Deutsche Tageszeitung - Friedensnobelpreis für Kampf für die Meinungs- und Pressefreiheit

Friedensnobelpreis für Kampf für die Meinungs- und Pressefreiheit


Friedensnobelpreis für Kampf für die Meinungs- und Pressefreiheit
Friedensnobelpreis für Kampf für die Meinungs- und Pressefreiheit / Foto: ©

Der Friedensnobelpreis geht in diesem Jahr an zwei Journalisten aus autoritär regierten Staaten: Maria Ressa von den Philippinen und Dmitri Muratow aus Russland werden für ihren "mutigen" Kampf für die Meinungsfreiheit ausgezeichnet, wie das Nobelkomitee in Oslo am Freitag mitteilte. Denn die Meinungsfreiheit sei eine "Voraussetzung für Demokratie und dauerhaften Frieden".

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Ressa und Muratow "stehen stellvertretend für alle Journalisten, die dieses Ideal in einer Welt verteidigen, in der Demokratie und Pressefreiheit immer ungünstigere Bedingungen vorfinden", sagte die Vorsitzende des norwegischen Nobelkomitees, Berit Reiss-Andersen, in ihrer Begründung.

Der 59-jährige Muratow ist Mitgründer und Chefredakteur der unabhängigen russischen Zeitung "Nowaja Gaseta", die auch für ihre Kritik an Präsident Wladimir Putin und seinem Machtsystem bekannt ist. In dieser Funktion habe Muratow "seit Jahrzehnten unter immer schwieriger werdenden Bedingungen die Meinungsfreiheit in Russland verteidigt", sagte Reiss-Andersen.

"Das ist nicht mein persönlicher Verdienst. Er gehört ’Nowaja Gaseta’", sagte Muratow laut der russischen Nachrichtenagentur TASS. Die Auszeichnung gelte zudem allen, die "bei der Verteidigung des Rechts auf Redefreiheit gestorben sind".

Seit Gründung der "Nowaja Gaseta" 1993 wurden sechs ihrer Mitarbeiter getötet, darunter die mehrfach ausgezeichnete Journalistin Anna Politkowskaja. Der Mord aus dem Jahr 2006 ist bis heute nicht vollständig aufgeklärt. Die Zeitung wirft den russischen Behörden vor, aus politischen Gründen kein Interesse an einer Aufklärung des Falls zu haben.

"Nowaja Gaseta" hatte zuletzt an den Enthüllungen im Zuge der "Pandora Papers" mitgearbeitet. In den Recherchen tauchen zahlreiche enge Vertraute von Präsident Putin auf, die mithilfe von Briefkastenfirmen ihre teils enormen und vor allem unerklärlichen Reichtümer verschleiert haben sollen.

Kreml-Sprecher Dmitri Peskow gratulierte Muratow dennoch zur Auszeichnung. "Er ist talentiert, er ist mutig", sagte Peskow. "Er ist seinen Idealen verpflichtet."

Die 58-jährige Ressa hatte 2012 in den Philippinen mit weiteren Kollegen das Investigativmedium Rappler gegründet. Sie kämpfe so gegen "den Machtmissbrauch und den wachsenden Autoritarismus in ihrem Heimatland", sagte Reiss-Andersen. Die Nobelkomitee-Vorsitzende hob Rapplers kritische Berichterstattung über die "umstrittene, mörderische Anti-Drogen-Kampagne" von Präsident Rodrigo Duterte hervor, die "einem Krieg gegen die eigene Bevölkerung gleich kommt".

Die philippinischen Behörden gingen in den vergangenen Jahren auch gerichtlich gegen Ressa und das Medium Rappler vor. Die ehemalige CNN-Korrespondentin ist derzeit gegen Kaution auf freiem Fuß, nachdem sie gegen eine Verurteilung wegen Verleumdung aus dem vergangenen Jahr Berufung eingelegt hatte. Ihr drohen bis zu sechs Jahre Gefängnis.

"Das ist die beste Zeit, um Journalist zu sein", sagte Ressa dazu. "Die Zeiten, in denen es am gefährlichsten ist, sind auch die Zeiten, in denen es am wichtigsten ist."

Die Bundesregierung würdigte die Auszeichnung der beiden Journalisten als wichtiges Signal für die Meinungsfreiheit. "Demokratie und Freiheit gibt es nur mit unabhängigen und freien Medien", erklärte Außenminister Heiko Maas.

Die Organisation Reporter ohne Grenzen begrüßte die Entscheidung ebenfalls und warnte vor Gefahren für Journalisten weltweit. "Der Journalismus ist angeschlagen, weil die Demokratien es auch sind", sagte Generalsekretär Christophe Deloire. Neben juristischer Verfolgung und Gewalt hob er vor allem auch "Fake News" als Gefahr hervor.

Die Verleihung des Friedensnobelpreises soll im Dezember in Oslo stattfinden. Das Preisgeld beträgt zehn Millionen schwedische Kronen (rund 980.000 Euro). Im vergangenen Jahr war das Welternährungsprogramm (WFP) der Vereinten Nationen ausgezeichnet worden. Zum Abschluss der Nobelpreis-Woche wird am Montag noch die Auszeichnung für Wirtschaftswissenschaften bekanntgegeben.

(V.Sørensen--DTZ)

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