Deutsche Tageszeitung - Afghanistans Taliban-Regierung nach erneutem IS-Anschlag auf Moschee unter Druck

Afghanistans Taliban-Regierung nach erneutem IS-Anschlag auf Moschee unter Druck


Afghanistans Taliban-Regierung nach erneutem IS-Anschlag auf Moschee unter Druck
Afghanistans Taliban-Regierung nach erneutem IS-Anschlag auf Moschee unter Druck / Foto: ©

Die in Afghanistan regierenden Taliban sind durch einen weiteren blutigen Angriff der Gruppierung Islamischer Staat Provinz Chorasan (IS-K) unter Druck geraten. Der regionale Ableger der Dschihadistenmiliz IS reklamierte den Selbstmordanschlag mit mindestens 41 Toten in der Stadt Kandahar im Süden des Landes in einer Mitteilung am Freitag für sich. Der Sprecher des US-Außenministeriums, Ned Price, forderte die Taliban auf, "ihre Verpflichtung zur Terrorismusbekämpfung einzuhalten" und den gemeinsamen Feind IS-K zu bekämpfen.

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"Wir sind entschlossen, dafür zu sorgen, dass niemand (...) jemals wieder afghanischen Boden als Ausgangspunkt für Angriffe auf die Vereinigten Staaten oder andere Länder nutzen kann", erklärte Price.

Der Angriff während des Freitagsgebets stelle "die Behauptung der Taliban in Frage, die Kontrolle über das Land zu haben", sagte Abdul Sayed von der britischen Expertengruppe für Konflikte Extrac. Der Selbstmordanschlag sei bereits die vierte große Attacke des mit den Taliban verfeindeten IS-Ablegers seit August.

Zudem handle es sich um den ersten tödlichen IS-Anschlag in Kandahar, der Geburtsstätte der Taliban-Bewegung, seit deren Machtübernahme, sagte Sayed weiter. "Wenn die Taliban Kandahar nicht vor einem IS-K-Angriff schützen können, wie könnten sie dann den Rest des Landes schützen?"

Der Angriff ereignete sich während des traditionellen Freitagsgebets in einer schiitischen Moschee. Selbstmordattentäter sprengten sich in verschiedenen Bereichen der Moschee in die Luft. Am Samstag waren die Wände noch mit Schrapnellen übersät. Freiwillige halfen bei den Aufräumarbeiten in der kunstvoll bemalten Gebetshalle. Trümmer lagen in einem Eingangskorridor.

Taliban-Kämpfer sperrten das Gebiet ab. "Uns werden zu viele Tote und Verwundete gebracht, wir brauchen dringend Blut", sagte ein Arzt des örtlichen Krankenhauses. Lokale Medien riefen die Bevölkerung auf, Blut zu spenden.

Der regionale Ableger der Dschihadistenmiliz IS hatte erklärt, dass zwei Selbstmordattentäter getrennte Anschläge verübt hätten. Laut Augenzeugen waren es sogar drei. Zwei Angreifer hätten am Haupteingang der Moschee das Feuer eröffnet, sagte der ein Wachmann. Einer von ihnen habe sich dann in die Luft gesprengt. Zwei weitere Selbstmordattentäter zündeten ihre Sprengsätze nach Angaben mehrerer Augenzeugen außerhalb des Hauptgebäudes der Moschee. Rund 70 Menschen wurden verletzt.

Der Polizeichef von Kandahar, Maulwi Mehmud, sprach von einem "brutalen Anschlag", bei dem "eine große Zahl unserer Landsleute ihr Leben verloren hat". Demnach waren Sicherheitsleute der schiitischen Gemeinde für die Sicherheit der Moschee zuständig. Von nun an würden die Taliban dies jedoch übernehmen.

Vor einer Woche erst waren bei einem Selbstmordanschlag auf eine schiitische Moschee im nordafghanischen Kundus mehr als 60 Menschen getötet worden. Auch diesen Anschlag hatte die Gruppe IS-K für sich reklamiert. Die Taliban, die Schiiten in der Vergangenheit ebenfalls verfolgt hatten, sicherten der Minderheit daraufhin Schutz zu.

Der Anteil der Schiiten an der afghanischen Bevölkerung wird auf etwa zehn Prozent geschätzt. Viele von ihnen sind Hasara, eine ethnische Gruppe, die in Afghanistan seit Jahrzehnten verfolgt wird.

Der 2014 gegründete IS-K ist wie auch die Taliban eine radikal-sunnitische Bewegung. Wegen religiöser und ideologischer Differenzen sind die beiden Gruppen jedoch verfeindet.

Das US-Verteidigungsministerium kündigte am Freitag an, Angehörigen von bei einem US-Drohnenangriff getöteten Zivilisten in Afghanistan Entschädigung zu zahlen. Den Verbliebenen werde zudem die Ausreise in die USA ermöglicht, sofern sie das Land verlassen wollten. Die US-Streitkräfte hatten vor rund einem Monat eingeräumt, bei dem Drohnenangriff in der afghanischen Hauptstadt Ende August zehn Unschuldige getötet zu haben.

(S.A.Dudajev--DTZ)

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