Deutsche Tageszeitung - Merkel: Ungeimpfte müssen sich auf neue Einschränkungen einstellen

Merkel: Ungeimpfte müssen sich auf neue Einschränkungen einstellen


Merkel: Ungeimpfte müssen sich auf neue Einschränkungen einstellen
Merkel: Ungeimpfte müssen sich auf neue Einschränkungen einstellen / Foto: ©

Die Corona-Lage in Deutschland verschärft sich weiter: Bei einem Ansteigen der Infektionszahlen hält Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) neue Einschränkungen für möglich - diese sollen aber nur Ungeimpfte treffen, wie sie am Mittwoch über ihren Sprecher Steffen Seibert in Berlin erklären ließ. Menschen mit vollständigem Impfschutz sollten davon ausgenommen werden. Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) sagte: Die vierte Infektionswelle habe Deutschland "mit besonderer Wucht getroffen".

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Der Kanzlerin bereite die derzeitige Pandemielage "große Sorge", sagte Seibert. "Wenn sich die pandemische Lage in den Krankenhäusern regional weiter zuspitzt, dann sind weitere Beschränkungen nur bei den Nicht-Geimpften möglich", fuhr er fort. Solche Beschränkungen könne es dann in Form von 2G-Regeln geben. Das heißt, Geimpfte und Genesene wären von den Beschränkungen ausgenommen.

Merkel ließ Sorge und ein Stück weit Unverständnis über die hohe Zahl der Ungeimpften durchblicken. Seibert sagte: "Was ihr große Sorgen macht ist, dass wir weiterhin über 16 Millionen ungeimpfte Erwachsene in Deutschland haben, mehr als drei Millionen Ungeimpfte über 60 Jahren - trotz der nachweislichen Sicherheit und Wirksamkeit der Impfstoffe, trotz der für alle und jeden verfügbaren Informationen, trotz der Leichtigkeit, mit der man jetzt an den reichlich verfügbaren Impfstoff kommen kann."

Minister Spahn forderte mehr Tempo bei den Auffrischimpfungen, um die Ausbreitung des Virus zu verlangsamen. "Die Pandemie ist nicht vorbei", sagte er in Berlin. "Wir erleben vor allem eine Pandemie der Ungeimpften - und die ist massiv."

Spahn zeigte sich unzufrieden mit der Zahl der Auffrischungsimpfungen für die bereits Geimpften. Seit August habe es nur zwei Millionen solcher Impfungen gegeben, "das reicht nicht", kritisierte Spahn. "Die Auffrischimpfungen helfen, die vierte Welle zu brechen."

Am Donnerstag und Freitag wollen Spahn und die Gesundheitsministerinnen und -minister der Länder über das weitere Vorgehen beraten. Spahn nannte am Mittwoch drei Punkte: Die Zahl der Auffrischimpfungen müsse nach oben getrieben werden, wobei jeder ungeachtet des Alters eine solche Impfung in Anspruch nehmen könne. Für Beschäftigte und Besucherin in Pflegeeinrichtungen forderte er einen Testzwang - auch für Geimpfte. Zudem verlangte er schärfere Kontrollen zur Einhaltung der 2G- oder 3G-Regeln.

Der Chef des Robert-Koch-Instituts, Lothar Wieler, nannte die derzeitigen Ansteckungszahlen "erschreckend". Auch er rief zu Auffrischimpfungen auf: "Wenn wir jetzt nicht gegensteuern, wird diese vierte Welle wieder viel Leid bringen."

Spahn und Seibert berichteten davon, dass in manchen Regionen mit hohen Ansteckungsraten bereits jetzt die Intensivbetten knapp würden. In manchen Krankenhäusern herrsche eine "wirklich schlimme Situation", sagte Seibert.

Medizin-Experten betonten die hohe Wirksamkeit der Auffrischungsimpfungen. Der Schutz könne nach einer dritten Impfung deutlich steigen , sagte der Berliner Immunologieprofessor Leif Erik Sander. Er verwies auf eine aktuelle Studie aus Israel, die einen nach der dritten Impfung um das 20-fache erhöhten Schutz belege.

Angesichts der sich verschärfenden Lage zeichnete sich ein baldiges Spitzentreffen von Kanzlerin Merkel mit den Länderchefinnen und -chefs ab; dies könnte kommende Woche stattfinden. Merkel sei offen für ein solches Treffen, sagte Seibert.

Bayerns Ministerpräsident Markus Söder (CSU) warnte vor einer Überlastung der Krankenhäuser. Die Situation in den Kliniken sei "sehr, sehr besorgniserregend", sagte er in München. Hessen kündigte derweil eine tägliche Testpflicht für das nicht geimpfte Personal in Kliniken und Pflegeheimen an und folgte damit dem Beispiel von Rheinland-Pfalz.

Nordrhein-Westfalens Ministerpräsident Hendrik Wüst (CDU) forderte ein baldiges Bund-Länder-Treffen. "Die steigenden Infektionszahlen erfordern von uns konzentrierte Wachsamkeit und entschlossenes, zielgerichtetes Handeln", sagte er in Düsseldorf.

(P.Tomczyk--DTZ)

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