Deutsche Tageszeitung - Mehrere Anschläge erschüttern östliche afghanische Stadt Dschalalabad

Mehrere Anschläge erschüttern östliche afghanische Stadt Dschalalabad


Mehrere Anschläge erschüttern östliche afghanische Stadt Dschalalabad
Mehrere Anschläge erschüttern östliche afghanische Stadt Dschalalabad / Foto: ©

Die afghanische Stadt Dschalalabad ist am Wochenende von mehreren Anschlägen erschüttert worden. Am Samstag starben bei drei Explosionen mindestens zwei Menschen. Es handelte sich um die ersten tödlichen Anschläge seit dem Abzug der US-Truppen Ende August. Einen Tag später wurden bei einem Bombenanschlag auf ein Fahrzeug mit Taliban-Kämpfern mehrere Menschen verletzt. Die Taliban-Regierung schloss derweil Mädchen vom Unterricht an weiterführenden Schulen aus.

Textgröße ändern:

Mindestens eine der Attacken am Samstag zielte auf einen Wagen der Islamisten. "Bei einem Angriff wurde ein Taliban-Fahrzeug attackiert, das in Dschalalabad patrouillierte", sagte ein Taliban-Vertreter der Nachrichtenagentur AFP. Frauen und Kinder seien unter den 19 Verletzten.

Ziel des Angriffs vom Sonntag war ebenfalls ein Fahrzeug der Taliban. Verletzte Taliban-Kämpfer seien in Krankenhäuser gebracht worden, berichteten örtliche Medien. Nach Angaben eines Reporters ereignete sich der Anschlag in der Nähe eines Verkehrsknotenpunkts in der östlichen Stadt nahe der Grenze zu Pakistan.

Die Anschläge lenken den Blick auf die Gefahr durch die IS-Miliz, die das Sicherheitsversprechen der Taliban durchkreuzen. Die Stadt Dschalalabad im Osten des Landes ist die Hauptstadt der Provinz Nangarhar, wo sich der afghanische Ableger der Dschihadistenmiliz Islamischer Staat (IS) formiert hat. Die Taliban und der IS bekämpfen sich, obwohl es sich bei beiden Gruppen um radikale sunnitische Milizen handelt. Der Ableger Islamischer Staat Provinz Chorasan (IS-K) tötete Ende August während der westlichen Evakuierungsflüge bei einem Anschlag am Flughafen von Kabul über hundert Menschen, darunter 13 US-Soldaten.

Unterdessen durften in Afghanistan "alle männlichen Lehrer und Schüler" ab Samstag wieder den Unterricht an weiterführenden Schulen besuchen, wie die Taliban-Regierung verkündete. Lehrerinnen und Schülerinnen erwähnten die Islamisten nicht, sie wurden vorerst vom Unterricht ausgeschlossen.

Sekundarschulen in Afghanistan, deren Schüler in der Regel zwischen 13 und 18 Jahre alt sind, sind häufig nach Geschlechtern getrennt. Nach der Machtübernahme der Taliban blieben sie zunächst zu. Die Grundschulen haben bereits wieder geöffnet.

Die UN-Bildungs- und Kulturorganisation Unesco forderte die Wiederöffnung aller weiterführenden Schulen für Mädchen. Andernfalls drohten "nicht wieder gutzumachende Folgen" für die Hälfte der Bevölkerung. Sollten die Mädchen weiter ausgeschlossen werden, bedeute dies für die weibliche Bevölkerung "eine bedeutende Verletzung des Grundrechts auf Bildung".

Taliban-Sprecher Sabihullah Mudschahid machte angebliche Sicherheitsbedenken dafür verantwortlich, dass Mädchen noch nicht wieder auf weiterführende Schulen gehen könnten. "Wir sind nicht gegen Schulbildung für Mädchen, aber wir arbeiten noch an den Mechanismen, wie der Schulbesuch möglich sein kann", sagte Mudschahid im Interview mit dem "Spiegel". Sicherer Transport und eine sichere Umgebung müssten garantiert sein. Das sei unter der vorigen Regierung nicht gegeben gewesen.

Rechtsgelehrte sollten ein umfassendes Gutachten zu der Frage einer sicheren Umgebung für Frauen und Mädchen bei Bildung und Berufstätigkeit erstellen, erklärte Mudschahid. Völlig offen ist jedoch, wann ein solches Gutachten vorliegen soll. Laut dem Sprecher gibt es bislang noch nicht einmal das Gremium, das es erarbeiten soll.

Während der ersten Taliban-Herrschaft zwischen 1996 und 2001 waren Frauen in Afghanistan weitgehend aus dem öffentlichen Leben verbannt. Sie durften das Haus nur in Begleitung männlicher Angehöriger verlassen. War eine Frau allein unterwegs, drohten ihr Peitschenhiebe.

Die neue Taliban-Führung hat eine weniger strikte Auslegung des islamischen Rechts zugesagt und angekündigt, die Rechte von Frauen zu achten. Allerdings wurden Frauen seit der Machtübernahme angewiesen, zu ihrer eigenen Sicherheit zu Hause zu bleiben und nicht zur Arbeit zu kommen, bis eine Geschlechtertrennung umgesetzt werden kann.

(U.Beriyev--DTZ)

Empfohlen

Scheidende Trump-Sprecherin Leavitt schließt sich Maga-Organisation an

US-Präsidentensprecherin Karoline Leavitt will sich nach ihrem angekündigten Ausscheiden aus dem Amt einer politischen Unterstützerorganisation für Donald Trump anschließen. Die 28-Jährige kündigte am Freitag an, dass sie zu der Organisation Maga Inc. zurückkehren werde. Dabei handelt es sich um einen sogenannten Super-PAC - eine Art politisches Aktions- und Spendenkomitee, das sich für Trump einsetzt.

Wadephul schließt neue Sanktionen gegen Israel nicht aus

Angesichts umstrittener Ankündigungen und Äußerungen der israelischen Regierung hat Bundesaußenminister Johann Wadephul (CDU) für entschiedene Maßnahmen plädiert. Neue Sanktionen gegen Israel seien dabei kein Tabu, sagte er der Neuen Berliner Redaktionsgesellschaft (Samstagsausgaben).

Oberstes Gericht in den USA erlaubt vorerst Weiterbau von Trumps Ballsaal

Der Oberste Gerichtshof der USA hat Präsident Donald Trump erlaubt, den Bau seines umstrittenen Ballsaals im Weißen Haus vorerst fortzusetzen. Der Vorsitzende Richter John Roberts hob am Freitag vorübergehend das Urteil einer Vorinstanz auf, in dem ein Baustopp verfügt worden war. Trump zeigte sich "dankbar" für die Entscheidung des Obersten Gerichts und lobte den geplanten Komplex aus Ballsaal und Militärbunker als "großartigsten seiner Art".

Mindestens 18 Tote und Dutzende Verletzte bei russischen Angriffen in der Ukraine

Bei russischen Angriffen im Zentrum und Süden der Ukraine sind am Freitag mindestens 18 Menschen getötet und Dutzende weitere verletzt worden. Allein bei einem doppelten Drohnenangriff auf ein Einkaufszentrum in der Stadt Krywyj Rih am hellichten Tage wurden nach Angaben der Regionalverwaltung mindestens 14 Menschen getötet und 120 weitere verletzt. Bei einem Angriff in der südlichen Region Mykolajiw starben vier Menschen, darunter drei Kinder.

Textgröße ändern: