Deutsche Tageszeitung - Taliban bestätigen Berichte über Tötung mehrerer Frauen in Masar-i-Scharif

Taliban bestätigen Berichte über Tötung mehrerer Frauen in Masar-i-Scharif


Taliban bestätigen Berichte über Tötung mehrerer Frauen in Masar-i-Scharif
Taliban bestätigen Berichte über Tötung mehrerer Frauen in Masar-i-Scharif / Foto: ©

Im Norden Afghanistans sind vier Frauen getötet worden, darunter offenbar mindestens eine Frauenrechtsaktivistin. Die in Afghanistan herrschenden, radikalislamischen Taliban bestätigten am Samstag den Fund von vier Frauenleichen in einem Haus in Masar-i-Scharif und gaben die Festnahme von zwei Männern in dem Zusammenhang bekannt. Nach AFP-Informationen wollten die Frauen das Land verlassen und wurden womöglich in eine Falle gelockt.

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"Die Festgenommenen haben in Verhören zugegeben, dass sie die Frauen in das Haus eingeladen haben", sagte der Sprecher des Innenministeriums, Kari Sajed Chosti, in einer Videobotschaft. "Weitere Ermittlungen sind im Gange und der Fall wurde an das Gericht weitergeleitet."

Chosti machte keine näheren Angaben zur Identität der Opfer. Mindestens eine der getöteten Frauen war aber offenbar eine Frauenrechtsaktivistin: "Ich kannte eine von ihnen, Frosan Safi", sagte eine Frauenrechtsaktivistin und Mitarbeiterin einer internationalen Organisation zu AFP. "Sie war eine Frauenaktivistin, die in der Stadt sehr bekannt war."

Einem früheren Bericht der BBC zufolge wollten die Frauen zum Flughafen Masar-i-Scharif, um das Land zu verlassen. Aus Aktivistenkreisen erfuhr AFP, dass sie einen Anruf erhielten, den sie für eine Einladung zu einem Evakuierungsflug hielten. Demnach wurden sie von einem Auto abgeholt und später tot aufgefunden.

Sie selbst habe vor drei Wochen einen Anruf von jemandem erhalten, der vorgab, ihr bei der Ausreise aus Afghanistan helfen zu wollen, sagte die Mitarbeiterin der internationalen Organisation weiter. Sie sei aber misstrauisch geworden und habe den Anrufer blockiert.

In Masar-i-Scharif hatte die Bundeswehr lange Zeit ihr größtes Feldlager im Norden des Landes. Die Taliban hatten die Stadt dann Mitte August eingenommen.

Seit der Machtübernahme der Taliban in ganz Afghanistan haben viele Menschenrechtsaktivisten das Land aus Furcht vor Unterdrückung und Gewalt durch die Islamisten verlassen. Die Taliban hatten Frauen während ihrer ersten Herrschaft in Afghanistan in den 1990er Jahren weitgehend aus dem öffentlichen Leben verbannt.

Vereinzelte Proteste von Frauen, etwa für die Rückkehr von Mädchen zur Schule, wurden zuletzt immer wieder aufgelöst. Die Anführer der Islamisten unterstrichen aber, dass ihre Kämpfer nicht befugt seien, Aktivisten zu töten, und drohten Strafen an.

(U.Stolizkaya--DTZ)

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