Deutsche Tageszeitung - Klimaaktivisten wollen mit weltweiten Protesten Druck auf COP26-Teilnehmer erhöhen

Klimaaktivisten wollen mit weltweiten Protesten Druck auf COP26-Teilnehmer erhöhen


Klimaaktivisten wollen mit weltweiten Protesten Druck auf COP26-Teilnehmer erhöhen
Klimaaktivisten wollen mit weltweiten Protesten Druck auf COP26-Teilnehmer erhöhen / Foto: ©

Mit weltweiten Protestaktionen haben Demonstranten vor der zweiten Sitzungswoche den Druck auf die Teilnehmer der Weltklimakonferenz (COP26) erhöht. Trotz strömenden Regens gingen allein am Tagungsort Glasgow tausende Menschen zu Protesten auf die Straße, um weitreichende Klimaschutzmaßnahmen zu fordern. Klimaaktivisten zogen eine ernüchternde Halbzeitbilanz des Gipfeltreffens. Auch Bundesentwicklungsminister Gerd Müller (CSU) äußerte sich enttäuscht.

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Bereits am Freitag waren tausende junge Demonstranten in Glasgow auf die Straße gegangen. Sie warfen den bei der Weltklimakonferenz versammelten Politikern Untätigkeit angesichts der Klimakrise vor. Die COP26 sei ein "Misserfolg" und nur "bla, bla, bla", sagte die schwedische Klimaaktivistin Greta Thunberg.

Am Samstag rechneten die Organisatoren und die Polizei mit bis zu 50.000 Protesteilnehmern in Glasgow. "Warme Worte sind nicht genug", sagte die schottische Aktivistin Mikaela Loach. Nötig seien "sofortige und ernsthafte Taten". In der zweiten Verhandlungswoche müssten ehrgeizigere Ziele vereinbart werden. Geplant sind Kundgebungen und ein Protestmarsch am Nachmittag durch die Stadt.

In zahlreichen weiteren Städten weltweit waren rund 200 weitere Protestaktionen geplant. In Australien gingen bereits in Sydney und Melbourne zahlreiche Menschen auf die Straße. "Schluss mit dem Blabla. Echte Klima-Aktionen jetzt", war auf einem Plakat zu lesen. Die Gespräche in Glasgow bezeichneten die Demonstranten als "Farce". In der südkoreanischen Hauptstadt Seoul nahmen rund 500 Menschen an einer Kundgebung teil.

Bei der Weltklimakonferenz verhandeln Vertreter von 197 Nationen noch bis zum 12. November über die weitere Umsetzung des Pariser Klimaschutzabkommens von 2015. Das Abkommen sieht die Begrenzung der Erderwärmung auf deutlich unter zwei Grad, idealerweise 1,5 Grad, im Vergleich zum vorindustriellen Zeitalter vor. Experten und die UNO warnen, dass die Erde derzeit auf eine Erwärmung von 2,7 Grad in diesem Jahrhundert zusteuert.

Der geschäftsführende Bundesentwicklungsminister Müller kritisierte die bisherigen Verhandlungsergebnisse bei der COP26. "Die sich abzeichnenden Beschlüsse reichen nicht aus, das 1,5-Grad-Ziel zu erreichen", sagte er dem Redaktionsnetzwerk Deutschland. "Auch die Unterstützungsangebote für die Entwicklungsländer, selbst wenn sie voll umgesetzt werden, sind absolut unzureichend zur Anpassung an den bereits stattfindenden Klimawandel", kritisierte Müller.

Die geschäftsführende Bundesumweltministerin Svenja Schulze (SPD) äußerte sich hingegen optimistischer. "So viel, wie sich in den letzten Jahren beim Thema Klimaschutz bewegt hat, können wir es schaffen, die 1,5 Grad in Reichweite zu halten", sagte sie den Zeitungen der Funke Mediengruppe. Es komme darauf an, dass die USA ihre Versprechen einhielten und China sich mehr zutraue als bisher zugesagt.

Deutlich negativer fiel die Zwischenbilanz der Klimaaktivistin Luisa Neubauer aus. "Wie erwartet dreht sich sehr viel um mehr oder weniger leere Reden", sagte sie der "Neuen Osnabrücker Zeitung". In der zweiten Woche der COP26 hätten die Teilnehmer "noch alle Möglichkeiten, daraus einen diplomatischen Erfolg zu machen, der mehr ist als leere Worte" sei. Zuversichtlich sei sie jedoch nicht.

Der Klimaforscher Michael Mann von der US-Universität Penn State warnte indes davor, die Konferenz vorzeitig abzuschreiben. "Die COP26 hat gerade erst begonnen", schrieb er auf Twitter. Wer die Weltklimakonferenz bereits jetzt für gescheitert erkläre, lasse die "Herzen der Manager der fossilen Brennstoffindustrie vor Freude hüpfen".

Mehr als 80 Länder hatten sich in Glasgow dazu verpflichtet, den Methan-Ausstoß bis 2030 um mindestens 30 Prozent im Vergleich zu 2020 senken. Einige der größten Emittenten wie China, Indien, Russland und Australien schlossen sich dem Vorstoß jedoch nicht an. Mehr als hundert Staaten verabschiedeten außerdem eine Erklärung zum Stopp der Entwaldung bis 2030.

Am Donnerstag kündigten außerdem rund 20 Länder, darunter die USA und Kanada, das Ende der Finanzierung fossiler Brennstoffe im Ausland bis Ende 2022 an. Mehr als 40 Länder verpflichteten sich, grundsätzlich aus fossilen Brennstoffen auszusteigen, allerdings blieben Einzelheiten und Zeitplan hier vage. Deutschland gehört bislang nicht zu den Unterzeichnern.

(U.Beriyev--DTZ)

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