Deutsche Tageszeitung - Einwanderung in OECD-Länder wegen Corona-Krise um fast ein Drittel gesunken

Einwanderung in OECD-Länder wegen Corona-Krise um fast ein Drittel gesunken


Einwanderung in OECD-Länder wegen Corona-Krise um fast ein Drittel gesunken
Einwanderung in OECD-Länder wegen Corona-Krise um fast ein Drittel gesunken / Foto: ©

Die Corona-Pandemie hat in den OECD-Ländern zu einem Rekordrückgang der Einwanderungszahlen um mehr als 30 Prozent geführt. Im vergangenen Jahr seien 3,7 Millionen Migranten in die Mitgliedstaaten der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) gekommen, hieß es in einer am Donnerstag veröffentlichten OECD-Studie. Dies sei der niedrigste Wert seit 2003. In Deutschland fiel der Rückgang geringer aus.

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Zugleich habe die Corona-Krise "ein Jahrzehnt der kontinuierlichen Verbesserung der Arbeitsmarktsituation von Einwanderern beendet", hieß es im internationalen Migrationsausblick der OECD weiter. Im Schnitt waren demnach mehr als zwei Drittel der Zuwanderer erwerbstätig, was einem Rückgang von zwei Prozent im Vergleich zum Vorjahr entspricht. In drei von vier Ländern sei der Arbeitslosenanteil unter den Einwanderern gestiegen.

Alle Arten von dauerhafter Migration seien rückläufig gewesen, wobei die Familienmigration am stärksten gesunken sei, hieß es in der Studie. Die Zahl der Asylanträge in den OECD-Ländern ging den Angaben zufolge um 31 Prozent zurück. In Deutschland sank die Zahl der Erstanträge im vergangenen Jahr um 28 Prozent auf rund 103.000. Im ersten Halbjahr sei aber wieder ein deutlicher Anstieg zu verzeichnen.

In Deutschland, Österreich und der Schweiz sei der Rückgang bei der Zahl der Zuwanderer im Vergleich zu anderen Ländern wesentlich geringer ausgefallen, sagte der OECD-Migrationsexperte Thomas Liebig. Da in den drei deutschsprachigen Ländern die Einwanderung im Zuge der innereuropäischen Personenfreizügigkeit einen Großteil der Migration ausmache, seien die Reisebeschränkungen während der Pandemie dort weniger stark ins Gewicht gefallen.

Die OECD wertete in ihrem Migrationsbericht auch die fiskalischen Auswirkungen der Migration in den Mitgliedstaaten aus. "Auch wenn es Unterschiede zwischen den einzelnen Ländern gibt, tragen Migranten insgesamt mehr an Steuern und Abgaben bei, als sie an Leistungen aus den Gesundheits-, Bildungs- und Sozialversicherungssystemen erhalten", erklärte die OECD.

Der sogenannte Nettofiskalbeitrag von Zuwanderern in Deutschland habe 2018 höher gelegen als der von im Inland Geborenen, sagte Liebig. In absoluten Zahlen habe sich der Beitrag der Einwanderer zum Staatshaushalt seit 2007 in keinem OECD-Land besser entwickelt als in Deutschland.

Die OECD forderte eine bessere Integration von Migranten auf dem Arbeitsmarkt und in der Gesellschaft. Problematisch sei unter anderem, dass sich Zuwanderer oftmals in Stadtteilen mit hohem Migrantenanteil ansiedelten. Dies bringe kurzfristig oft Vorteile mit sich, führe aber langfristig zu schlechteren Integrationsergebnissen vor allem für Frauen und Kinder, sagte Liebig.

Er kritisierte insbesondere die mangelnde Durchmischung an Schulen in Deutschland. Kinder von Einwanderern besuchten oft eine Schule, die bereits einen hohen Anteil von Schülern mit Migrationshintergrund aufweise. Dies habe negative Auswirkungen auf ihre schulischen Leistungen im Vergleich zu Kindern auf Schulen mit einem geringeren Anteil an Schülern mit Migrationshintergrund.

So hätten Kinder aus Einwandererfamilien in diesen Schulen im Alter von 15 Jahren einen Rückstand von mehr als anderthalb Schuljahren, sagte Liebig. Dabei spielten auch andere Faktoren wie der Wohnort, der Bildungsgrad der Eltern und die innerhalb der Familie gesprochene Sprache eine Rolle.

Die Integrationspolitik müsse viel stärker auf Stadtteile mit hohem Migrantenanteil ausgerichtet werden, sagte der OECD-Experte. Nötig seien eine spezielle Förderung von Schulen in diesem Bereich, eine bessere Sprachförderung sowie insgesamt mehr "frauen- und familienbezogene Ansätze".

(P.Tomczyk--DTZ)

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