Deutsche Tageszeitung - Kommunalwahl in Georgien am Tag nach Festnahme von Ex-Präsident Saakaschwili

Kommunalwahl in Georgien am Tag nach Festnahme von Ex-Präsident Saakaschwili


Kommunalwahl in Georgien am Tag nach Festnahme von Ex-Präsident Saakaschwili
Kommunalwahl in Georgien am Tag nach Festnahme von Ex-Präsident Saakaschwili / Foto: ©

Einen Tag nach der Festnahme des früheren Präsidenten Michail Saakaschwili sind in Georgien am Samstag wichtige Kommunalwahlen abgehalten worden. Bei dem Urnengang drehte sich alles um das Abschneiden der Regierungspartei Georgischer Traum und der von Saakaschwili gegründeten oppositionellen Vereinigten Nationalen Bewegung (UNM). Saakaschwili twitterte aus dem Gefängnis eine Aufforderung "an alle, wählen zu gehen, damit nicht eine Stimme verloren geht".

Textgröße ändern:

"Meine Freiheit, noch wichtiger aber die Freiheit Georgiens, hängt vollständig von Ihren Handlungen und von Ihren Fähigkeiten zum Kampf ab", hieß es in der Twitter-Botschaft Saakaschwilis an seine Landsleute. Er hatte schon zuvor zu einer Kundgebung am Sonntag im Zentrum der Hauptstadt Tiflis aufgerufen.

Der 53-jährige war von 2004 bis 2013 Präsident, danach ging er ins Exil. Er lebte unter anderem in der Ukraine, wo er sich ebenfalls in der Politik engagierte. Kurz vor der Kommunalwahl in Georgien kehrte er überraschend in das Land zurück, in dem er 2018 in Abwesenheit zu sechs Jahren Haft wegen Amtsmissbrauchs verurteilt worden war. Die Regierung in Tiflis hatte ihn gewarnt, dass er bei einer Rückkehr sofort festgenommen würde. Saakaschwili sei nach seiner Festnahme am Freitag in einen Hungerstreik getreten, sagte die Menschenrechtskommissarin des Landes, Nina Lomdscharia, nach einem Besuch im Gefängnis.

Georgien steckt seit langem in einer politischen Krise. Die Opposition klagte über Betrug bei der Parlamentswahl vor rund einem Jahr, die von der Regierungspartei knapp gewonnen wurde. Der Georgische Traum war 2012 vom reichsten Mann des Landes, Bidsina Iwanischwili, gegründet worden. Gegen das Parteienbündnis wird der Vorwurf erhoben, juristische Verfahren einzusetzen, um Oppositionelle und Journalisten zum Schweigen zu bringen.

In seiner Zeit als Präsident hatte der pro-westliche Saakaschwili tiefgreifende Wirtschaftsreformen durchgesetzt, aber auch einen verheerenden Kurzkrieg mit Russland gestartet und zunehmend autokratische Züge entwickelt. Seine georgische Staatsangehörigkeit wurde ihm 2015 wegen mutmaßlichen Amtsmissbrauchs entzogen.

Im Exil nahm er die ukrainische Staatsbürgerschaft an und stand in der Ukraine einem für Reformen zuständigen Regierungsausschuss vor. Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj äußerte sich nun besorgt über Saakaschwilis Inhaftierung. Ein Sprecher Selenskyjs rief Georgien auf, "die Umstände und Gründe eines solchen Schritts gegen einen ukrainischen Staatsbürger zu erläutern".

Die Kommunalwahlen gelten als wichtiger Test für die Regierungspartei und werden innerhalb und außerhalb des Landes aufmerksam verfolgt. Beobachter erwarten davon Hinweise auf den Zustand der Demokratie in der Kaukasusrepublik.

(U.Stolizkaya--DTZ)

Empfohlen

Insgesamt zwölf Tote bei gegenseitigen Angriffen in Russland und der Ukraine

Bei gegenseitigen nächtlichen Angriffen sind in Russland und der Ukraine mindestens zwölf Menschen getötet worden. Nach russischen Behördenangaben vom Sonntag wurden fünf Menschen in der Region Rostow getötet, zwei weitere Todesopfer gab es demnach in den Regionen Moskau und Belgorod. Die ukrainischen Behörden meldeten fünf Todesofer sowie Schäden an einem der größten Stahlwerke des Landes. Die ukrainische Armee griff derweil Moskau mit hunderten Drohnen an.

Hitzeschutz im Grundgesetz: Grüne bieten Koalition Unterstützung an

Nach dem Vorstoß der SPD-Kabinettsmitglieder für eine Verankerung des Hitzeschutzes im Grundgesetz haben die Grünen der Koalition ihre Unterstützung angeboten. "Wir unterstützen eine Initiative für eine Grundgesetzänderung, damit der Bund sich an der Finanzierung durch eine Gemeinschaftsaufgabe für Klimaanpassung und Naturschutz beteiligen kann", sagte die stellvertretende Vorsitzende der Grünen-Fraktion im Bundestag, Julia Verlinden, am Sonntag der Nachrichtenagentur AFP in Berlin. "Wir stehen für Gespräche zur konkreten Ausgestaltung selbstverständlich zur Verfügung."

Durchhalteparolen für IS-Mitglieder: Haftstrafe für deutsche Sympathisantin

Eine deutsche IS-Sympathisantin ist in Düsseldorf zu einer Haftstrafe verurteilt worden. Das Oberlandesgericht sah es in seinem Urteil vom Freitag als erwiesen an, dass Nadine D. eine Initiative zur Gefangenenhilfe für Mitglieder und Unterstützer der Dschihadistenmiliz Islamischer Staat (IS) betrieb. Es verhängte eine Freiheitsstrafe von zwei Jahren und neun Monaten.

Je drei Tote in Russland und der Ukraine - massive Drohnenangriffe auf Moskau

In Russland und der Ukraine sind bei gegenseitigen Angriffen in der Nacht je drei Menschen getötet worden. Insgesamt wurden dutzende Menschen verletzt, wie am Sonntag aus Angaben der Behörden mehrerer ukrainischer Städte sowie des Gouverneurs der Region Moskau hervorging. Die ukrainische Armee griff Russlands Hauptstadt mit hunderten Drohnen an, mehr als 600 wurden nach Angaben der russischen Luftabwehr abgefangen.

Textgröße ändern: