz seit Beginn seines Urlaubs in der ersten August-Woche trotz Entwicklungen wie folgenschwerer Dürre und heftiger Waldbrände bislang nicht öffentlich aufgetreten war, hatte zuvor Kritik ausgelöst.

Palästinensergebiete: Frühere Diplomaten fordern Paris und London zum Handeln auf

Dutzende frühere französische und britische Diplomaten haben ihre Regierungen dazu aufgerufen, in den Palästinensergebieten das Völkerrecht zu verteidigen. Das Engagement Frankreichs und Großbritanniens sei angesichts der historischen Rolle der beiden Länder im Nahen Osten und ihres Status als ständige Mitglieder im UN-Sicherheitsrat unverzichtbar, erklärten die 102 Unterzeichner eines am Samstag in der französischen Zeitung "Le Monde" veröffentlichten offenen Briefs.

Textgröße ändern: